„Lass uns Freunde bleiben" - Warum der Satz oft verletzt und wann er ehrlich gemeint ist

Nach der Trennung Freunde bleiben - klingt nach fairem Kompromiss, fühlt sich aber oft nach zweiter Wahl an. Wann eine Freundschaft mit dem Ex wirklich funktionieren kann und wann du besser Abstand nimmst.

justboys-Redaktion

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Du hast Schluss gemacht oder Schluss bekommen, und dann kommt dieser Satz: „Lass uns Freunde bleiben." Klingt vernünftig, irgendwie erwachsen. Aber gleichzeitig verletzend, weil Freundschaft in diesem Moment nach Trostpreis klingt. Nach: Du warst die Liebe nicht wert, aber als Kumpel reichts noch. Kein Wunder, dass viele von uns bei dem Satz innerlich zusammenzucken.

Und doch ist die Idee nicht komplett absurd. Wer mal zusammen war, der hatte mal Sympathie, Vertrauen, vielleicht sogar richtig gute Gespräche. Das verschwindet ja nicht einfach, nur weil man als Paar nicht funktioniert. Die Frage ist: Wann macht eine Freundschaft mit dem Ex wirklich Sinn - und wann tut man sich damit keinen Gefallen?

Die Mehrheit will keinen Kontakt - und das ist okay

Erstmal die Realität: Die Mehrheit möchte nach der Trennung keinen Kontakt mehr zum Ex-Partner aufrechterhalten, sondern einen klaren Schnitt. Das ist keine Herzlosigkeit, sondern oft der gesündere Weg. Wer sich trennt, braucht Raum, um die Beziehung zu verarbeiten, loszulassen und wieder zu sich selbst zu finden. Gerade wenn einer von beiden noch Gefühle hat, ist Distanz keine Zurückweisung, sondern Selbstschutz.

Trotzdem: Laut Forschung (Griffith et al., 2017) bleiben rund 60 % der Ex-Paare zunächst befreundet - die Qualität hängt jedoch stark vom jeweiligen Motiv ab. „Zunächst" ist hier das entscheidende Wort. Denn viele dieser Freundschaften halten nicht lange, wenn die Gründe nicht stimmen.

Warum wollen wir überhaupt Freunde bleiben?

Die Oakland-Studie von 2016 hat untersucht, warum Menschen nach der Trennung Kontakt halten wollen. Sentimentalität ist der wichtigste Grund, wieso Menschen mit ihrem ehemaligen Partner befreundet bleiben möchten - man schätzt die gemeinsame Zeit, kennt sich gut, versteht einander. Pragmatismus, den anderen also bei Laune halten und immer wieder um Gefälligkeiten zu bitten sowie Sex werden von den Befragten als unwichtig eingestuft. Das klingt erstmal gut.

Aber Achtung: Nicht jeder, der Freundschaft anbietet, meint das auch ehrlich. Manche wollen nur ihr schlechtes Gewissen beruhigen, weil sie Schluss gemacht haben. Andere hoffen insgeheim, dass daraus doch noch eine Beziehung wird. Und wieder andere picken sich nur die Rosinen raus: die emotionale Unterstützung, die Hilfe im Alltag - ohne selbst etwas zurückzugeben. Das ist keine Freundschaft, sondern ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis, das dich am Ende nur auslaugt.

Wann eine Freundschaft mit dem Ex nicht funktioniert

Es gibt Situationen, in denen ist eine Freundschaft von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wenn sich die Partner*innen unschön getrennt haben, wenn einer den anderen betrogen hat, wenn beide um das Sorgerecht kämpfen oder übereinander herziehen, wird es vorerst nichts mit dem Freund*innen bleiben. Bei großen Verletzungen braucht es zuerst Abstand.

Und noch etwas ist entscheidend: Wenn einer von beiden noch immer Gefühle für den anderen hegt, muss man - so schwer es auch fällt - auf Abstand gehen. Solange du heimlich hoffst, dass er doch zurückkommt, ist jede „Freundschaft" nur eine Selbstlüge. Du tust dir damit keinen Gefallen, sondern hältst dich selbst in einer Warteschleife fest, die nirgendwo hinführt.

Die Liebe nahtlos in eine Freundschaft zu entwickeln ist nahezu unmöglich, denn zu diesem Zeitpunkt sind noch zu viele unverarbeitete Gefühle und Hoffnungen im Spiel. Wenn ihr Freunde werden wollt, braucht es erstmal Pause. Wochen, Monate - so lange, bis beide wirklich über die Beziehung hinweg sind.

Wann es klappen kann - und was es braucht

Eine Freundschaft mit dem Ex kann funktionieren, wenn ein paar Dinge stimmen: Beide sind über die Trennung hinweg. Beide wollen die Freundschaft ehrlich und aus den richtigen Gründen. Und beide akzeptieren, dass es keine Liebesbeziehung mehr ist - mit allem, was dazugehört. Keine körperliche Nähe mehr, kein Flirten, keine Hoffnungen auf ein Comeback.

Oft hilft es, wenn beide in neuen Beziehungen sind und gefestigt genug, um den Ex als Freund im Leben zu haben, ohne dass alte Gefühle wieder hochkommen. Gemeinsame Kinder, ein gemeinsamer Freundeskreis oder echte gegenseitige Wertschätzung können gute Gründe sein, Kontakt zu halten.

Aber: Auch dann gilt, dass ihr klare Grenzen braucht. Was ist okay, was nicht? Wie viel Kontakt tut gut? Und wie gehst du damit um, wenn er einen neuen Partner hat und du merkst, dass es doch noch weh tut?

Was du jetzt tun kannst

Sei ehrlich zu dir selbst: Warum willst du Freunde bleiben? Weil du die Person wirklich schätzt und euch auf Augenhöhe begegnen könnt? Oder weil du insgeheim hoffst, dass daraus mehr wird? Oder weil du dich nicht traust, ganz loszulassen?

Wenn einer von euch noch Gefühle hat: Nimm Abstand. Das ist keine Ablehnung, sondern Selbstfürsorge. Vielleicht wird Jahre später eine Freundschaft möglich - vielleicht aber auch nicht. Und das ist okay.

Wenn die Trennung schmerzhaft oder verletzend war: Gib dir Zeit. Heilung braucht Raum, keine erzwungene Freundschaft.

Und wenn ihr wirklich beide Freunde sein wollt: Wartet, bis die Gefühle abgeklungen sind. Redet dann offen über eure Erwartungen. Und habt den Mut, auch diese „Freundschaft" zu beenden, wenn sie euch nicht guttut.

„Lass uns Freunde bleiben" kann ein ehrlicher, wertvoller Satz sein. Aber nur, wenn beide ihn auch wirklich meinen - und die richtigen Voraussetzungen dafür da sind.

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