Es gibt nicht viele Filme, die zeigen, was queere Menschen in der NS-Zeit durchmachen mussten. A Love to Hide (Originaltitel: Un amour à taire) gehört zu den wenigen, die dieses dunkle Kapitel ins Zentrum rücken - und das mit einer Dringlichkeit, die auch 2026 noch unter die Haut geht.
Jean und Philippe - Liebe unter der Besatzung
Der Film aus dem Jahr 2005, inszeniert von Christian Faure, spielt im Paris des Jahres 1942, mitten in der deutschen Besatzung. Jean Lavandier führt die Reinigung seiner Familie und lebt eine heimliche Beziehung mit Philippe, der für die Résistance arbeitet. Als die junge Jüdin Sarah auftaucht - traumatisiert, nachdem sie mit ansehen musste, wie ihre Familie von einem Schmuggler brutal ermordet wurde -, nehmen Jean und Philippe sie auf. Jean gibt ihr eine falsche Identität als „Yvonne" und lässt sie in der Reinigung arbeiten.
Doch Jeans Bruder Jacques, ein kleinerer Krimineller mit Kontakten zu den Kollaborateuren, verliebt sich in Sarah. Als er merkt, dass sie Jean näherzustehen scheint, entwickelt sich aus Eifersucht eine fatale Dynamik: Jacques schwärzt seinen Bruder bei den französischen Behörden an - eigentlich nur, um ihn kurz „abzustrafen". Aber Jean steht bereits auf der „rosa Liste", weil er einmal mit einem deutschen Offizier getanzt hatte. Was als kurze Lektion gedacht war, endet in Verhaftung, brutalem Verhör und schließlich der Deportation ins Konzentrationslager.
Der Film basiert lose auf dem autobiografischen Buch Moi, Pierre Seel, déporté homosexuel (1994) des französischen Zeitzeugen Pierre Seel, der seine eigene Verfolgung als schwuler Mann im deutsch besetzten Elsass dokumentierte. A Love to Hide ist Pierre Seel gewidmet, der im Jahr der Dreharbeiten 2005 verstarb.
Queere NS-Verfolgung im Kino - was A Love to Hide leistet
Queere Verfolgung während des Zweiten Weltkriegs ist im Film kaum präsent - abgesehen von Klassikern wie Bent gibt es wenig. A Love to Hide füllt diese Lücke und zeigt mit schonungsloser Klarheit, wie schwule Männer nicht nur von den Nazis, sondern auch von der französischen Vichy-Regierung verfolgt wurden. Das ist historisch wichtig, weil diese Geschichte lange verschwiegen wurde.
Der Film ist allerdings kein leichter Stoff. Regisseur Christian Faure zeigt die Gewalt der Konzentrationslager explizit - teilweise mit Szenen, die historisch umstritten sind (etwa eine Lobotomie-Sequenz in Dachau, für die es keine belegten Quellen gibt). Manche Kritiker*innen werfen dem Film vor, zu sehr auf Schockeffekte zu setzen und deutsche Figuren klischeehaft als eindimensional böse darzustellen. Trotzdem: Die Grundaussage - dass queere Leben in dieser Zeit nichts galten - kommt mit brutaler Wucht rüber.
Darstellerisch ist der Film stark: Jérémie Renier spielt Jean mit einer Mischung aus Zärtlichkeit und stummer Verzweiflung, Bruno Todeschini gibt Philippe eine ruhige Intensität, und Louise Monot überzeugt als Sarah, die zwischen Dankbarkeit und eigener Überlebensschuld gefangen ist. Die Chemie zwischen den Figuren trägt den Film auch dort, wo die Inszenierung etwas zu dick aufträgt.
Triggerwarnung: Der Film zeigt explizite Gewalt, Folterszenen im KZ-Kontext, Mord und psychische Manipulation. Nichts wird beschönigt.
GagaOOLala, DVD, Salzgeber - so erreichbar ist der Film
- GagaOOLala: Der queere Streaming-Dienst führt A Love to Hide im Katalog (Stand Anfang 2026), allerdings ist die Verfügbarkeit in DACH nicht immer garantiert - Abo-Check lohnt sich.
- DVD: Auf Amazon.de und Amazon.co.uk ist die DVD noch vereinzelt erhältlich, teilweise mit deutschen Untertiteln (OmU). Auch über Videobuster kann der Film per Post-Verleih geliehen werden.
- Kein klassisches Streaming: Bei Netflix, Amazon Prime Video, Mubi oder den öffentlich-rechtlichen Mediatheken (ARD, ZDF, ORF, SRF) ist der Film aktuell nicht zu finden (Stand April 2026).
Falls du keinen Zugriff auf GagaOOLala hast und keine DVD bestellen möchtest, bleibt die Suche etwas mühsam - aber der Film ist es wert, ihn aufzutreiben.
Nach A Love to Hide: Bent und Faures früheres Werk
- Bent (1997): Ebenfalls über schwule Verfolgung im KZ, mit Clive Owen und Mick Jagger. Theatralischer, aber ähnlich schonungslos.
- Nur eine Frage von Liebe (2000): Ein früherer Film von Christian Faure, ebenfalls französisch, über ein Coming-out in einer konservativen Familie - emotionaler, weniger historisch, aber starke Charakterarbeit.
- Der Fremde am See (2013): Kein historischer Film, aber ein französischer queerer Thriller, der das Thema Begehren und Gefahr neu verhandelt - atmosphärisch dicht und preisgekrönt.
