Adrians Traum - Acht Jahre Ballett, Verletzungen und ein Vater, der nicht versteht

Ein elfjähriger Junge will Ballettstar werden, sein Vater ist Baggerfahrer. Manuel Fenns Langzeitdokumentation aus dem Jahr 2010 begleitet Adrian über acht Jahre durch seine harte Ausbildung an der Staatlichen Ballettschule Berlin - und zeigt, wie schmerzhaft es sein kann, wenn Träume auf Realität treffen.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Adrians Traum - Acht Jahre Ballett, Verletzungen und ein Vater, der nicht versteht - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

Was passiert, wenn dein größter Traum nichts mit dem zu tun hat, was dein Vater sich für dich vorgestellt hat? Manuel Fenns Dokumentarfilm aus dem Jahr 2010 zeigt genau das: Adrian ist elf, als er an die Staatliche Ballettschule Berlin aufgenommen wird. Sein Vater Andreas fährt Bagger, liebt Motorräder und würde am liebsten mit seinem Sohn in der Garage basteln. Stattdessen verbringt Adrian bis zu zehn Stunden täglich im Ballettsaal - und die beiden Welten könnten nicht weiter auseinanderliegen.

Adrian an der Ballettschule - acht Jahre Traum

Der Film aus dem Jahr 2010 ist eine achtjährige Langzeitdokumentation, die Adrian von seiner Aufnahmeprüfung mit elf Jahren bis kurz vor seinem Abschluss begleitet. Die Ausbildung an der Staatlichen Ballettschule Berlin ist brutal: Parallel zum normalen Schulunterricht trainieren die Schülerinnen und Schüler, um professionelle Bühnentänzer zu werden. Jedes Jahr müssen Kinder die Schule verlassen - weil ihr Körper nicht mitmacht oder weil sie den Anforderungen nicht gewachsen sind.

Adrian aber besteht. Er absolviert jede Prüfung, jeden Auftritt. Die Ballettschule wird für ihn ein zweites Zuhause, eine Welt, in der er ganz er selbst sein kann. Doch während Adrian in diese Welt hineinwächst, kämpft sein Vater Andreas damit, seinen Sohn zu verstehen. Andreas gibt offen zu, dass er mit Ballett nichts anfangen kann. In der Pubertät eskaliert das Verhältnis zwischen Vater und Sohn - Andreas beginnt auf seine Art um Adrians Zuneigung zu kämpfen, während Adrian sich immer weiter von der Welt seiner Eltern entfernt.

Filmstill bzw. Pressefoto zum Film

Zwei Jahre vor dem Abschluss dann der Schock: Adrian muss sich am Fuß operieren lassen. Ein Überbein, entstanden durch die jahrelange Belastung, muss entfernt werden. Die Frage steht im Raum: Ist das das Ende? Ein Jahr nach der Operation hat Adrian immer noch Schmerzen. Der Film zeigt diese Phase in all ihrer Unsicherheit - das Hoffen, das Bangen, die Frage, ob sich all die Opfer gelohnt haben.

Radikale Nähe: Was diese Doku 2026 noch wertvoll macht

Was Adrians Traum heute noch so wertvoll macht, ist seine radikale Ehrlichkeit. Regisseur Manuel Fenn begleitet Adrian acht Jahre lang, und man spürt in jeder Szene, wie nah er dran ist. Das ist kein glattgebügeltes Coming-of-Age-Märchen, sondern ein Film, der zeigt, was es wirklich kostet, anders zu sein als das, was dein Umfeld von dir erwartet.

Für junge schwule und bisexuelle Zuschauer ist der Film besonders interessant, weil er ein Thema berührt, das viele kennen: die Frage, ob deine Familie dich wirklich versteht - und ob sie dich trotzdem liebt, auch wenn sie es nicht tut. Der Film sagt nie explizit, ob Adrian schwul ist, und das ist auch nicht der Punkt. Es geht um einen Jungen, der schon als Kind weiß, dass er nicht in die Schublade passt, die sein Vater für ihn vorgesehen hat. Andreas bekommt auf dem Bau Sprüche ab, Kollegen fragen ihn: "Hast du keine Angst, dass er schwul wird?" Der Film zeigt diese toxische Männlichkeit, ohne sie zu glorifizieren - aber auch ohne Andreas zum Bösewicht zu machen.

Was 2026 anders wirkt als damals: Die Frage nach geschlechtlichen Rollenbildern und queeren Identitäten wird heute offener diskutiert. Trotzdem - oder gerade deshalb - ist Adrians Traum ein wichtiges Zeitdokument. Der Film zeigt, wie hart es sein kann, deinen Weg zu gehen, wenn deine Familie nicht versteht, warum dieser Weg für dich richtig ist. Und er zeigt auch, dass Liebe und Verständnis zwei verschiedene Dinge sind.

Triggerwarnung: Der Film thematisiert starken körperlichen und psychischen Druck in einer Eliteschule, Verletzungen und das Scheitern von Träumen. Es gibt emotional belastende Szenen, besonders gegen Ende.

Streaming-Lücke: Wie du Adrians Traum jetzt findest

Aktuell ist Adrians Traum in keinem der großen Streaming-Dienste (Netflix, Mubi, Amazon Prime, Disney+, etc.) in DACH verfügbar (Stand April 2026). Der Film wurde ursprünglich 2010 für ZDF und ARTE produziert und lief auch auf verschiedenen Festivals, ist aber seitdem schwer zugänglich.

  • Gelegentlich taucht der Film in den Mediatheken von ZDF oder 3sat auf - es lohnt sich, dort zu suchen oder eine Benachrichtigung einzurichten.
  • Eine DVD-Version ist über spezialisierte Anbieter oder den Verleih Salzgeber möglicherweise erhältlich - am besten direkt beim Verleih anfragen.
  • Für Schulen und Bildungseinrichtungen gibt es eventuell Vorführrechte über Medienpädagogische Zentren.

Tänzerdokus, die genauso packen

Wenn dich Adrians Traum berührt hat, könnten diese Filme ebenfalls für dich interessant sein:

  • Pina (Wim Wenders, 2011) - Eine bildgewaltige 3D-Dokumentation über die legendäre Choreografin Pina Bausch und ihre Tänzerinnen und Tänzer. Zeigt die Schönheit und Härte des Tanzes aus einer ganz anderen Perspektive.
  • Billy Elliot - I Will Dance (Stephen Daldry, 2000) - Der Klassiker über einen Jungen aus einer englischen Bergarbeiterfamilie, der Balletttänzer werden will. Spielfilm statt Doku, aber ähnliche Thematik: Träume gegen alle Widerstände.
  • Die Welt jenseits der Stille (Manuel Fenn, 2021) - Ein weiterer Dokumentarfilm von Manuel Fenn, diesmal über zwölf Menschen während der Corona-Pandemie. Zeigt, dass Fenn auch nach Adrians Traum weiterhin intime, menschliche Geschichten erzählt.

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