Als wir tanzten - Begehren, Ballett und die Grenzen Georgiens

Zwischen Probenräumen und nächtlichen Clubs in Tiflis entfaltet sich eine Coming-out-Geschichte, die keine Antworten verspricht - nur Bewegung, Risiko und den Mut, alles aufs Spiel zu setzen.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Als wir tanzten - Begehren, Ballett und die Grenzen Georgiens - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Was machst du, wenn dein größter Rivale zu deiner größten Leidenschaft wird - und beides dein Leben zu zerstören droht? Der Film aus dem Jahr 2019 hat eine einfache Antwort: Du tanzt.

Merab und das Staatsballett: Tanz gegen die Zeit

Merab ist Tänzer. Seit seiner Kindheit trainiert er am nationalen georgischen Staatsballett in Tiflis, immer an der Seite seiner Tanzpartnerin Mary. Sein Ziel ist klar: ein fester Platz im Ensemble. Die Konkurrenz ist hart, die Anforderungen brutal, und Merab gibt alles. Dann taucht Irakli auf.

Irakli ist neu in der Klasse, selbstbewusst, ungezwungen - und verdammt gut. Sofort wird er für Merab zu einer Bedrohung. Denn Irakli will denselben Platz, kämpft um dieselbe Anerkennung. Doch aus der Rivalität wird bald etwas anderes: Begehren. Eine Anziehung, die Merab nicht kontrollieren kann und die im homophoben Umfeld der Tanzschule unmöglich ist.

Filmstill bzw. Pressefoto zum Film

Der Film von Regisseur Levan Akin zeigt, wie Merab zwischen Disziplin und Verlangen zerrissen wird. Nachts geht er in Clubs, tanzt zu elektronischen Beats, versucht seine Orientierung zu verstehen. Tagsüber kehrt er in die streng hierarchische Welt des georgischen Volkstanzes zurück, wo Männlichkeit ein enges Korsett ist und Homosexualität nicht existieren darf. Als die Beziehung zu Irakli intensiver wird, muss Merab entscheiden: Will er seine Zukunft als Tänzer riskieren - oder das, was er wirklich fühlt?

Stumme Rebellion: Warum der Film leiser spricht als andere

„Als wir tanzten" ist kein Film, der seine queere Geschichte laut hinausschreit. Er flüstert sie, tanzt sie, atmet sie. Das macht ihn in einer Zeit, in der viele Coming-out-Geschichten didaktisch durchdekliniert werden, zu etwas Besonderem. Der Film vertraut darauf, dass du verstehst, was in Merabs Blicken, in seinen Bewegungen, in seiner Körpersprache liegt - ohne dass es jemand in Worte fassen muss.

Die Tanzszenen sind dabei mehr als nur Choreografie. Sie sind Intimität, Machtkampf, Sex, Selbstfindung - alles gleichzeitig. Und Levan Gelbakhiani, der Merab spielt, liefert eine Performance ab, die dafür sorgt, dass du jede Regung spürst. Kein Wunder, dass er dafür mit Preisen überhäuft wurde und für den Europäischen Filmpreis nominiert war.

Filmstill aus dem Original-Magazinartikel

Gleichzeitig zeigt der Film eine Realität, die vielen jungen schwulen Männern weltweit noch immer vertraut ist: ein Umfeld, in dem Queerness gefährlich ist. Georgien ist konservativ, die Gesellschaft homophob, und der Film verschweigt das nicht. Als „Als wir tanzten" 2019 in Georgien Premiere hatte, riefen Nationalisten zum Boykott auf. Das allein zeigt, wie politisch dieser Film ist - auch wenn er niemals ein Politdrama sein will.

Triggerwarnungen: Der Film zeigt keine explizite Gewalt, aber ein klar homophobes Umfeld. Es gibt Szenen von emotionalem Druck, Diskriminierung und innerem Konflikt.

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Wenn du auf Festivals unterwegs bist: Queere Filmfeste wie das Queersicht in Bern oder das QueerFilmFestival Hamburg zeigen den Film gelegentlich in Retrospektiven zu LGBTQ+ Cinema aus Osteuropa.

Levan Akins weiteres Werk: Crossing und mehr

Dann wirf einen Blick auf diese Empfehlungen:

  • Crossing (2024) - Levan Akins neuer Film, der 2024 auf der Berlinale Premiere hatte. Eine georgische Frau sucht in Istanbul ihre verschwundene trans Nichte. Auch hier: queere Geschichten jenseits westlicher Metropolen, mit viel Herz und politischem Bewusstsein.
  • God's Own Country (2017) - Ein britisches Coming-of-Age-Drama über einen jungen Farmer, der sich in einen rumänischen Wanderarbeiter verliebt. Ähnlich rau, ähnlich intim, ähnlich ehrlich.
  • Firebird (2021) - Eine verbotene Liebesgeschichte zwischen einem Soldaten und einem Kampfpiloten in der Sowjetunion der 1970er Jahre. Auch hier: queeres Begehren in einem repressiven System, wunderschön fotografiert.

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