Was passiert, wenn zwei Außenseiter für ein Schulprojekt die größte Liebesgeschichte aller Zeiten neu erfinden müssen - und dabei ihre eigene erleben? Der australische Film Beautiful Love (Originaltitel: Monster Pies) aus dem Jahr 2013 erzählt genau das: eine erste schwule Liebe zwischen zwei Siebzehnjährigen im Melbourne der 1990er, unschuldig, intensiv und mit einem Ende, das dich völlig unvorbereitet trifft.
Mike trifft Will - Außenseiter und Traumjunge
Mike ist der klassische Außenseiter: kommt ständig zu spät, liebt Horrorfilme und Frankenstein, und seine Mitschüler sehen in ihm nur den Sonderling. Dann kommt Will neu in die Klasse - hinreißend, selbstbewusst, und plötzlich muss Mike mit ihm ein Videoprojekt für den Englischunterricht bearbeiten. Die Aufgabe: eine moderne Version von Romeo und Julia entwickeln.
Die beiden entscheiden sich für eine ungewöhnliche Variante - ihre Protagonisten sind Frankensteins Monster und ein Werwolf. Zwei Außenseiter, die sich in einer Welt zurechtfinden müssen, die sie nicht versteht. Eine Parabel, die für Mike und Will schnell zur eigenen Realität wird. Denn aus den gemeinsamen Treffen, den verstohlenen Blicken und der vorsichtigen Annäherung wächst etwas, das beide nicht zu hoffen gewagt haben: echte, bedingungslose Liebe.
Der Film lässt sich Zeit für die leisen Momente - wenn Mike das erste Mal begreift, dass seine Gefühle erwidert werden, wenn die beiden in der Schule herumalbern und zum ersten Mal einfach sie selbst sein dürfen. Doch die Welt um sie herum ist nicht bereit für ihre Liebe. Wills Vater reagiert gewalttätig, als er von der Homosexualität seines Sohnes erfährt. Mikes Mutter ist überfordert. Und dann passiert etwas, das niemand kommen sieht - und das den Film von einer zarten Coming-of-Age-Geschichte in ein herzzereißendes Drama verwandelt.
Grausam ehrlich statt Instagram-tauglich: Beautiful Love 2026
Viele queere Coming-out-Filme der letzten Jahre setzen auf leichte Töne, Happy Ends und Instagram-taugliche Ästhetik. Beautiful Love geht einen anderen Weg: Regisseur Lee Galea erzählt seine autobiografisch inspirierte Geschichte mit einer Rohheit und emotionalen Intensität, die an Klassiker wie Beautiful Thing oder Mein wunderbarer Waschsalon erinnert. Der Film traut sich, ungeschönt zu zeigen, wie verletzlich erste Liebe macht - und was passiert, wenn Homophobie, Gewalt und Verzweiflung aufeinandertreffen.
Gleichzeitig ist der Film stellenweise gealtert: Das Drama ist überladen (Mikes Bruder starb bei einem Autounfall, die Eltern sind geschieden, Will wird von seinem Vater misshandelt), und manche Wendungen wirken konstruiert. Das tragische Ende - das hier nicht gespoilert wird - ist emotional brutal und wurde von Kritikern kontrovers diskutiert: Ist es ein ehrliches Porträt der Realität vieler queerer Jugendlicher in den 90ern? Oder bedient es das problematische „Bury Your Gays"-Trope?
Triggerwarnung: Der Film zeigt häusliche Gewalt, Homophobie und ein tragisches Ende, das psychisch belastend sein kann. Wenn du gerade in einer schwierigen Phase bist, ist dieser Film vielleicht nicht das Richtige für dich.
DVD-Geheimtipp - kein Streaming, aber Salzgeber hat's
- Aktuell ist kein legales Streaming-Angebot für Beautiful Love in Deutschland, Österreich oder der Schweiz bekannt (Stand April 2026).
- Die DVD ist über den deutschen Verleih Pro-Fun Media sowie über Amazon.de erhältlich (oft als Import mit deutschen Untertiteln).
- In der Vergangenheit lief der Film auf schwul-lesbischen Filmfestivals wie dem Melbourne Queer Film Festival (wo er 2013 als erster australischer Film überhaupt den Preis für das beste Feature gewann) sowie auf dem Inside Out Festival Toronto und dem Philadelphia QFest.
Von Beautiful Thing bis Monster Pies - Filme danach
Wenn dich die Mischung aus zarter erster Liebe und hartem Drama gepackt hat, könnten diese Filme etwas für dich sein:
- Beautiful Thing (1996) - der britische Klassiker über zwei Jungs in einer Londoner Sozialbausiedlung, emotional ehrlich und mit Happy End.
- Prayers for Bobby (2009) - ein ähnlich erschütterndes Drama über einen schwulen Teenager und seine religiös-fundamentalistische Mutter, basierend auf einer wahren Geschichte.
- Parked (2010) - kein queerer Film, aber ebenfalls ein leises, melancholisches Drama aus dem Independent-Kino, das Außenseitertum und Einsamkeit einfängt.
- Weitere Werke von Lee Galea: Der Regisseur hat seitdem unter anderem die „Wizard of Oz"-Adaption The Neon Spectrum (2017), das Musical-Drama Filterphonic (2019) und zuletzt Sexagenarian (2024) gedreht - allesamt Independent-Produktionen aus Australien.
