Bizarre - Queere Nächte im Underground-Club von Brooklyn

Maurice, ein junger Franzose ohne Obdach, landet in einem Burlesque-Club in Brooklyn. Zwischen Sexshows, androgynen Kellnern und der Suche nach sich selbst entsteht ein verstörender, sinnlicher Film über Freiheit und Verlorenheit.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Bizarre - Queere Nächte im Underground-Club von Brooklyn - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Es gibt Coming-of-Age-Filme, die dir eine heile Welt verkaufen wollen - und dann gibt es Filme wie Bizarre. Ein Film, der dich in die Nacht entführt, in einen Underground-Club in Brooklyn, wo die Grenzen zwischen Begehren, Performance und Realität verschwimmen. Für alle, die queeres Kino abseits der üblichen Erzählmuster suchen, ist dieser Film aus dem Jahr 2015 ein Trip, den man nicht so schnell vergisst.

Maurice, obdachlos in New York

Maurice ist 18, Franzose und obdachlos in New York. Er schläft auf der Straße, hat kein Geld, keine Perspektive. Bis er Kim und Betty trifft, zwei Frauen, die über dem "Bizarre" wohnen - einem queeren Burlesque-Club in Brooklyn, der für seine freizügigen Shows und seine sexuell aufgeladene Atmosphäre bekannt ist. Die beiden bieten Maurice ein Zimmer und einen Job an. Er sagt ja.

Was folgt, ist eine nächtliche Reise durch eine Welt, die Maurice gleichzeitig anzieht und überfordert. Im Club arbeitet Luka, ein androgyner Kellner mit zerbrechlicher Schönheit, der sich in Maurice verliebt. Maurice selbst bringt Charlie mit, einen Boxer, der alle Blicke auf sich zieht - inklusive Lukas. Jede Nacht wird zur Bühne für Fantasie, Begehren und Selbstentfremdung. Doch Maurice bleibt ein Einzelgänger, einer, der nur durchreist, nie wirklich ankommt.

Regisseur Étienne Faure hat den Film im echten Club "Bizarre" in Brooklyn gedreht, mit vielen Performern und Künstler*innen, die dort tatsächlich auftreten. Das verleiht dem Film eine dokumentarische Rohheit, die unter die Haut geht. Die Kamera folgt Maurice durch die Straßen New Yorks, beobachtet ihn beim Gehen, beim Schweigen, beim Verloren-Sein. Es gibt kaum Dialog - stattdessen Blicke, Berührungen, die stumme Suche nach Verbindung.

Keine Heilsversprechen - Bizarre im Reality-Check

Was Bizarre von vielen queeren Coming-of-Age-Filmen unterscheidet: Er romantisiert nichts. Maurice findet im Club keine heile Ersatzfamilie, keine Selbstfindung mit Happy End. Stattdessen zeigt der Film die Fragilität queerer Räume, die gleichzeitig Zuflucht und Überforderung sein können. Maurice ist hochsensibel, verstört, und der Film lässt ihm diese Widersprüche.

Die Inszenierung ist tranceartig, fast hypnotisch - manche Szenen wirken wie Musikvideos, andere wie ethnografische Beobachtungen. Das kann anstrengend sein, aber genau das macht den Film auch echt. Er zeigt queere Sexualität und Performance ohne Scham, aber auch ohne Voyeurismus. Die Burlesque-Shows im Club sind kunstvoll, verstörend, manchmal grotesk - sie spiegeln Maurices innere Zerrissenheit.

Triggerwarnung: Der Film enthält explizite sexuelle Inhalte, Nacktheit und Szenen, die als übergriffig empfunden werden können. Maurice ist sehr jung, und einige Interaktionen mit älteren Figuren bewegen sich in einer moralischen Grauzone. Wenn du mit solchen Themen sensibel umgehst, sei gewarnt.

Ein interessantes Detail: Regisseur Étienne Faure hat 2022 eine Fortsetzung gedreht - Bizarre Again - die sieben Jahre später spielt und Maurice sowie Luka (hier Lucas genannt) auf einem Road Trip durch den amerikanischen Westen zeigt. Der Film ist bislang nicht offiziell in Kinos gelaufen, zeigt aber, dass die Geschichte von Maurice für Faure nicht abgeschlossen war.

Streaming-Verfügbarkeit: Die schwierige Suche

Die Streaming-Verfügbarkeit von Bizarre im deutschsprachigen Raum ist Stand April 2026 leider unklar. Der Film war in der Vergangenheit kurzzeitig auf Amazon Prime Video verfügbar, aktuell lässt sich aber keine legale Streaming-Quelle in Deutschland, Österreich oder der Schweiz verifizieren.

  • Möglicherweise ist der Film als digitaler Kauf oder Leih-Option auf Plattformen wie Apple TV, Google Play oder Amazon verfügbar - das variiert aber stark und lässt sich ohne aktuelle Bestätigung nicht garantieren.
  • Für physische Medien: Eine DVD-Veröffentlichung über französische oder US-amerikanische Anbieter könnte existieren, ist aber im DACH-Raum schwer zu bekommen.
  • Alternative: Queere Filmfestivals oder Retrospektiven zu unabhängigem US-Kino könnten den Film gelegentlich zeigen - ein Blick auf die Programme von Festivals wie dem Queersicht Festival (Bern) oder dem Verzaubert Filmfest (München) lohnt sich.

Falls du nichts findest, sei geduldig - Independent-Filme tauchen oft überraschend auf Plattformen wie Mubi oder im Salzgeber Club auf, die sich auf queeres und Arthouse-Kino spezialisiert haben.

Shortbus und Co.: Filme in derselben Rohheit

  • Shortbus (John Cameron Mitchell, 2006) - Ein anderer New Yorker Film über queere Gemeinschaft, Sex und Selbstfindung, ebenfalls roh und ohne Berührungsängste.
  • The Doom Generation (Gregg Araki, 1995) - Wenn dir die tranceartige, nihilistische Ästhetik von Bizarre gefallen hat, ist Arakis queerer Road-Trip-Albtraum ein Muss.
  • Stranger by the Lake (L'Inconnu du lac, Alain Guiraudie, 2013) - Ein französischer Thriller über Cruising, Begehren und Gefahr - ebenso explizit, ebenso ungeschönt.

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