Was passiert, wenn ein erfolgloser Stuntman plötzlich einen schwulen Filmstar doubeln muss, der sich prompt in ihn verliebt? Die französische Komödie "Ein irrer Typ" aus dem Jahr 1977 beantwortet diese Frage mit einer gehörigen Portion Chaos, Action und einer queeren Storyline, die für ihre Zeit erstaunlich präsent ist.
Mikes Chaos: Stuntman, Tollpatsch, gescheiterter Macho
Mike Gaucher ist Stuntman - allerdings einer, bei dem so ziemlich alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Seine notorische Tollpatschigkeit kostet ihn nicht nur den Job, sondern auch seine Verlobte Jane, eine Stuntfrau, die keine Lust mehr hat, auf einen Mann zu warten, der nicht mal den Hochzeitstermin einhalten kann. Nach der Trennung muss sich Mike mit absurden Gelegenheitsjobs durchschlagen, unter anderem als Gorilla verkleidet in einem Supermarkt, wo er für Spaghetti werben soll.
Dann kommt seine große Chance: Der internationale Filmstar Bruno Ferrari dreht in Frankreich einen aufwändigen Abenteuerfilm und braucht ein Double für die gefährlichen Stunts. Das Problem: Bruno ist ängstlich, eitel - und schwul. Mike sieht ihm zum Verwechseln ähnlich und wird engagiert, sehr zum Leidwesen des Filmteams. Seine Bedingung: Jane muss als seine Stunt-Partnerin dabei sein. Also stattet Mike dem neuen Verlobten seiner Ex, dem Grafen Charles-Henri, einen chaotischen Besuch ab und überredet Jane, wieder mit ihm zu arbeiten.
Am Set wird es dann richtig kompliziert: Der Regisseur Sergio verliebt sich in Jane, während Bruno Ferrari eindeutig mehr als nur professionelles Interesse an seinem gutaussehenden Double Mike zeigt. Zwischen waghalsigen Stunts, Eifersuchteleien und jeder Menge Slapstick entspinnt sich ein turbulentes Durcheinander, bei dem niemand so recht weiß, wer eigentlich mit wem und warum.
Belmondos Doppelrolle - Macho vs. schwuler Star
Jean-Paul Belmondo spielt hier mit sichtlicher Freude zwei komplett gegensätzliche Charaktere: den draufgängerischen, etwas trotteligen Macho-Stuntman Mike und den femininen, schwulen Star Bruno Ferrari. Was die queere Darstellung angeht, bewegt sich der Film auf einem schmalen Grat - Bruno ist klischeehaft überzeichnet, gleichzeitig aber auch selbstbewusst, erfolgreich und wird nicht als Witzfigur degradiert. Seine Anziehung zu Mike ist deutlich und wird nicht verschämt verschwiegen, sondern als Teil der Handlung ernst genommen. Für einen französischen Mainstream-Film von 1977 ist das bemerkenswert direkt.
Natürlich ist "Ein irrer Typ" ein Produkt seiner Zeit: Die Dialoge sind derb, der Humor manchmal grobschlächtig, und die Geschlechterrollen folgen klaren 70er-Jahre-Mustern. Aber gerade die Metaebene - ein Film über das Filmemachen, in dem Belmondo seine eigenen waghalsigen Stunts selbst dreht, während seine Filmfigur Bruno Ferrari genau daran scheitert - hat einen ironischen Charme, der heute noch funktioniert. Die Actionszenen sind handgemacht und ohne CGI beeindruckend, und die schrill-bunte Ästhetik mit dem knalligen Zeichentrick-Vorspann und der fetzigen Musik von Vladimir Cosma ist herrlich Camp.
Wichtig zu wissen: Der Film ist eine Komödie mit viel körperlichem Humor und einigen derben Sprüchen. Wer sensibel auf stereotype queere Darstellungen reagiert, sollte das im Hinterkopf behalten - auch wenn Bruno Ferrari durchaus mit Würde und als gleichberechtigte Figur behandelt wird.
Canal+, Apple TV & DVD: So schaust du heute
- Canal+ (Österreich): Der Film ist im Streaming-Abo von Canal+ verfügbar.
- Apple TV: Über den Arthaus+-Kanal auf Apple TV kann der Film gegen Gebühr gestreamt werden.
- DVD/Blu-ray: Eine deutsche DVD-Veröffentlichung von StudioCanal ist über verschiedene Online-Händler erhältlich (erschienen 2013).
- Physische Medien: Gelegentlich läuft der Film auch im linearen TV, etwa auf SRF oder in Themenwochen zu Jean-Paul Belmondo.
Aktuell ist keine breite Verfügbarkeit auf den großen Streaming-Plattformen wie Netflix, Prime Video oder Disney+ in DACH gegeben (Stand April 2026). Wer den Film unbedingt sehen möchte, ist mit der DVD oder dem Kauf/Verleih über Apple TV am besten bedient.
Französische Komödien mit queerer DNA
Wenn du auf französische Komödien der 70er und 80er mit queeren Untertönen stehst, könnten diese Filme etwas für dich sein:
- La Cage aux Folles (Ein Käfig voller Narren, 1978): Die berühmte französische Komödie über ein schwules Paar, das einen Nachtclub betreibt - weniger Action, dafür mehr queere Sichtbarkeit und ebenfalls sehr Camp.
- Die Bestechlichen (Les Ripoux, 1984): Ebenfalls von Claude Zidi, allerdings ohne queere Thematik - aber mit ähnlichem Humor und dem gleichen Gespür für rasante, zynische Komödien.
- Brust oder Keule (L'Aile ou la cuisse, 1976): Noch eine Zidi-Komödie mit Louis de Funès und Coluche, falls du den derben, absurden Humor von "Ein irrer Typ" mochtest.
Regisseur Claude Zidi hat nach "Ein irrer Typ" noch viele erfolgreiche französische Komödien gedreht, zog sich aber 2011 endgültig aus dem Filmgeschäft zurück. Neue queere Projekte sind von ihm nicht zu erwarten - sein Vermächtnis bleibt eine Handvoll wilder, unterhaltsamer Filme, die das französische Kino der 70er und 80er prägten.
