Wenn du heute einen Musical-Film über eine Kunsthochschule schaust, erwartest du wahrscheinlich perfekte Choreografien und smoothe Coming-of-Age-Geschichten. "Fame - Der Weg zum Ruhm" aus dem Jahr 1980 ist anders: rau, ehrlich und überraschend politisch. Und er macht etwas, das damals alles andere als selbstverständlich war - er zeigt einen schwulen Schauspieler als eine der Hauptfiguren, ohne ihn zum Witz oder zur Tragödie zu machen.
Acht Newcomer, vier Jahre Kampf an Hollywoods Tür
Der Film aus dem Jahr 1980 begleitet acht junge Menschen durch ihre vier Jahre an der renommierten New Yorker Hochschule für darstellende Kunst. Die Aufnahmeprüfungen sind hart, und nur wenige schaffen es: darunter der introvertierte Komponist Bruno, die selbstbewusste Sängerin Coco, die schüchterne Doris, die sich endlich von ihrer überfürsorglichen Mutter lösen will, der schwule Schauspieler Montgomery, der Möchtegern-Komiker Ralph und Leroy, der eigentlich nur eine Freundin begleiten wollte und dabei als Tänzer entdeckt wird.
Was folgt, ist kein glatter Erfolgsweg. Die meisten der Schüler*innen kommen aus der Unterschicht oder Arbeiterklasse, und die Schule verlangt nicht nur künstlerische Höchstleistungen, sondern auch normale Schulbildung - Mathematik, Geschichte, Naturwissenschaften. Für Leroy, der aus schwierigen Verhältnissen stammt und nie richtig lesen gelernt hat, wird das zum existenziellen Problem. Coco träumt davon, als Sängerin entdeckt zu werden, und gerät dabei an einen Filmproduzenten, der sie ausnutzt. Montgomery kämpft mit den Erwartungen seiner Familie und seiner eigenen Unsicherheit als schwuler Mann in einer Branche, die queere Menschen damals noch systematisch unsichtbar machte.
Regisseur Alan Parker, der zwei Jahre zuvor mit "12 Uhr nachts - Midnight Express" berühmt geworden war, zeigt die vier Jahre an der Schule als Mix aus euphorischen Tanzszenen, intimen Momenten und harten Realitäts-Checks. Talent allein reicht nicht - es braucht Durchhaltevermögen, Glück und oft auch Privilegien, die nicht alle mitbringen.
Warum Fame 1980 noch heute ungebrochen fasziniert
Was "Fame" von vielen späteren Highschool-Musicals unterscheidet: Er romantisiert nichts. Die Tanzszenen sind großartig - die berühmte Straßenszene zu "Fame", in der die Schüler*innen mitten im New Yorker Verkehr tanzen, ist Kino-Geschichte. Aber der Film zeigt auch, dass nicht alle es schaffen werden, dass Träume an Geld, Herkunft oder einfach Pech scheitern können.
Besonders bemerkenswert ist die Figur des Montgomery, gespielt von Paul McCrane. Er ist schwul, sensibel, talentiert - und der Film macht daraus kein Drama. Montgomery ist einfach da, als vollwertige Figur mit eigenen Ängsten und Ambitionen. Für 1980 war das radikal. Queere Charaktere waren damals in Hollywood entweder unsichtbar oder Klischees; "Fame" behandelt Montgomery mit Respekt und Würde.
Der Film ist auch ehrlich über Klassenunterschiede. Leroy kann nicht lesen, weil ihm niemand beigebracht hat, wie - und die Schule verlangt trotzdem von ihm, in allen Fächern mitzuhalten. Coco wird von einem Mann ausgenutzt, der ihr verspricht, sie könne es "schaffen", wenn sie sich für ihn auszieht. Das sind keine Nebenhandlungen, sondern zentrale Konflikte, die zeigen: Wer es im Showbusiness schafft, hängt nicht nur von Talent ab.
Eine Warnung: Der Film enthält eine Szene sexueller Manipulation (Cocos Begegnung mit dem Filmproduzenten), die heute als das benannt werden würde, was sie ist - Missbrauch. Die Szene ist nicht explizit, aber für manche schwer zu sehen.
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Abo-Streaming (Netflix, Mubi etc.) war zum Stand April 2026 nicht verfügbar - der Film läuft vor allem als kostenpflichtiger Download oder physische Kopie.
Alan Parkers Musicals: Von The Wall bis Evita
Vom selben Regisseur: Alan Parker drehte später weitere Musicals - "Pink Floyd - The Wall" (1982), "The Commitments" (1991) und "Evita" (1996). Parker starb im Juli 2020, aber sein Werk bleibt einflussreich.
Thematisch verwandt: Wenn dich queere Figuren in Kunst-Settings interessieren, schau dir "Saturday Church" (2017) an - ein Musical über ein queeres Schwarzes Kind, das in einer Kirche Zuflucht findet. Oder "Center Stage" (2000), der ähnlich wie "Fame" die Härten einer Ballettakademie zeigt, allerdings weniger politisch.
Realistische Coming-of-Age-Geschichten: "Moonlight" (2016) erzählt ebenfalls vom Aufwachsen als schwuler Mann in einem Umfeld, das wenig Raum für Verletzlichkeit lässt - ohne Happy End zu versprechen, aber mit viel Empathie.
