Feral - Memphis, Männer und das Leben zwischen Kunst und Chaos

Eine queere Webserie aus dem tiefen Süden der USA: Billy und Daniel suchen in Memphis nach Liebe, einem neuen Mitbewohner und ihrem Platz als junge schwule Künstler. Rau, ehrlich und überraschend nah dran.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Feral - Memphis, Männer und das Leben zwischen Kunst und Chaos - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

Trailer über YouTube - beim Abspielen werden Daten an Google übertragen.

Memphis, Tennessee - nicht gerade die erste Adresse, an die du bei queeren Geschichten denkst. Und genau deshalb lohnt sich Feral. Die achtteilige Serie aus dem Jahr 2016 zeigt schwule Zwanzigjährige fernab von New York oder L.A., mitten im Bible Belt, wo die Miete niedrig, die Community eng und das Leben kompliziert ist.

Billy, Daniel und die Wohngemeinschaft-Krise

Die besten Freunde Billy (Jordan Nichols) und Daniel (Seth Daniel Rabinowitz) stehen vor einem Problem: Sie müssen ihren Mitbewohner Jordan rauswerfen. Einen neuen schwulenfreundlichen Mitbewohner zu finden, erweist sich als schwieriger als gedacht - bis ihre schräge Freundin Emily ihnen Carter vorstellt, den mysteriösen Neuen in der Stadt.

Während Billy versucht, über die Trennung von seinem Langzeit-Ex Carl hinwegzukommen, kämpft Daniel damit, seinem Freund CQ treu zu bleiben. Die acht Episoden erzählen vom Alltag dieser Clique: Bars, Partys, Filmprojekte, One-Night-Stands, Selbstsabotage und die Frage, wie man als junger queerer Künstler im Süden überleben soll - finanziell, emotional, kreativ.

Die Musik stammt von der Memphiser Musikerin Julien Baker, und der Cast ist komplett aus der lokalen Szene. Das gibt der Serie eine Authentizität, die vielen hochglanzpolierten Queer-Serien fehlt. Feral ist low-budget, aber niemals billig - die Kameraarbeit ist atmosphärisch, die Dialoge wirken improvisiert-echt, und die Schauspielerei fühlt sich an, als würdest du echten Menschen beim Leben zusehen.

Queere Rohheit ohne Romantisierung - zeitlos

Die Serie wurde als „authentisches queeres Drama" gelobt, „atmosphärisch und romantisch … herzzerreißend" - und genau diese Mischung macht sie auch zehn Jahre später sehenswert. Feral romantisiert nichts: Es geht um Drogenprobleme, Untreue, ökonomische Unsicherheit und die Einsamkeit, die entsteht, wenn du in einer Kleinstadt queer bist und keine klaren Vorbilder hast.

Die spezifischen Ressourcen für LGBTQ-Künstler, die es in Großstädten gibt, existieren in Memphis nicht. Stattdessen wirst du mit allen anderen Künstlern zusammengewürfelt, akzeptiert und gefördert - auf eine Art, die viele überraschen dürfte. Diese Perspektive auf queeres Leben jenseits der Metropolen fehlt auch heute noch in vielen Serien.

Ja, die Serie ist gealtert - technisch, modisch, und die Referenzen sind deutlich Mid-2010s. Aber die emotionale Wahrhaftigkeit, mit der Feral von Selbstzweifeln, dem Druck des Erwachsenwerdens und toxischen Beziehungsmustern erzählt, ist zeitlos. Und: Die Serie traut sich, langsam zu sein, Momente atmen zu lassen - ein Luxus, den sich heutige Streaming-Serien selten nehmen.

Triggerwarnungen: Explizite Darstellung von Drogenkonsum (injizierter Substanzgebrauch), emotionale Manipulation in Beziehungen, explizite sexuelle Inhalte.

Auf Dekkoo streamen, auch in DACH

  • Dekkoo - Der queere Streaming-Dienst, auf dem Feral ursprünglich als exklusive Produktion lief, bietet die Serie weiterhin im Abo an. Dekkoo zeigt schwule Filme und Serien aus aller Welt, werbefrei. Verfügbar auch in DACH (Abo-Modell, kostenlose Testphase möglich).
  • Tubi - Die Serie ist kostenlos auf Tubi verfügbar (mit Werbung). Tubi ist in Deutschland allerdings nur eingeschränkt zugänglich; VPN kann helfen.
  • Amazon Prime Video - Staffel 1 ist als Kaufoption verfügbar (nicht im Prime-Abo enthalten). Auch auf Amazon.de als Kauf erhältlich (OmU).
  • YouTube - Auf dem offiziellen YouTube-Kanal gibt es eine Playlist mit exklusiven Clips und Behind-the-Scenes-Material.

Nach Feral: Looking und andere Character-Dramen

Dann probier diese:

  • Looking (HBO, 2014-2015) - Die offensichtlichste Referenz: drei schwule Freunde in San Francisco, höheres Budget, ähnlich melancholisch und character-driven.
  • This Is What Love In Action Looks Like (2011, Doku von Morgan Jon Fox) - Regisseur Morgan Jon Fox' preisgekrönte Dokumentation über einen Teenager aus Memphis, der von seinen Eltern in ein „Ex-Gay"-Camp gezwungen wurde. Die Doku gewann den Derek Oyston CHE Film Award beim London LGBT Film Festival.
  • The One You Never Forget (Kurzfilm, 2018, ebenfalls Morgan Jon Fox) - Ein mehrfach preisgekrönter Kurzfilm über Teenager auf ihrem ersten Tanz, der bei über 100 Filmfestivals lief und über eine Million Views online sammelte.
  • OMG/HaHaHa (2009, Morgan Jon Fox) - Früheres Indie-Feature des Regisseurs, genannt „die Stimme der YouTube-Generation" - wenn du Ferals DIY-Ästhetik magst, wirst du hier fündig.

Übrigens: Morgan Jon Fox hat 2024 die Dokumentation The Hobby über die Trading-Card-Welt veröffentlicht, die 2025 für einen News & Documentary Emmy nominiert wurde. Der Regisseur ist also weiterhin aktiv - auch wenn Feral bislang seine einzige queere Serien-Arbeit geblieben ist.

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