Gelobt sei Gott - Wenn die Kirche schweigt und drei Männer ihre Stimme erheben

François Ozons Drama über drei Männer, die als Kinder von einem Priester missbraucht wurden und Jahrzehnte später ihr Schweigen brechen - ein Film, der 2026 nicht nur wegen seiner erschütternden Recherche relevant bleibt, sondern weil er zeigt, wie schwer es ist, ein System zur Verantwortung zu ziehen.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Gelobt sei Gott - Wenn die Kirche schweigt und drei Männer ihre Stimme erheben - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Es gibt Filme über queere Leben, die von Liebe und Freiheit erzählen. Und dann gibt es Filme wie „Gelobt sei Gott", die davon erzählen, was passiert, wenn Institutionen das Leid queerer und anderer Kinder vertuschen, bagatellisieren oder schlicht ignorieren. Ein unbequemer Film - aber einer, der 2026 nichts von seiner Wucht verloren hat.

Alexandre, seine Familie und ein Geheimnis in Lyon

Der Film aus dem Jahr 2019 beginnt in Lyon, einer der katholischsten Regionen Frankreichs. Alexandre lebt dort mit seiner Frau und fünf Kindern ein scheinbar makelloses bürgerliches Leben. Er ist tief gläubig, engagiert sich in der Gemeinde - bis er zufällig erfährt, dass der Priester Bernard Preynat, der ihn als Kind in der Pfadfindergruppe sexuell missbraucht hat, noch immer mit Kindern arbeitet. Jahrzehnte sind vergangen, aber der Täter ist noch immer aktiv.

Alexandre will seine Kirche schützen und wendet sich direkt an Kardinal Barbarin, den obersten kirchlichen Würdenträger in Lyon. Er schreibt Briefe, lässt sich auf Gespräche ein, hofft auf eine schnelle Reaktion. Doch statt klarer Konsequenzen erntet er Ausflüchte, Vertröstungen und ein System, das vor allem eines will: das Problem unter dem Teppich halten. „Preynat wird immer Priester bleiben", bekommt er zu hören.

In seiner Verzweiflung stößt Alexandre auf die Selbsthilfeorganisation „La Parole Libérée" - die befreite Sprache. Hier lernt er François kennen, einen kämpferischen Mann, der mit der Kirche längst gebrochen hat, und Emmanuel, der körperlich und seelisch am Missbrauch zerbrochen ist und am Rand der Gesellschaft lebt. Drei völlig unterschiedliche Männer, ein gemeinsames Trauma - und der Wille, endlich gehört zu werden. Gemeinsam organisieren sie sich, gehen an die Öffentlichkeit und konfrontieren ein System, das jahrzehntelang weggeschaut hat.

Machtmissbrauch in der Kirche - 2026 aktueller denn je

„Gelobt sei Gott" ist kein Film über queere Identität im klassischen Sinn - aber er ist hochrelevant für jeden, der sich mit Machtmissbrauch, institutionellem Versagen und der Frage beschäftigt, wie schwer es ist, als Opfer überhaupt eine Stimme zu bekommen. Regisseur François Ozon verzichtet komplett auf reißerische Bilder oder Schockmomente. Stattdessen arbeitet er mit Briefen, Protokollen, Gesprächen - alles basiert auf akribischer Recherche und echten Dokumenten. Das macht den Film unglaublich nüchtern und gerade deshalb so erschütternd.

Was den Film 2026 besonders macht: Er zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Trauma umgehen. Alexandre bleibt gläubig, ringt mit seiner Kirche, aber nicht mit seinem Gott. François ist wütend, entschlossen, will das System zerschlagen. Emmanuel kann kaum sprechen über das, was ihm passiert ist, lebt prekär und isoliert. Diese Vielstimmigkeit ist selten in Filmen über Missbrauch - und macht „Gelobt sei Gott" zu einem komplexen, respektvollen Porträt von Überlebenden.

Triggerwarnung: Der Film behandelt sexuellen Missbrauch an Kindern sehr explizit in Dialogen und Zeugenaussagen. Es gibt vereinzelte Rückblenden ins Pfadfinderlager, die atmosphärisch, aber nicht grafisch sind. Trotzdem: Wenn du selbst Betroffener bist oder das Thema dich stark belastet, bereite dich darauf vor oder schau den Film in Begleitung.

Wo der Film gealtert ist: Die formale Nüchternheit wirkt manchmal etwas spröde, fast wie ein Protokoll. Manchen wird der Mittelteil zu lang sein, in dem verschiedene Nebenfiguren ausführlich zu Wort kommen. Ozon will allen Opfern Raum geben - ein wichtiges Anliegen, aber erzählerisch nicht immer straff.

Streaming & DVD: So schaust du den Film

  • Apple TV: Leihen oder kaufen (digitaler Verleih)
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Aktuell läuft der Film nicht im klassischen Streaming-Abo bei Netflix, Disney+ oder Mubi, aber die digitalen Leih- und Kaufoptionen sind solide verfügbar. Falls du eine Stadtbibliothek mit Filmfriend-Zugang hast, ist das deine beste kostenlose Quelle.

Dokumentationen über institutionelle Vertuschung

Thematisch verwandt und ebenfalls sehenswert:

  • Spotlight (2015) - Der Oscar-prämierte Journalisten-Thriller über die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche von Boston. Ähnlich nüchtern, ähnlich wuchtig.
  • Sommer 85 (2020, ebenfalls François Ozon) - Falls du mehr von Ozons queerer Erzählweise sehen willst: ein sommerlicher Coming-of-Age-Film über erste Liebe, Begehren und Verlust an der französischen Küste.
  • Frantz (2016, François Ozon) - Ozons Schwarzweiß-Drama über Trauer, Schuld und die Lügen, die wir uns erzählen, um weiterzuleben. Formal ähnlich zurückhaltend wie „Gelobt sei Gott", aber mit ganz anderem Fokus.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (© Salzgeber & Co. Medien / jeweiliger Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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