Was passiert, wenn die sicherste Freundschaft deines Lebens über Nacht zur größten Verwirrung wird - und du nicht mal weißt, ob du schwul, bi oder einfach nur siebzehn bist? Giant Little Ones stellt genau diese Frage. Und gibt keine Antwort. Das ist das Beste am Film.
Franky und Ballas: Unzertrennlich bis zur Kippe
Franky und Ballas sind seit der Grundschule unzertrennlich. Der Film aus dem Jahr 2018 zeigt die beiden als Stars des Schwimmteams ihrer Highschool - beliebt, gutaussehend, von Mädchen umschwärmt. Franky (Josh Wiggins) feiert seinen 17. Geburtstag mit einer rauschenden Party. Priscilla, ein Mädchen aus der Klasse, hat sich in den Kopf gesetzt, mit ihm zu schlafen. Doch nach durchzechter Nacht kommt es nicht zwischen den beiden. Stattdessen gibt es einen intimen Moment zwischen Franky und Ballas - den der Film bewusst im Dunkeln lässt.
Am nächsten Morgen ist alles anders. Ballas flieht regelrecht aus der Situation. In der Schule beginnen Gerüchte zu brodeln, und Ballas - der offenbar aus Panik eine eigene Version der Geschichte verbreitet hat - distanziert sich mit voller Härte von Franky. Über Nacht wird Franky zum Außenseiter, zum Ziel von Homophobie und Gewalt. Die Jungs aus dem Schwimmteam meiden ihn, als wäre er ansteckend. Seine feste Freundin macht Schluss. Und sein bester Freund? Tut so, als hätte es ihn nie gegeben.
Franky findet unerwartet Halt bei Natasha (Taylor Hickson), Ballas' Schwester, die selbst wegen ihres Gewichts gemobbt wird. Und bei seinem Vater Ray (Kyle MacLachlan), der vor Jahren die Familie verließ, weil er schwul ist - ein Coming-out, das Franky ihm lange nicht verzeihen konnte. Jetzt, wo Franky selbst nicht mehr weiß, wer er ist, beginnt er seinen Vater neu zu sehen.
Das Label-Dilemma - warum Giant Little Ones 2026 immer noch bewegt
Was Giant Little Ones von vielen anderen queeren Coming-of-Age-Filmen unterscheidet: Er weigert sich, Franky (oder Ballas) ein Label aufzudrücken. Wir erfahren nicht, ob Franky am Ende schwul, bi oder einfach verwirrt ist. Der Film endet ohne klares Coming-out - und das ist kein Fehler, sondern sein größter Mut. Er sagt: Du musst nicht sofort wissen, wer du bist. Sexuelle Identität darf unklar bleiben. Das ist 2026, in einer Zeit, in der überall von "Labeln" und "Selbstfindung" gesprochen wird, immer noch radikal ehrlich.
Gleichzeitig ist der Film ungeschönt, was Homophobie angeht. Frankys Isolation, die Gewalt im Schulflur, die Art, wie selbst wohlmeinende Leute ihn plötzlich anders behandeln - das ist schmerzhaft real. Hier gibt es keine Feel-good-Lösung, keine hippe Schulclique, die ihn auffängt. Nur langsame, brüchige Schritte zurück zu sich selbst.
Wo der Film gealtert ist: Die Darstellung von Ballas' Panik ist nachvollziehbar, aber seine Grausamkeit wird nie richtig adressiert. Es gibt ein paar Momente, in denen der Film ihm zu viel Verständnis entgegenbringt, ohne die reale Verletzung, die er anrichtet, genug zu gewichten. Und: Wer explizite queere Repräsentation sucht, wird hier nicht fündig - der Film ist subtil, fast scheu.
Triggerwarnungen: Homophobie, körperliche Gewalt, Mobbing, Alkoholkonsum, familiäre Konflikte.
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- DVD/Blu-ray bei Videobuster und Amazon
- Der Film lief außerdem mehrfach im Schweizer Fernsehen (SRF zwei), zuletzt im Mai 2026 - Wiederholungen möglich
Nicht verfügbar (Stand April 2026): Netflix, Mubi, Salzgeber Club, Disney+, Paramount+.
Wenn dir Franky's Verwirrung gefallen hat
Hier sind drei Empfehlungen mit ähnlichem Vibe:
- Beach Rats (2017, Regie: Eliza Hittman) - Noch düsterer, noch unsicherer: Ein Teenager in Brooklyn cruised nachts auf Grindr, während er tagsüber seine Freundin küsst. Kein Happy End, keine Auflösung.
- Closet Monster (2015, Regie: Stephen Dunn) - Kanadisches Coming-of-Age-Drama mit surrealen Elementen. Auch hier: ein Protagonist, der nicht weiß, wohin mit sich, und ein schwieriger Vater.
- Moonlight (2016, Regie: Barry Jenkins) - Der Klassiker. Drei Lebensphasen eines schwulen schwarzen Mannes, der lernt, seine Identität zu akzeptieren. Poetisch, leise, unvergesslich.
