Handsome Devil - Rugby, Freundschaft und Coming-of-Age im irischen Internat

Ein schwuler Außenseiter und ein Rugby-Star teilen sich ein Zimmer im Internat. Was nach Albtraum klingt, wird zu einer der ehrlichsten queeren Freundschaftsgeschichten aus Irland - und ist 2026 noch immer sehenswert.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Handsome Devil - Rugby, Freundschaft und Coming-of-Age im irischen Internat - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Stell dir vor, du bist der einzige Typ in deinem Rugby-besessenen Internat, der lieber Indie-Rock hört als Scrums zu üben. Und dann zwingen sie dich auch noch, dein Zimmer mit dem neuen Sportstar zu teilen. Klingt nach dem Plot eines Albtraums? Genau da setzt „Handsome Devil" an - und verwandelt diese Konstellation in eine der ehrlichsten queeren Coming-of-Age-Geschichten, die Irland je hervorgebracht hat.

Ned gegen die Rugby-Maschine - Außenseiter im Internat

Ned Roche ist 16 und hat die Schnauze voll. Mit seiner schmächtigen Statur und seiner Vorliebe für melancholische Musik passt er so gar nicht in das hypermaskuline Umfeld seines Elite-Internats, wo Rugby das Maß aller Dinge ist. Dass er schwul ist, weiß die Schule sowieso längst - auch ohne dass er es jemals ausgesprochen hat. Die Hänseleien und das Mobbing gehören zu seinem Alltag.

Als Neuankömmling Conor in sein Zimmer einzieht, wird die Sache nicht besser. Conor ist alles, was Ned nicht ist: athletisch, beliebt, der gefeierte neue Rugby-Crack, auf den Coach Pascal all seine Hoffnungen setzt. Die beiden können sich erst mal nicht ausstehen und bauen wortwörtlich eine Mauer aus Gegenständen quer durchs Zimmer.

Doch dann verdonnert sie ihr unkonventioneller Englischlehrer Mr. Sherry dazu, gemeinsam bei einem Musikwettbewerb mitzumachen. Beim Songschreiben und den nächtlichen Gesprächen merken Ned und Conor, dass sie mehr gemeinsam haben als gedacht. Eine echte Freundschaft entsteht - bis die Rugby-Truppe und Coach Pascal Wind davon bekommen. Schnell machen Gerüchte die Runde: Die beiden würden nicht nur zusammen Musik machen. Vor dem großen Rugby-Finale muss Conor eine Entscheidung treffen, welche Art von Mann er sein will.

Keine Ratespiele: Warum „Handsome Devil" 2026 immer noch ehrlich wirkt

„Handsome Devil" aus dem Jahr 2016 macht vieles anders als die Coming-out-Geschichten, die wir heute gewohnt sind. Der Film spielt nie das Ratespiel „Ist Conor nun schwul oder nicht?" - und genau darin liegt seine Stärke. Es geht nicht darum, wer mit wem schläft, sondern um Freundschaft unter toxischen Bedingungen, um Männlichkeitsideale, die keinen Raum für Schwäche lassen, und um die Frage, wie viel Mut es braucht, zu jemandem zu stehen, den alle anderen ablehnen.

Regisseur John Butler, der das Drehbuch auf Basis seiner eigenen Internats-Erfahrungen in den 1980ern schrieb, zeigt das irische Privatschulsystem mit all seiner Homophobie und seinem Klassendenken. Das Setting mag spezifisch irisch sein, aber die Dynamiken - der schwule Außenseiter, der „Club der toten Dichter"-Lehrer, die Rugby-Jocks - sind universell und schmerzhaft vertraut.

Der Film hat gealtert, keine Frage. Das optimistische Ende, in dem plötzlich alle zur Vernunft kommen, wirkt 2026 naiver als vielleicht beabsichtigt. Queere Geschichten heute trauen sich mehr Ambivalenz zu. Aber „Handsome Devil" hat etwas, was viele neuere Produktionen vermissen lassen: echte Wärme zwischen seinen Figuren, einen hinreißenden Soundtrack und Andrew Scott in einer seiner besten Rollen als Mr. Sherry. Und: Der Film macht nie den Fehler, Neds Queerness zum Problem zu erklären - das Problem ist die Welt um ihn herum.

Triggerwarnung: Homophobes Mobbing, emotionale Gewalt durch Autoritätspersonen.

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John Butler und andere zarte Freundschaftsgeschichten

Wenn du mehr von Regisseur John Butler sehen willst: Sein nächster Film „Papi Chulo" (2018) erzählt eine zarte, unkonventionelle Freundschaft zwischen einem einsamen TV-Wetteransager und einem älteren mexikanischen Arbeiter - ebenfalls mit viel Herz und queerer Perspektive, aber ohne klassische Romanzen.

Thematisch ähnlich: „God's Own Country" (2017) für eine rauere, erwachsenere queere Geschichte auf dem englischen Land. Oder „The Way He Looks" (2014) aus Brasilien, wenn du eine queere Coming-of-Age-Story suchst, die ohne Sportdrama auskommt, aber ebenso ehrlich ist. Und wenn du das Internat-Setting magst: „Jongens" (2014) aus den Niederlanden spielt die erste Liebe zweier Jungs in einem ähnlich sportfixierten Umfeld durch - nur mit mehr Leichtigkeit.

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