Identitätsdiebstahl im Netz - Was tun, wenn jemand dich online vorgibt zu sein

Jemand erstellt Fake-Profile in deinem Namen, chattet als du mit deinen Freunden oder bestellt unter deiner Adresse? Identitätsmissbrauch im Netz ist kein Scherz - und du bist nicht machtlos dagegen.

justboys-Redaktion

5 Min Lesezeit

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Du checkst dein Handy und siehst eine WhatsApp von einem Freund: „Alter, was sollte diese kranke Message gestern?" Du hast ihm aber gar nicht geschrieben. Oder deine Eltern fragen, warum ein Inkassobrief für eine Online-Bestellung gekommen ist, die du nie getätigt hast. Willkommen im Albtraum Identitätsdiebstahl - jemandem "klaut" deine Daten und gibt sich im Netz als du aus.

Was ist Identitätsdiebstahl überhaupt?

Beim Identitätsdiebstahl nutzt jemand deine persönlichen Daten - Name, Geburtsdatum, Adresse, Fotos, E-Mail-Adressen, manchmal sogar deine Bankdaten - und gibt sich damit als du aus. Das kann auf zwei Arten passieren: Entweder legt jemand unter deinem echten Namen (Vorname, Nachname, Wohnort) ein Profil an, oder es passiert das sogenannte "Nicknapping" - jemand nutzt deinen Nickname auf der gleichen Plattform. Das Motiv? Manchmal geht es um Geld (Online-Betrug, Bestellungen auf deinen Namen), manchmal um Mobbing und Rufschädigung.

Das Problem nimmt zu: In den USA stiegen die gemeldeten Fälle von Identitätsdiebstahl 2024 um rund 9,5 Prozent auf über 1,1 Millionen. Auch im deutschsprachigen Raum wird das Thema ernster genommen - weil es verdammt real ist.

Wann wird aus Identitätsmissbrauch eine Straftat?

Identitätsdiebstahl ist in Deutschland und Österreich kein eigener Straftatbestand - es gibt also keinen Paragrafen, der einfach nur "Identitätsdiebstahl" sagt. Die Täter machen sich aber unter Umständen der Urkundenfälschung oder der falschen Verdächtigung strafbar. Sobald jemand unter deinem Namen etwas Illegales tut, greifen verschiedene Gesetze:

  • Betrug: Jemand bestellt online unter deinem Namen und lässt dich auf den Kosten sitzen.
  • Datenfälschung: In Österreich kann nach § 225a StGB bestraft werden, wer elektronische Daten fälscht, die im Rechtsverkehr relevant sind.
  • Cybermobbing: In Österreich ist Cybermobbing nach § 107c Strafgesetzbuch strafbar - wenn jemand unter deinem Namen andere beleidigt, Fake-Profile erstellt oder deinen Ruf schädigt.
  • Rufschädigung, üble Nachrede, Verleumdung: Wenn unter deinem Namen Lügen über andere verbreitet werden oder über dich selbst.

Die Strafen reichen je nach Schwere von Geldstrafen bis zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. Auch zivilrechtlich kannst du gegen die Täter vorgehen und Schadensersatz fordern - allerdings solltest du dafür mit einem Anwalt sprechen.

Und wenn jemand nur meinen Nickname klaut?

Rechtlich ist das kniffliger. Die Verwendung eines Nicknames ist strafrechtlich anders zu bewerten als die Verwendung eines echten Namens - Nicknames sind nicht geschützt und die Verwendung kann nur innerhalb des jeweiligen Systems kontrolliert werden. Heißt: Du kannst niemanden wegen "Nicknapping" anzeigen, aber du kannst die Betreiber der Plattform oder die Moderatoren kontaktieren. Die haben meistens kein Interesse daran, dass so etwas bei ihnen abgeht, und sperren den Fake-Account oft schnell.

Wie du dich schützen kannst

Der beste Schutz ist, deine Daten nicht jedem zugänglich zu machen. Klingt banal, ist aber verdammt wichtig:

  • Privatsphäre-Einstellungen hochsetzen: Auf Instagram, TikTok, Snapchat, Dating-Apps - stell ein, wer was von dir sehen kann. Nicht jeder muss dein Geburtsdatum, deine Stadt oder deine Handynummer kennen.
  • Nicht jeden als Freund annehmen: Gerade auf Dating- oder Community-Apps solltest du überlegen, wen du reinlässt.
  • Starke Passwörter nutzen: Kombinationen aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen, Sonderzeichen. Ändere sie regelmäßig. Nutze einen Passwort-Manager, wenn du dir nicht alles merken kannst.
  • Immer ausloggen: Besonders auf fremden Rechnern - in der Schule, Bibliothek, im Café. Sonst kann der nächste User einfach in deinen Account.
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren: Macht es für Fremde extrem schwer, in deine Accounts zu kommen, selbst wenn sie dein Passwort haben.

Was tun, wenn es dich erwischt hat?

Du merkst, dass jemand in deinem Namen unterwegs ist? Dann heißt es: schnell handeln.

1. Beweise sichern: Mach Screenshots von allem. Fake-Profilen, Nachrichten, Posts, Bestellbestätigungen - alles, was zeigt, dass da jemand unter deinem Namen agiert. Speichere die Dateien mit Datum ab.

2. Plattform-Betreiber informieren: Melde den Fake-Account bei Instagram, TikTok, Snapchat, etc. Die meisten Plattformen haben dafür ein Meldeformular. Dokumentiere den Vorfall sorgfältig - Screenshots und Nachrichtenverläufe können später als wichtige Beweise dienen.

3. Deine Freunde warnen: Schreib deinen Kontakten, dass jemand Fake-Profile von dir erstellt hat oder dass dein Account gehackt wurde. So können sie auf seltsame Nachrichten von "dir" richtig reagieren.

4. Passwörter ändern: Falls dein Account gehackt wurde, ändere sofort alle Passwörter - auch die von anderen Accounts, wenn du dasselbe Passwort mehrfach verwendet hast (was du nicht tun solltest, aber hey, wir sind ehrlich hier).

5. Mit Erwachsenen reden: Ja, unangenehm, aber wichtig. Sprich mit deinen Eltern, einer Vertrauensperson, einem Lehrer. Gerade wenn Bestellungen auf deinen Namen laufen oder Mobbing im Spiel ist, brauchst du Rückhalt.

Wann zur Polizei gehen?

Wenn nichts hilft oder es richtig ernst wird - also bei Betrug, massivem Mobbing, Drohungen -, dann erstatte Anzeige bei der Polizei. Du solltest einen Identitätsdiebstahl bei der Polizei stets zur Anzeige bringen. Nimm deine Eltern oder eine andere Vertrauensperson mit. Bring alle Beweise mit: Screenshots, E-Mails, Rechnungen.

In Wien gibt es die "Cybercrime Helpline" unter der Rufnummer 01 4000-4006, die werktags von 7:30 bis 17 Uhr Erstberatung zu Themen wie Identitätsdiebstahl, Cybermobbing und Datenmissbrauch bietet. Auch Saferinternet.at hat gute Infos und Anlaufstellen.

Wenn dir durch den Identitätsmissbrauch finanzieller Schaden entstanden ist, kannst du mit Hilfe eines Anwalts Schadensersatz einklagen. Auch hier gilt: Bezieh deine Eltern mit ein, auch wenn's schwerfällt.

Das Wichtigste zum Schluss

Identitätsdiebstahl ist kein dummer Scherz, sondern kann richtig Schaden anrichten - finanziell, emotional, sozial. Du bist aber nicht machtlos. Schütze deine Daten, reagiere schnell, wenn etwas passiert, und hol dir Hilfe. Die Polizei, Beratungsstellen und auch die Plattformen selbst sind verpflichtet, dir zu helfen. Und lass dir von niemandem einreden, dass du überreagierst - deine Identität gehört dir, nicht irgendwelchen Arschlöchern im Netz.

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