Immer wieder in den Falschen verliebt - Warum wir uns selbst im Weg stehen

Du kennst das: Er ist perfekt - aber lebt 500 km weg, hat einen Freund oder ist einfach nicht interessiert. Wenn sich das wiederholt, könnte das Muster tiefer liegen als gedacht. Ein ehrlicher Blick darauf, warum wir manchmal genau die Jungs wollen, die wir nicht haben können.

justboys-Redaktion

5 Min Lesezeit

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„Ich hab einfach kein Glück beim Dating. Immer laufe ich den Falschen hinterher." Wenn dir dieser Satz bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Patrick, 20, aus Wien, kennt das auch. Er schwärmt vom Typen aus Berlin, den er auf der Pride getroffen hat. „Das war er - Mr. Right. Sofort hätte ich ihm die Treue geschworen. Aber bei der Entfernung macht das keinen Sinn." Davor war da der 16-Jährige, der gerade seine Lehre begonnen hat - total unterschiedliche Lebensphasen, null Zeit füreinander. Und davor? Wieder jemand, bei dem es „leider nicht gepasst" hat.

Manchmal passt es eben einfach nicht. Klar. Aber was, wenn sich genau dieses Muster wiederholt? Wenn nach der ersten Euphorie immer wieder die „Ich find ihn großartig, aber …"-Sätze kommen?

Wenn „hoffnungslose Fälle" zum Muster werden

Es gibt einen Typ Dating-Frust, der besonders tückisch ist: sich in Jungs zu verlieben, die von vornherein unerreichbar sind. Weil sie schon vergeben sind. Weil sie hetero sind. Weil sie in einer ganz anderen Stadt wohnen. Weil sie dich zwar nett finden, aber niemals „so". Oder weil sie objektiv in einer ganz anderen Liga spielen - äußerlich, sozial, whatever - und du selbst genau das weißt.

Patrick sagt: „Bei anderen Jungs flattern keine Schmetterlinge. Es sind eben die hoffnungslosen Fälle, die mich reizen. Das kann ich mir doch nicht aussuchen!" Stimmt. Gefühle lassen sich nicht erzwingen. Aber es lohnt sich trotzdem, genauer hinzuschauen: Warum sind es ausgerechnet die hoffnungslosen Fälle, die dich anziehen?

Das Besondere an diesen intensiven Gefühlen ist nämlich oft, dass sie genau deshalb so stark werden können, weil unser Unterbewusstsein längst weiß: Aus dieser Konstellation wird sowieso nichts. Wir können uns emotional voll reinhängen, Schmetterlinge fühlen, träumen - müssen uns aber nie der Realität einer echten Beziehung stellen. Keine Alltagskonflikte, keine Verletzlichkeit, kein Risiko, wirklich gesehen zu werden. Die Schuld, dass es nicht klappt, tragen ja immer die Umstände. Nie wir selbst.

Angst vor Nähe - und warum wir sie nicht wahrhaben wollen

Dahinter steckt oft etwas, das wir selbst ungern zugeben: Angst. Die Angst, uns wirklich auf jemanden einzulassen. Die Angst, verletzt zu werden. Manchmal sogar das Gefühl, wir seien gar nicht wertvoll genug für eine Beziehung, nicht wert, geliebt zu werden.

Dating-Apps bieten wichtige Möglichkeiten für soziale Verbindungen, bringen aber auch erhebliche Risiken mit sich, wie eine aktuelle Studie zu LGBTQ+ Nutzern zeigt. Nutzer von Dating-Apps wie Tinder haben oft ein deutlich gesenktes Selbstwertgefühl - gerade bei Männern ist dieser Effekt besonders ausgeprägt. Wenn du dich also schon selbst nicht gut genug fühlst, suchst du dir unbewusst Situationen, die dich vor echter Verletzlichkeit schützen.

Das Problem: So bleibt die Schuld immer bei den anderen. Du hast dich doch so bemüht, so viel investiert, warst doch „so verliebt" - aber die Sterne standen halt schlecht. Dabei warst du es, der von Anfang an jemanden gewählt hat, bei dem es nicht klappen kann.

Die andere Seite: Wer interessiert ist, ist uninteressant

Stell dir vor, du bist auf einer Party. Alle wollen mit dem einen heißen Typen tanzen, und du stellst dich hinten an. Als du endlich dran bist, ist er schon weg. Frustriert willst du gehen - aber hast du eigentlich mal geschaut, wer vielleicht auf dich gewartet hat?

Wenn du dich ständig vorkommst, als würdest du in einer Schlange stehen, dreh dich mal um: Wer steht denn in deinem Schatten? Wenn dein erster Gedanke jetzt ist: „Lohnt sich nicht, da steht sowieso nur Schrott" - dann hat dein Selbstwertgefühl gerade ein Problem offenbart.

Die Kombination ist fatal und weit verbreitet: Sich in unerreichbare Jungs verlieben und gleichzeitig alle, die sich für dich interessieren, als ungeeignet bewerten - nur weil sie eben Interesse zeigen. Groucho Marx hat mal gesagt: „Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Klub beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen." Witzig, klar. Aber als Lebensmotto? Ein Ticket für viele einsame Nächte.

Was du jetzt tun kannst - konkret

Wenn du dich in diesem Muster wiedererkennst, gibt es ein paar Dinge, die wirklich helfen können:

  • Nimm dir Zeit für ehrliche Selbstreflexion. Schreib dir auf, in wen du dich in den letzten zwei Jahren verliebt hast. Was hatten diese Jungs gemeinsam? Waren sie wirklich verfügbar - emotional und praktisch?
  • Arbeite an deinem Selbstwert. Nicht als Phrase, sondern konkret: Mach Dinge, die du gut kannst. Gönne dir etwas, das dir guttut. Sport, kreative Projekte, Zeit mit Freunden, die dich wertschätzen. Lobe dich selbst für das, was du erreicht hast. Investiere in Beschäftigungen, Dinge und Personen, die dich zufriedener machen - nicht in solche, die von Akzeptanz und Zustimmung anderer abhängen, rät der Psychologe Alan Downs.
  • Schau auf die, die dich sehen. Nicht jeder, der Interesse zeigt, ist automatisch „unter deinem Level". Gib Leuten eine echte Chance, die vielleicht nicht sofort Schmetterlinge auslösen, aber real verfügbar sind. Manchmal braucht Anziehung Zeit.
  • Hab den Mut, realistisch zu sein. Das heißt nicht, deine Ansprüche komplett aufzugeben. Aber es heißt, ehrlich zu prüfen: Ist dieser Typ wirklich für eine Beziehung mit mir bereit? Oder verliebe ich mich gerade wieder in eine Fantasie?

Dating kann frustrierend sein - gerade in unserer Community, wo der Pool oft kleiner ist und viele von uns mit internalisierter Scham oder Unsicherheit kämpfen. Internationale Studien zeigen, dass schwule und bisexuelle Jugendliche psychische Vulnerabilitäten, aber auch spezifische Ressourcen aufweisen. Das bedeutet: Ja, wir haben's manchmal schwerer. Aber wir haben auch die Stärke, uns diesen Mustern zu stellen.

Wenn du merkst, dass du alleine nicht weiterkommst, hol dir Unterstützung. Queere Beratungsstellen wie mannigfaltig.de (Coming-out- und Lebensberatung) oder psychologische Anlaufstellen können helfen, alte Muster aufzubrechen. Du bist nicht allein mit diesem Thema - und du bist es wert, eine Beziehung zu haben, die echt ist.

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