In Bloom - Wenn die erste Liebe zerbricht

Ein Indie-Drama aus Chicago über das Ende einer Zweijahresbeziehung, Drogen, Party-Szene und die Frage, ob man zurückfindet, was man leichtfertig weggeworfen hat. Rau, ehrlich und ohne Happy End-Garantie.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

In Bloom - Wenn die erste Liebe zerbricht - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Beziehungsfilme über schwule Paare, die nicht nur vom Coming-out handeln, sind rar. Noch rarer sind solche, die sich trauen, ungeschönt zu zeigen, wie eine Beziehung unter dem Druck von Routine, Versuchung und falschen Entscheidungen auseinanderfällt. Chris Michael Birkmeiers "In Bloom" macht genau das - und lässt dich mit einem beklemmenden Gefühl zurück, das noch lange nachwirkt.

Kurt und Paul: Boystown-Liebe im Scheitern

Der Film aus dem Jahr 2013 spielt während eines heißen Sommers in Chicago. Kurt und Paul sind seit zwei Jahren ein Paar und leben zusammen in Boystown, dem queeren Viertel der Stadt. Auf den ersten Blick läuft alles: Kurt verdient sein Geld als kleiner Gras-Dealer und beliefert Studenten und Hipster, Paul arbeitet im Supermarkt und hasst seinen Job, aber die Rechnungen werden bezahlt. Sie lieben sich, sie haben Sex, sie verbringen ihre Abende mit Videospielen und chinesischem Essen.

Doch unter der Oberfläche bröckelt es. Auf einer Party lernt Kurt Kevin kennen - attraktiv, selbstbewusst, genau der Typ, der Kurt daran erinnert, dass es da draußen noch mehr geben könnte. Kurt wehrt sich anfangs gegen Kevins Annäherungsversuche, gibt aber nach. Ein Kuss, eine Kurzschlusshandlung, und plötzlich beendet Kurt die Beziehung zu Paul.

Was folgt, ist ein schmerzhafter Abstieg für beide: Paul fällt in ein tiefes Loch aus Verzweiflung und Leere, während Kurt sich in eine hektische Spirale aus Partys, Drogen und schnellem Sex stürzt - immer auf der Suche nach dem Gefühl, das er mit Paul hatte, aber nirgends findet. Im Hintergrund der Geschichte läuft eine weitere Bedrohung: Ein Serienmörder treibt in Chicago sein Unwesen und tötet junge Männer. Diese düstere Nebenhandlung verstärkt die Atmosphäre von Unsicherheit und Gefahr, die über allem schwebt.

Ungeschönte Beziehungskrise statt Hochglanz-Queer

Über ein Jahrzehnt nach seiner Veröffentlichung hat "In Bloom" nichts von seiner Dringlichkeit verloren. Während viele queere Filme heute entweder auf Hochglanz poliert sind oder sich in Trauma-Narrativen verlieren, bleibt Birkmeiers Werk unprätentiös und nah an der Realität junger schwuler Beziehungen. Der Film romantisiert nichts: Weder die Beziehung zwischen Kurt und Paul noch die Party-Szene werden idealisiert. Stattdessen zeigt er, wie leicht man das Gute im Leben für etwas vermeintlich Besseres aufgibt - und wie schwer es ist, den Weg zurückzufinden.

Die Low-Budget-Ästhetik wirkt heute authentischer als so mancher aufwendig produzierte Streamingfilm. Die Kameraführung ist bewusst statisch, oft sitzen Kurt und Paul nebeneinander im Bild, räumlich nah und emotional doch meilenweit entfernt. Das macht die Brüchigkeit ihrer Beziehung spürbar, ohne dass viel geredet werden muss.

Ein Warnhinweis: Der Film endet nicht versöhnlich. Wer einen Feelgood-Movie sucht, ist hier falsch. "In Bloom" ist ein Film über Verlust, Reue und die Erkenntnis, dass manche Entscheidungen nicht rückgängig zu machen sind. Die Gewalt-Nebenhandlung rund um den Serienmörder kann verstörend wirken und dient weniger dem Spannungsaufbau als vielmehr einer metaphorischen Bedrohung im Hintergrund.

DVD-Import aus UK, Streaming-Check negativ

  • Aktuell ist "In Bloom" in keinem großen Streaming-Abo in Deutschland, Österreich oder der Schweiz verfügbar (Stand April 2026).
  • Eine DVD-Version ist über Amazon.de erhältlich - allerdings handelt es sich um eine UK-Import-DVD (englischer Ton, teils mit Untertiteln).
  • Der Film wurde ursprünglich von TLA Releasing vertrieben, spezialisiert auf queeres Indie-Kino. Gelegentlich taucht er auf kleineren Plattformen oder bei queeren Filmfestivals auf - es lohnt sich, die Programme von Events wie dem Queersicht Festival (Bern) oder dem LGBTIQ* Filmfestival Hamburg im Auge zu behalten.

Realistische Paar-Dramen wie „Weekend"

Wenn du auf realistische, ungeschönte queere Beziehungsdramen stehst, probier auch diese:

  • Weekend (Andrew Haigh, 2011) - Der Film, mit dem "In Bloom" oft verglichen wird: Zwei Männer, ein Wochenende, eine intensive Verbindung, die nicht von Dauer sein kann.
  • Homme au bain (Christophe Honoré, 2010) - Französisches Drama über einen Mann, der zwischen zwei Beziehungen hin- und hergerissen ist. Ebenfalls roh, intim und ohne Kitsch.
  • Keep the Lights On (Ira Sachs, 2012) - Eine toxische On-Off-Beziehung über zehn Jahre hinweg, mit Drogensucht und emotionaler Abhängigkeit. Schmerzhaft ehrlich.

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