Kein Bartwuchs, was nun? Welcher Arzt hilft dir wirklich weiter

Während die Jungs in der Klasse plötzlich mit Flaum auf der Oberlippe rumlaufen, tut sich bei dir gar nichts? Wir erklären dir, wann das normal ist, wann du zum Arzt solltest und welcher der richtige ist.

justboys-Redaktion

7 Min Lesezeit

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Mal ehrlich: Bart ist so ein Thema, über das kaum jemand offen redet, das aber heimlich viele beschäftigt. Du stehst morgens vor dem Spiegel, fährst dir übers Kinn und da ist einfach nichts. Null. Während dein bester Kumpel schon am Wochenende über sein Rasiergel diskutiert und ein anderer aus der Klasse einen Vollbart trägt, als wäre er dreißig.

Das kann nerven, verunsichern und manchmal auch richtig an einem fressen. Vor allem, wenn man ständig dumme Sprüche hört wie "Bist du sicher, dass du schon in der Pubertät bist?" oder "Du siehst aus wie zwölf". Deshalb heute mal Klartext zu dem Thema, ohne Drumherumreden.

Erstmal beruhigen: Die meisten sind einfach noch nicht so weit

Bevor wir über Ärzte reden, erstmal das Wichtigste: Bartwuchs kommt bei jedem zu einer anderen Zeit. Manche haben mit 14 schon einen ordentlichen Schatten, andere fangen erst mit 18 oder 19 überhaupt an, und richtig dichter Bart entwickelt sich oft erst Mitte zwanzig oder noch später.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist da die Genetik. Schau dir mal deinen Vater, deine Onkel, deinen Opa an. Wenn die alle eher spät einen Bart bekommen haben oder generell wenig Bartwuchs haben, ist die Chance hoch, dass es bei dir ähnlich läuft. Das ist keine Krankheit, das ist einfach dein Bauplan.

Zum anderen spielt die Ethnie eine Rolle. Männer mit mediterranen, südamerikanischen oder südasiatischen Wurzeln entwickeln oft früher und kräftiger Bart, während zum Beispiel viele Männer mit ostasiatischen oder nordeuropäischen Wurzeln tendenziell weniger oder erst später Bart bekommen. Das ist Biologie, nicht Männlichkeit.

Und drittens, ganz wichtig: Bartwuchs ist nicht das Maß für Männlichkeit. Es gibt Bodybuilder mit babyglattem Gesicht und schmächtige Typen mit Vollbart. Das eine hat mit dem anderen nicht zwingend was zu tun.

Wann ist es Zeit, mal einen Arzt drauf schauen zu lassen?

Es gibt aber Situationen, in denen ein Check beim Arzt wirklich Sinn macht. Nicht aus Panik, sondern einfach um sicherzugehen, dass alles im grünen Bereich ist.

Du solltest vor allem dann hingehen, wenn du das Gefühl hast, dass die Pubertät bei dir gar nicht oder nur sehr schleppend in Gang kommt. Ein paar Anhaltspunkte: Wenn du schon 16, 17 oder älter bist und noch nichts von der typischen Pubertätsentwicklung mitbekommen hast (also kein Stimmbruch, keine Schambehaarung, kein Wachstumsschub, keine Veränderung der Geschlechtsorgane), dann ist das ein Grund, das mal abklären zu lassen.

Auch wenn du das Gefühl hast, die Pubertät hat angefangen, ist aber irgendwie steckengeblieben, kann ein Arztbesuch helfen. Genauso, wenn du andere Symptome bemerkst wie ständige Müdigkeit, Probleme mit dem Wachstum, sehr wenig Muskelmasse oder ähnliches.

Wenn du nur einen späten oder dünneren Bartwuchs hast, ansonsten aber alles seinen Gang geht, ist das medizinisch normalerweise kein Problem. Aber es kann trotzdem psychisch belasten, und auch dafür darfst du dir Hilfe holen, das ist absolut legitim.

Erste Anlaufstelle: Dein Hausarzt

Klingt vielleicht unspektakulär, aber der Hausarzt oder die Hausärztin ist tatsächlich der richtige erste Ansprechpartner. Warum? Weil er dich grundlegend untersuchen, ein Blutbild machen und dich dann gezielt weiter überweisen kann, falls nötig.

Beim Hausarzt kannst du offen sagen, was los ist. So in der Art: "Ich mache mir Sorgen, dass meine Pubertät verzögert ist, weil bei mir bisher nichts mit Bartwuchs passiert und auch sonst wenig läuft." Das ist kein peinliches Gespräch, das ist einfach ein medizinisches Anliegen wie jedes andere auch. Die Ärzte hören sowas oft, du bist da nicht der erste Junge mit dieser Frage.

Falls du ungern allein hingehst, kannst du auch eine Vertrauensperson mitnehmen, ein Elternteil, einen älteren Geschwisterteil oder einen guten Freund. Ab 14 darfst du in Österreich auch ohne Eltern zum Arzt gehen, wenn du einsichts- und urteilsfähig bist, und ab 16 sowieso.

Der Spezialist: Endokrinologe

Wenn beim Hausarzt der Verdacht aufkommt, dass mit deinem Hormonhaushalt was nicht stimmt, wirst du wahrscheinlich zum Endokrinologen überwiesen. Das sind die Spezialisten für Hormone und Stoffwechsel.

Bei Jugendlichen unter 18 geht es konkret zum pädiatrischen Endokrinologen, also zum Kinder- und Jugend-Endokrinologen. Die kennen sich besonders gut mit Pubertätsentwicklung aus und wissen, was in welchem Alter normal ist und was nicht.

Was passiert da? Meistens werden ausführlich Blutwerte bestimmt. Vor allem Testosteron, aber auch andere Hormone wie LH, FSH, Prolaktin oder Schilddrüsenhormone. Manchmal wird auch ein Ultraschall der Hoden gemacht oder ein Röntgenbild der Hand, um das sogenannte Knochenalter zu bestimmen. Das klingt aufwendig, ist aber alles harmlos und tut nicht weh.

Daraus lässt sich dann ablesen, ob deine Pubertätsentwicklung einfach nur etwas langsamer läuft (das nennt man "konstitutionelle Entwicklungsverzögerung" und ist die häufigste Ursache) oder ob tatsächlich eine hormonelle Störung dahintersteckt, die behandelt werden sollte.

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Der Urologe oder Androloge

Wenn du schon volljährig bist oder das Thema speziell die männlichen Geschlechtsorgane betrifft, kann auch der Urologe oder spezieller der Androloge die richtige Adresse sein. Andrologie ist sozusagen die Männerheilkunde, das Pendant zur Frauenheilkunde.

Diese Ärzte kümmern sich um alles, was mit männlicher Hormonproduktion, Fruchtbarkeit und den Geschlechtsorganen zu tun hat. Wenn dein Hausarzt also vermutet, dass es eher in diese Richtung geht, kann eine Überweisung dorthin sinnvoll sein.

Der Dermatologe, falls es ums Aussehen geht

Eine ganz andere Schiene: Wenn medizinisch alles okay ist, dein Bart aber einfach lückenhaft wächst oder du dir mehr Bart wünschst, kann ein Hautarzt (Dermatologe) Ansprechpartner sein. Manche bieten Behandlungen an, die das Bartwachstum anregen sollen, oder können dir sagen, ob bestimmte Mittel überhaupt sinnvoll sind.

Achtung an dieser Stelle: Im Internet gibt es haufenweise Bartwuchsmittel, Öle, Sprays und sonstigen Kram, die dir alles versprechen. Die meisten davon bringen wenig bis nichts. Bevor du dein Geld dafür ausgibst, sprich lieber mit einem echten Arzt. Auch Minoxidil, das oft im Netz empfohlen wird, ist eigentlich für Kopfhaare zugelassen und sollte nicht einfach so im Gesicht angewendet werden.

Was kannst du selbst tun?

Auch wenn die Genetik den größten Teil ausmacht, gibt es ein paar Dinge, die einen gesunden Hormonhaushalt unterstützen, und damit indirekt auch das Bartwachstum, sobald deine Zeit gekommen ist.

Ausreichend Schlaf ist riesig wichtig. Während du schläfst, produziert dein Körper Testosteron. Wer dauerhaft fünf Stunden pro Nacht schläft, sägt sich selbst die Äste ab.

Regelmäßige Bewegung, vor allem Krafttraining, kann den Hormonspiegel positiv beeinflussen. Du musst nicht Bodybuilder werden, aber zwei, drei Mal pro Woche etwas Sport tut dem ganzen Körper gut.

Vernünftige Ernährung mit genug Eiweiß, gesunden Fetten und nicht zu viel Zucker hilft ebenfalls. Vitamin D, Zink und Magnesium sind hier Stichworte, falls du dich tiefer einlesen willst.

Was du dagegen lieber sein lassen solltest: Rauchen, übermäßiger Alkohol, viel Stress und vor allem keine Hormone oder "Booster" auf eigene Faust nehmen. Anabolika und ähnlicher Mist aus dem Internet können deinen Körper langfristig massiv schädigen, gerade wenn du noch in der Entwicklung bist.

Und was ist mit dem Druck von außen?

Ehrlich gesagt, das ist oft das eigentliche Problem. Nicht der fehlende Bart, sondern das Gefühl, deshalb weniger wert oder weniger männlich zu sein. Vor allem in unserer Community wird auf Apps und in sozialen Medien teilweise ein Bild verkauft, als müssten alle wie aus dem Hochglanzmagazin aussehen, mit perfektem Bart, definiertem Kiefer und allem drum und dran.

Das ist Quatsch. Es gibt unzählige Männer, die richtig gut aussehen, gefragt sind und ihren Style finden, ganz ohne Bart. Manche Typen rasieren sich sogar absichtlich glatt, weil ihnen das besser steht. Bart ist ein Look, kein Beweis für irgendwas.

Wenn dich das Thema gerade ziemlich stresst, kann es helfen, mal mit jemandem darüber zu reden. Mit einem Freund, in der Community, oder auch professionell mit einem Therapeuten oder einer Beratungsstelle. Du wärst überrascht, wie vielen es ähnlich geht.

Kurz und knapp: Wohin gehst du wann?

Wenn du nur eine späte Entwicklung vermutest und sonst alles okay ist: erstmal abwarten, eventuell zum Hausarzt zur Beruhigung. Wenn die ganze Pubertät stockt oder gar nicht losgeht: Hausarzt, der dich dann zum Endokrinologen überweist. Wenn es um Hormone und Geschlechtsorgane bei Erwachsenen geht: Urologe oder Androloge. Wenn medizinisch alles passt, der Bart aber kosmetisch ein Thema ist: Dermatologe.

Und ganz wichtig: Geh hin, wenn dich was beschäftigt. Du musst dich nicht jahrelang damit quälen oder dich schämen. Ärzte sind dafür da. Niemand wird dich auslachen, niemand wird dich komisch finden. Das ist deren tägliche Arbeit.

Zum Mitnehmen

Kein oder wenig Bartwuchs ist in den allermeisten Fällen einfach Veranlagung oder eine Frage der Zeit. Die Pubertät ist kein Schnellzug, der bei allen zur gleichen Minute losfährt. Wenn du dir aber unsicher bist, ob bei dir alles im Lot ist, oder wenn das Thema dich emotional belastet, dann hol dir Hilfe. Erst beim Hausarzt, danach bei den Spezialisten, falls nötig.

Und vergiss eines nicht: Du bist nicht weniger Mann, weniger attraktiv oder weniger wert, nur weil dein Gesicht glatter ist als das von anderen. Du bist du, mit allem was dazugehört, und genau das ist das Beste, was du sein kannst.

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