Keller - Teenage Wasteland: Zwei Jungs, eine Entführung und queere Spannung

Ein österreichischer Thriller über zwei 16-Jährige, die fast aus Versehen eine Supermarkt-Kassiererin entführen - und deren Kontrolle zwischen Begehren, Macht und unterdrückter Liebe zerbricht.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Keller - Teenage Wasteland: Zwei Jungs, eine Entführung und queere Spannung - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

Trailer über YouTube - beim Abspielen werden Daten an Google übertragen.

Wenn Langeweile und Adrenalin aufeinandertreffen, kann es gefährlich werden. Keller - Teenage Wasteland, der österreichisch-deutsche Film aus dem Jahr 2005/2006, erzählt genau davon: von zwei 16-jährigen Jungs, die immer weiter gehen - bis sie selbst nicht mehr zurückkönnen. Und mittendrin: eine queere Sehnsucht, die nie ausgesprochen wird, aber alles antreibt.

Sebastian und Paul - Abstieg in die Wiener Vorstädte

Sebastian und Paul sind zwei Teenager, die durch die Vorstädte Wiens streunen, trinken, klauen und nach dem nächsten Kick suchen. Sebastian kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus, Paul teilt eine Sozialwohnung mit seiner kranken Mutter - trotzdem oder gerade deshalb finden sie zueinander. In einer verlassenen Fabrikhalle bauen sie sich ihren eigenen Rückzugsort, einen Ort nur für sie beide.

Doch Sebastian wird immer mehr zum dominierenden Part, weil er bereit ist, immer einen Schritt weiterzugehen. Fast aus Übermut kidnappen die beiden eines Nachts die 30-jährige Sonja, eine Supermarkt-Kassiererin, die sie beim Stehlen erwischt hat, und verschleppen sie in ihr Versteck. Was als spontaner Akt jugendlicher Rebellion beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Spiel mit unberechenbaren Konsequenzen.

Sebastian beobachtet zunehmend ängstlich, wie sich Paul der Gefangenen widmet und eine Verbindung zu ihr aufbaut - während Paul beginnt, sich von Sebastian zu lösen und sich von Sonja angezogen zu fühlen. Sebastians Signale der Liebe und des Verlangens bleiben unbeantwortet. Orientierungslosigkeit, Angst, Begehren und Liebe verwandeln sich in grausame Aggressivität.

Unterschätzt 2005, aktuell - warum Keller noch heute trifft

Bei seinem Erscheinen stieß der Film hierzulande auf rat- oder verständnislose Gesichter, feierte aber internationale Festivalerfolge - darunter das Filmfestival von Locarno 2005 und das Max Ophüls Festival 2006. Was Keller auch heute noch besonders macht: Der Film setzt auf die Kraft seiner Bilder, nicht nur auf soziale Botschaften, und mischt stilvolle Bilder mit Kammerspiel, Coming-of-Age und Psychoterror.

Die queere Ebene des Films wird nie explizit gemacht, bleibt stattdessen unter der Oberfläche als Subtext - so wie es für viele von uns in der Pubertät auch war. Sebastians nicht ausgesprochene Gefühle für Paul treiben die Eskalation voran, machen ihn gefährlich. Das ist radikal und manchmal schwer auszuhalten. Der Film romantisiert nichts, zeigt stattdessen die toxische Seite von unterdrückter Sehnsucht und Kontrollverlust.

Triggerwarnung: Der Film enthält Szenen von Gewalt, psychischem Terror und sexualisierter Bedrohung. Er ist ab 16 Jahren freigegeben, aber inhaltlich fordernd.

Bemerkenswert ist auch die Regiearbeit: Eva Urthaler war bei Drehbeginn 27 Jahre alt und hatte sich das Filmhandwerk autodidaktisch beigebracht, ohne eine Filmschule besucht zu haben. Sie konnte nicht einmal auf einen Kurzfilm verweisen. Keller blieb allerdings ihr einziger Spielfilm - weitere Projekte folgten nicht.

Schwierig zu finden: Streaming-Status April 2026

Aktuell ist Keller - Teenage Wasteland in keinem gängigen Streaming-Dienst in DACH verfügbar (Stand April 2026). Auf YouTube wurde im März 2026 eine Version des Films hochgeladen, allerdings ohne offizielle Lizenzangaben - die Rechtslage ist unklar.

Deine beste Option:

  • DVD-Kauf: Der Film ist auf DVD bei Amazon.de erhältlich, außerdem über Rebuy als gebrauchte DVD.
  • Gebraucht: Bei eBay findest du gelegentlich gebrauchte DVDs.
  • Schweiz: Über Ex Libris.ch kannst du die DVD versandkostenfrei bestellen.

Ähnliche Mischungen: Queere Coming-of-Age-Klassiker

Wenn dich die Mischung aus queerer Subtext, Coming-of-Age und psychologischer Spannung interessiert, schau dir auch diese Filme an:

  • Sommersturm (2004, Marco Kreuzpaintner) - Deutscher Coming-of-Age-Film über einen Ruderer, der sich in seinen besten Freund verliebt. Ähnlich intensive Freundschaftsdynamik, aber deutlich hoffnungsvoller.
  • L'Inconnu du lac (2013, Alain Guiraudie) - Französischer Thriller über Begehren, Gefahr und schwules Cruising an einem See. Ebenso atmosphärisch dicht, noch expliziter.
  • Shortbus (2006, John Cameron Mitchell) - Für den Kontrast: Ein Film über queere Sexualität und Intimität, der feiert statt zu zerstören.

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