Konsequenzen (2018) - Sloweniens erster queerer Film zeigt toxische Männlichkeit

Ein 18-Jähriger kämpft in einer slowenischen Jugend-Besserungsanstalt um seinen Platz, verliebt sich in den brutalen Anführer und wird von ihm eiskalt manipuliert. Starke Performances, aber vorhersehbares Ende.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Konsequenzen (2018) - Sloweniens erster queerer Film zeigt toxische Männlichkeit - Coverbild

Bild © TMDb / Filmverleih

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Triggerwarnung: Dieser Film enthält Darstellungen von physischer und psychischer Gewalt, Erpressung, Drogenmissbrauch und emotional-manipulativen Beziehungen.

Slowenien hat 2018 seinen ersten queeren Spielfilm vorgelegt, und der ist alles andere als gemütlich. "Konsequenzen" (Originaltitel: "Posledice") wirft dich mitten in eine Jugend-Besserungsanstalt voller Testosteron, Gewalt und toxischer Hierarchien. Und mittendrin: Andrej, 18, aufmüpfig, verloren und schwul in einem Umfeld, wo das Outing dich vernichtet. Regisseur Darko Štante hat dieses Debüt nach eigenen Erfahrungen in einer slowenischen Haftanstalt geschrieben, und das merkt man. Hier wird nichts beschönigt.

Andrej landet im Knast, weil seine Mutter nicht mehr klarkommt

Andrej Podobnik (Matej Zemljič) ist ein Grenzgänger. Er geht nicht zur Schule, dealt mit Drogen, kommt nachts nicht nach Hause. Auf einer Party kann er bei einem Mädchen nicht "performen", sie wirft ihm später eine versuchte Vergewaltigung vor. Seine Mutter gibt vor Gericht auf, der Richter schickt ihn in eine Besserungsanstalt in Ljubljana. Dort läuft alles über eine gnadenlose Hackordnung: Wer oben steht, diktiert. Und ganz oben steht Zeljko, genannt Zele (Timon Šturbej), brutal, charismatisch, unberechenbar. Andrej kommt sofort unter seine Fittiche, aus Rivalität wird Kameradschaft, und bald merkt Andrej, dass er sich körperlich zu Zele hingezogen fühlt. Zele weiß das, und er nutzt es aus, eiskalt.

Ein Film über queeres Begehren in einem Land, wo Outen dich zerstört

Was "Konsequenzen" ehrlich macht: Er zeigt, wie gefährlich es ist, in Slowenien schwul zu sein, sobald du die Hauptstadt verlässt. Regisseur Štante hat nach der Premiere erklärt, dass die Reaktionen im Film nicht übertrieben sind. Ein Outing kann dich sozial vernichten, Familie, Job, alles weg. Der Film ist keine queere Romcom, sondern ein brutaler Realitätscheck. Zele manipuliert Andrej, verspricht ihm Liebe, Sex, Amsterdam zu zweit, aber benutzt ihn nur für Geld und Macht. Das ist kein positives Repräsentationsmärchen, sondern die hässliche Seite von internalisierter Homophobie und toxischer Männlichkeit. Und genau deshalb ist der Film wichtig.

Hinter der Kamera stand mit Štante ein Debütregisseur, der während seines Masterstudiums in Ljubljana gedreht hat. Der Cast besteht aus ausgebildeten Theaterschauspielern der slowenischen Akademie, keine Laiendarsteller. Das zeigt sich.

Matej Zemljič und Timon Šturbej liefern intensiv ab

Die größte Stärke des Films sind die Performances. Matej Zemljič gibt Andrej eine zerrissene Verletzlichkeit, die unter die Haut geht. Du siehst ihm an, wie er versucht, in dieser Gewalt-Welt zu bestehen, und gleichzeitig verzweifelt nach Liebe sucht. Timon Šturbej als Zele ist furchteinflößend: Er wechselt in Sekunden von Zärtlichkeit zu eiskalter Brutalität. Die Chemie zwischen den beiden ist spannungsgeladen und unangenehm echt. Gašper Markun als Niko, Zeles Sidekick, rundet das toxische Trio ab. Bei den Vesna Awards 2018 (Sloweniens Filmpreis) gab's dafür Best Director, Best Actor und Best Supporting Actor. Verdient.

Wo du es sehen kannst

In Deutschland streamst du "Konsequenzen" gratis über AVA VOBB und AVA HBZ (Bibliotheksplattformen, falls du Zugang hast). Sonst kannst du ihn leihen oder kaufen bei Apple TV, Amazon Video und YouTube. In Österreich läuft er per Leihe/Kauf bei Amazon und Apple TV, in der Schweiz nur bei Apple TV. Der Film lief 2018 bei der Weltpremiere in Toronto (Discovery-Sektion) und 2019 unter anderem beim Crossing Europe in Linz.

Starke erste Hälfte, vorhersehbares letztes Drittel

So ehrlich die Darstellung ist, so frustrierend ist das Drehbuch. Die erste Hälfte baut langsam und atmosphärisch Andrejs Welt auf, du spürst die Enge, die Gewalt, die Sehnsucht. Aber ab der Mitte wird es zunehmend vorhersehbar. Der Hollywood Reporter hat's auf den Punkt gebracht: Das letzte Drittel wirkt wie eine "foregone conclusion", die du schon Meilen vorher kommen siehst. Der deutsche Filmdienst nannte das Drehbuch "unausgegoren" mit holprigem Rhythmus. Es gibt Längen, dann plötzlich wird gerafft. Das Ende ist konsequent düster, aber auch klischeehaft.

Und trotzdem: "Konsequenzen" ist ein wichtiger Film. Nicht, weil er perfekt ist, sondern weil er als erster slowenischer queerer Film überhaupt zeigt, wie verdammt hart es ist, in einem konservativen Umfeld schwul zu sein. Er glorifiziert nichts, er gibt dir keine Hoffnung. Aber er zeigt dir die Wahrheit. Wenn du bereit bist für 95 Minuten toxische Männlichkeit, Manipulation und einen Protagonisten, der sich selbst zerstört, dann schau ihn. Wenn du einen Feel-Good-Queerfilm suchst, such woanders.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (© Salzgeber & Co. Medien / jeweiliger Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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