Ein Ferienhaus am Mittelmeer, zwei 17-Jährige ohne Aufsicht, und die drängendste Frage überhaupt: Was genau willst du eigentlich - und mit wem? Krámpack - Nico und Dani vom katalanischen Regisseur Cesc Gay zeigt diesen einen Sommer, in dem aus Kumpelstreichen plötzlich echte Gefühle werden.
Sommer an der katalanischen Küste: Dani und Nico entdecken sich selbst
Dani und Nico kennen sich seit der Grundschule. Der Film aus dem Jahr 2000 zeigt die beiden mitten in der Pubertät, wie sie die Sommerferien gemeinsam im Haus von Danis Eltern an der katalanischen Küste verbringen. Die Erwachsenen sind weg, die beiden können also machen, was sie wollen. Und was sie vor allem wollen: endlich den ersten Sex haben.
Sie rauchen Hasch, gehen in Bars, reden über Mädchen und experimentieren erstmal miteinander - als Übung sozusagen, als „Training" für das, was dann mit den Mädchen passieren soll. Im Dorf treffen sie auf Elena und Berta, zwei Mädchen aus dem Vorjahr, die sie ins Ferienhaus einladen. Doch während Nico seinem Ziel mit Elena langsam näher kommt, wird Dani mit der Situation immer unzufriedener. Ihm wird klar, dass er nicht Berta neben sich im Bett haben will - sondern Nico.
Für Nico, der sich auf seine heterosexuelle Zukunft vorbereitet fühlt, ist das ein Schock. Was zwischen ihnen passiert ist, war für ihn Spielerei, unschuldiges Rumalbern unter Freunden. Doch für Dani bedeutet es mehr. Die vertraute Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, und beide müssen sich Fragen stellen, auf die sie eigentlich noch gar keine Antworten haben wollen.
Warum ein 25-jähriger Film ohne Coming-out-Drama noch berührt
Über 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung ist Krámpack immer noch bemerkenswert, weil er nicht die üblichen Coming-of-Age-Klischees bedient. Es gibt hier kein tragisches Coming-out, keine weinerliche Selbstfindung, kein Hollywood-Happy-End. Stattdessen zeigt Cesc Gay pubertäre Verwirrung mit viel Humor, ohne sie lächerlich zu machen. Die beiden Hauptdarsteller Fernando Ramallo und Jordi Vilches spielen ihre Rollen glaubwürdig und ungekünstelt - man nimmt ihnen ab, dass sie gerade wirklich nicht wissen, wer sie sind.
Was der Film besonders gut macht: Er zeigt, dass sexuelle Identität keine klare Linie ist, sondern ein Prozess, der für alle Beteiligten verwirrend und manchmal schmerzhaft ist. Nico ist kein Bösewicht, weil er nicht schwul ist. Dani ist kein tragischer Held, weil er es vielleicht ist. Beide sind einfach Teenager, die gerade merken, dass Erwachsenwerden komplizierter ist als gedacht.
Der Film ist stellenweise sehr explizit - Nacktheit, Sexszenen, Drogenkonsum gehören dazu. Das ist keine Provokation, sondern Teil der Realität, die der Film zeigen will. Trotzdem: Wer mit sehr direkten Darstellungen von Intimität Schwierigkeiten hat, sollte das wissen.
Streaming-Suche in DACH: Krámpack ist derzeit offline
Aktuell ist Krámpack - Nico und Dani in keinem Streaming-Dienst in Deutschland, Österreich oder der Schweiz verfügbar (Stand April 2026). Das ist schade, aber nicht ungewöhnlich für europäische Indie-Produktionen aus den frühen 2000ern.
- Die DVD ist über Amazon.de bestellbar, teilweise auch gebraucht über Plattformen wie Medimops oder reBuy.
- Videobuster bietet den Film als DVD-Verleih an - allerdings nur in der Originalfassung ohne deutsche Tonspur.
- Gelegentlich läuft der Film auf queeren Filmfestivals oder in Programmkinos - ein Blick auf die Websites von Queer-Film-Reihen lohnt sich.
Nach Krámpack: Filme über Freundschaft und erste Male
Wenn dich Krámpack anspricht, könnten diese Filme auch etwas für dich sein:
- Freunde fürs Leben (2015, ebenfalls von Cesc Gay): Der Regisseur gewann mit diesem Drama über zwei Freunde, von denen einer sterbenskrank ist, mehrere Goya Awards. Kein queerer Film, aber ähnlich ehrlich und unprätentiös.
- Beach Rats (2017): Ein junger Mann auf Coney Island zwischen Hookup-Apps, Freunden und der Frage, wie offen er sein kann.
- Heartstone (2016): Isländischer Coming-of-Age-Film über zwei Jungen in einem kleinen Fischerdorf, deren Freundschaft sich verändert.
