La mala educación - Almodóvars verstörendste Abrechnung mit Kirche und Coming-of-age

Pedro Almodóvars Film aus dem Jahr 2004 erzählt von sexuellem Missbrauch in katholischen Internaten, queerer Identität und einer verschachtelten Wahrheit, die bis heute nachhallen. Ein Film, der wehtut - und gerade deshalb wichtig ist.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

La mala educación - Almodóvars verstörendste Abrechnung mit Kirche und Coming-of-age - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Wenn Pedro Almodóvar einen Film über seine eigene Vergangenheit dreht, wird es persönlich - und unbequem. La mala educación aus dem Jahr 2004 ist keine leichte Kost. Der Film handelt von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester, von verdrängter Homosexualität, von Identitätsbetrug und Mord. Und er tut das mit einer narrativen Komplexität, die selbst für Almodóvar ungewöhnlich ist. Warum du dir diesen Film trotzdem - oder gerade deswegen - ansehen solltest? Weil er eine Wahrheit ausspricht, die viele queere Männer kennen: dass Coming-of-age und Trauma manchmal untrennbar miteinander verwoben sind.

Enrique und Ignacio: Eine Vergangenheit kehrt zurück

Der Film aus dem Jahr 2004 beginnt in der Gegenwart: Der erfolgreiche Regisseur Enrique Goded (Fele Martínez) steckt in einer Schreibblockade, als plötzlich sein Jugendfreund Ignacio (Francisco Boira) vor der Tür steht. Ignacio bringt ein Manuskript mit - eine semi-autobiografische Geschichte über ihre gemeinsame Zeit in einem katholischen Internat in den 1960er Jahren. Für Enrique ist das die perfekte Vorlage für seinen nächsten Film. Doch je tiefer er in das Manuskript eintaucht, desto mehr zweifelt er daran, ob der Besucher wirklich Ignacio ist.

Der Film entfaltet sich in mehreren Erzählebenen: Da ist die Gegenwart, in der Enrique recherchiert. Da ist das Manuskript selbst, in dem eine Drag-Performerin namens Zahara ihren ehemaligen Schulfreund wiedertrifft und den Priester Pater Manolo (Lluís Homar) erpresst, der sie als Kind missbraucht hat. Und da sind die Rückblenden in die tatsächliche Vergangenheit, in der die beiden Jungen - Enrique und Ignacio - ihre erste Liebe entdecken, während Pater Manolo Ignacio sexuell missbraucht.

Almodóvar verschachtelt diese Ebenen virtuos, lässt Realität und Fiktion ineinander verschwimmen. Die Hauptrolle spielt Gael García Bernal, der gleich mehrere Figuren verkörpert: den jungen Ignacio, die erwachsene Drag-Queen Zahara und schließlich noch jemand anderen - was hier nicht gespoilert werden soll. Es ist eine Tour de Force, die zeigt, wie formbar Identität sein kann, wenn Trauma und Begehren aufeinanderprallen.

Warum Almodóvars Wunde 2026 noch schmerzt

Über 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung hat La mala educación nichts von seiner Relevanz verloren. Während viele queere Coming-of-age-Filme heute auf Hoffnung und Selbstfindung setzen, geht Almodóvar den unbequemeren Weg: Er zeigt, wie institutionalisierte Gewalt queere Biografien prägt. Der Film ist eine Abrechnung mit der katholischen Kirche im Franco-Spanien, aber auch eine universelle Geschichte darüber, wie Missbrauch und Macht queere Identitäten verzerren können.

Was den Film besonders macht, ist seine Weigerung, einfache Antworten zu geben. Almodóvar romantisiert nichts. Die erste Liebe zwischen Enrique und Ignacio ist zart und echt, aber sie wird überschattet von Pater Manolos Übergriffen. Die Drag-Performance ist Ausdruck von Freiheit, aber auch von Verzweiflung. Und die Wahrheit, die Enrique schließlich entdeckt, ist so verstörend, dass sie die gesamte Erzählung in ein neues Licht rückt.

Für junge schwule Zuschauer, die mit glatten Netflix-Produktionen aufgewachsen sind, kann La mala educación ein Schock sein. Aber genau das macht ihn wertvoll. Der Film erinnert daran, dass queere Geschichte oft mit Gewalt und Verdrängung verbunden war - und dass diese Geschichte noch nicht vorbei ist. Triggerwarnung: Der Film zeigt sexuellen Missbrauch an Minderjährigen (nicht explizit, aber eindeutig), Drogenkonsum und Gewalt.

Netflix, Prime, Apple TV - die Streaming-Optionen

  • Streaming: Der Film ist auf Netflix und Amazon Prime Video verfügbar, dort auch als Leihfilm.
  • Kauf/Leihoptionen: Bei Apple TV und Amazon kannst du den Film digital kaufen oder leihen.
  • Physische Medien: DVD und Blu-ray sind über Amazon.de erhältlich, auch gebraucht.

Almodóvars queere Klassiker danach entdecken

Wenn du dich für Almodóvars persönliche Trilogie interessierst, solltest du auch diese Filme sehen:

  • Das Gesetz der Begierde (1987) - Almodóvars erster explizit queerer Film über einen schwulen Regisseur und sein kompliziertes Liebesleben.
  • Leid und Herrlichkeit (2019) - Ein semi-autobiografischer Film über einen alternden Regisseur (Antonio Banderas), der auf sein Leben zurückblickt. Weniger düster als La mala educación, aber genauso persönlich.
  • Gottes eigenes Land (2017, Francis Lee) - Ein queerer Coming-of-age-Film, der ebenfalls die Verbindung zwischen religiöser Unterdrückung und sexueller Identität erkundet, allerdings in einem zeitgenössischen Setting.

Almodóvar selbst nannte La mala educación in einem Interview 2025 eines seiner persönlich bedeutendsten Werke. Seitdem hat der Regisseur sein englischsprachiges Debüt The Room Next Door (2024) veröffentlicht, das 2024 mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet wurde. Sein nächster Film Autofiction (im Original Amarga Navidad) ist für Mai 2026 angekündigt.

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