Lambda steht vor dem Aus: Was du jetzt tun kannst

Dem bundesweiten queeren Jugendnetzwerk Lambda wurde ohne Vorwarnung die komplette Bundesförderung gestrichen. Ende Dezember ist Schluss, wenn nichts passiert. Was da gerade läuft, warum uns das etwas angeht und was du konkret machen kannst, auch ohne einen Cent.

Redaktion

4 Min Lesezeit

Teilen
Lambda steht vor dem Aus: Was du jetzt tun kannst - Coverbild

Grafik: Jugendnetzwerk Lambda e.V.

Was gerade passiert

Mitte Juli kam beim Jugendnetzwerk Lambda eine Mail an, mit der niemand gerechnet hat. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend kündigt die Rahmenvereinbarung zum Jahresende. Das klingt nach Verwaltungssprache, heißt aber im Klartext: Ab Januar fällt die komplette Bundesförderung weg, zuletzt rund 380.000 Euro im Jahr. Kein Vorgespräch, keine Vorwarnung, keine Gelegenheit, irgendetwas nachzubessern.

Seit 1990 wird die Arbeit von Lambda aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes mitfinanziert, seit 2018 über genau diese Vereinbarung. Die Sachberichte der letzten Jahre wurden ohne Beanstandung geprüft, die Arbeit wurde fachlich immer wieder gelobt. Das Ministerium begründet die Streichung damit, dass Mittel konzentriert und Förderungen gebündelt werden müssten. Auffällig daran: Im Bundeshaushalt für 2027 sind für den Kinder- und Jugendplan gar keine Kürzungen vorgesehen. Es wird also nicht der Topf kleiner, es fliegt ein Verband raus.

Der Deutsche Bundesjugendring hat die Kündigung öffentlich kritisiert und fordert wie Lambda selbst, sie zurückzunehmen. Auch die Queer-Beauftragte der Bundesregierung sucht dazu das Gespräch mit der Ministerin.

Vorstand und Geschäftsführung von Lambda erklären, was auf dem Spiel steht. 1:34 Minuten, mit Untertiteln.

Was da genau wegfällt

Lambda ist seit 1990 die bundesweite Selbstorganisation junger queerer Menschen in Deutschland. Gegründet wurde das Netzwerk noch zu DDR-Zeiten in Ostberlin, die Zusammenarbeit mit dem Bund läuft seit 36 Jahren, quer durch alle Regierungen.

Am wichtigsten ist die Jugendberatung, und die hängt an bezahlten Fachkräften. Die Geschäftsführerin hat es in einem Interview sehr deutlich gesagt: Bei Lambda melden sich viele Jugendliche mit Suizidgedanken oder nach Gewalterfahrungen. Solche Gespräche kann man nicht Ehrenamtlichen aufhalsen. Ohne Personal gibt es keine Beratung mehr, so einfach ist die Rechnung.

Dazu kommt das digitale Jugendzentrum lambda space, in dem sich inzwischen mehr als tausend Jugendliche angemeldet haben. Für einen Teil von ihnen ist das der einzige queere Ort, den sie überhaupt erreichen. Wer in einer Kleinstadt wohnt, hat eben kein Jugendzentrum um die Ecke, in dem er ohne Erklärungsnot über sein Coming-out reden kann. Genau diese Lücke füllt so ein Angebot.

Warum wir darüber schreiben

Wir sitzen in Österreich, entschieden wird das in Berlin. Trotzdem geht uns das etwas an, aus zwei Gründen.

Erstens liest ein großer Teil von euch hier aus Deutschland mit. Wenn dort die Beratung wegbricht, trifft das Leute aus unserer eigenen Community, nicht irgendjemanden.

Zweitens wissen wir ziemlich genau, was so ein Ort wert ist. Wir bauen selbst einen. Der Unterschied zwischen „es gibt da irgendwo eine Nummer" und „da antwortet dir wirklich jemand" ist der ganze Unterschied. Und wenn ein Netzwerk mit 36 Jahren Arbeit und sauber geprüften Berichten innerhalb einer Mail abgeräumt werden kann, dann ist es offensichtlich kein Naturgesetz, dass es queere Angebote gibt. Man muss sie behalten wollen.

IMG_3304-1920x1080

Das kannst du tun

Lambda hat eine Seite aufgesetzt, auf der alle Wege gesammelt sind. Vier davon sind auch für dich realistisch:

  • Mitglied werden. Wenn du unter 27 bist, ist die Mitgliedschaft kostenlos. Das ist kein symbolischer Klick: In Verhandlungen zählt, wie viele Menschen hinter einem Verband stehen. Fünf Minuten Formular, null Euro.
  • Abgeordnete anschreiben. Du liest den offenen Brief, suchst dir zwei, drei Punkte raus, die dich am meisten treffen, und schreibst daraus eine kurze eigene Mail. Am Ende verlinkst du den Brief. Die Kontaktformulare der Abgeordneten stehen auf der Seite des Deutschen Bundestages. Dafür musst du nicht volljährig sein und auch nicht wie ein Politikprofi klingen. Ein ehrlicher Absatz von jemandem, der die Beratung selbst gebraucht hat oder brauchen könnte, wirkt mehr als jedes Positionspapier.
  • Weitersagen. Klingt nach wenig, ist aber gerade genau der Punkt. Die Entscheidung ist im Sommerloch untergegangen. Je mehr Leute davon wissen, desto teurer wird sie politisch.
  • Geld, wenn du welches hast. Es gibt Patenschaften für 5 Euro im Monat, die die Zugangskosten einer jungen Person decken, Fördermitgliedschaften ab 2 Euro im Monat und normale Spenden. Und jetzt der wichtige Teil: Wenn du noch zur Schule gehst und kein eigenes Geld hast, ist Spenden nicht dein Job. Dann sind die drei Punkte darüber deine.

Falls du in einem Verein, einer Schülervertretung oder einer Gruppe bist: Organisationen können den offenen Brief mitzeichnen. Eine Mail an [email protected] mit dem Namen der Organisation reicht.

Alle Links dazu stehen gesammelt auf lambdaspace.de/lambda-retten.

Wenn dich das Thema gerade selbst runterzieht

Über Beratungsstellen zu lesen, die es bald nicht mehr gibt, ist kein schönes Gefühl, besonders wenn du selbst eine brauchen könntest. Deshalb der Hinweis: In Österreich und in der Schweiz erreichst du unter 147 rund um die Uhr jemanden, kostenlos und anonym. In Deutschland ist es die 116 111. Und wenn du erst einmal nur reden willst, ohne großes Drama: Der Real Talk hier ist genau dafür da.

Das könnte dich auch interessieren

War dieser Guide hilfreich?

Log dich ein, um dein Feedback dazulassen - das dauert nur einen Moment.

Einloggen & Feedback geben

Kommentare

Logg dich ein, um mitzudiskutieren.

Einloggen
Noch keine Kommentare. Logg dich ein und schreib den ersten Beitrag.
justboys-App

Bist du schon dabei? justboys ist die Community für schwule, bi und queere Jungs. Werde Teil der Community und lern andere Jungs aus deiner Nähe kennen.

Hier kannst du dich kostenlos registrieren