Fire Island als Party-Paradies kennst du vielleicht aus Filmen oder Instagram-Stories. Aber was passiert, wenn du dort in der Nebensaison landest, allein, auf der Suche nach Liebe und Verbindung - und stattdessen in einen Albtraum gerätst? Genau das ist die Prämisse von "Last Ferry", einem queeren Thriller, der die Postkarten-Idylle in etwas Unheimliches verwandelt.
Joseph in New York - auf der Suche nach Verbindung
Joseph ist ein junger Anwalt aus Harlem. Sein Leben sieht von außen perfekt aus - Karriere, Geld, New York City - aber ihm fehlt das, wonach er sich am meisten sehnt: echte Intimität und Verbindung. Spontan entscheidet er sich für einen Trip nach Fire Island, der legendären queeren Party-Insel vor Long Island. Doch Joseph kommt zur falschen Zeit: Es ist Nebensaison, die Insel ist wie ausgestorben, keine Partys, kaum Menschen.
Trotzdem trifft Joseph einen attraktiven jungen Mann, der ihn anspricht. Die Begegnung scheint vielversprechend - bis Joseph plötzlich merkt, dass ihm etwas in sein Getränk gemischt wurde. Benebelt und ausgeraubt taumelt er durch die nächtlichen Dünen und wird Zeuge eines Mordes im sogenannten "Meat Rack", einem berüchtigten Cruising-Gebiet. Der Mörder entdeckt ihn, Joseph kann nur knapp entkommen.

Am nächsten Morgen wacht Joseph im Haus des gutaussehenden Cameron auf, der ihn bewusstlos am Strand gefunden hat. Cameron und seine Freunde - eine eng verbundene Clique schwuler Männer, die die Insel als Rückzugsort nutzen - nehmen Joseph auf. Langsam findet Joseph den Anschluss, den er gesucht hat. Er verliebt sich in Cameron, erlebt Leidenschaft und Zugehörigkeit. Die Mordnacht rückt in den Hintergrund.
Doch dann taucht Rafael auf, ein Mitglied der Gruppe - und Joseph erkennt ihn wieder. Die Alptraumfrage lautet: Ist er der Mörder? Und wenn ja, wer weiß davon? Der Film entwickelt sich zu einem Psychothriller über Vertrauen, Paranoia und die Frage, wie weit Menschen gehen, um ihre eigenen Geheimnisse zu schützen.

Warum Bradley's offenes Ende 2026 noch provoziert
Der Film aus dem Jahr 2019 von Regisseurin Jaki Bradley - ihr Langfilm-Debüt - ist kein perfekter Thriller. Die Kritiken waren gemischt, viele bemängelten das abrupte, offene Ende, das bewusst Fragen unbeantwortet lässt. Aber genau darin liegt auch eine Stärke: "Last Ferry" verweigert sich den typischen Thriller-Formeln und bleibt ambivalent, manchmal frustrierend unklar.
Was den Film auch 2026 sehenswert macht, ist seine Atmosphäre. Kamerafrau Alexa Wolf fängt Fire Island in wunderschönen, aber unheimlich stillen Bildern ein - die leeren Strände, die kahlen Baumstämme im Meat Rack, die modernen Glashäuser in der Dämmerung. Die Insel wird zum Charakter, zu einem Ort, der Freiheit verspricht, aber auch Isolation und Gefahr birgt.

Außerdem portraitiert der Film queere Einsamkeit auf eine Weise, die selten ist: Joseph ist introvertiert, sozial ängstlich, auf der Suche nach Zugehörigkeit, aber unfähig, sich wirklich zu öffnen. Das macht ihn verletzlich - auch gegenüber Manipulation. Die Dynamiken in der Männergruppe - Klatsch, Misstrauen, oberflächlicher Charme - sind scharf beobachtet und fühlen sich authentisch an.
Triggerwarnungen: Der Film zeigt Drogengebrauch (GHB/Roofies), sexuelle Übergriffe im Kontext von Cruising sowie Gewalt (Mord). Wer sensibel auf diese Themen reagiert, sollte das vorher wissen.
Streaming & DVD - so schaust du Last Ferry
- Filmzie (kostenlos mit Werbung im Stream, Stand Februar 2025)
- Amazon Video und Apple TV (online ausleihbar oder als Download)
- DVD: PAL-Region-0-DVD über Pro-Fun Media / Salzgeber-Vertrieb erhältlich (mit deutschen Untertiteln)
Hinweis: Aktuell kein reguläres Abo-Streaming bei den großen Plattformen wie Netflix, Mubi oder Disney+ in DACH verfügbar (Stand April 2026). Netflix US hatte den Film 2020 im Programm, das Angebot ist aber ausgelaufen.

Queer Thriller mit Ambiguität - deine nächsten Filme
Wenn dich die Mischung aus queerer Intimität, Spannung und offenen Enden anspricht, probier diese Filme:
- Der Fremde am See (2013) - französischer Thriller über Cruising, Begehren und Mord an einem idyllischen See. Einer der wichtigsten queeren Thriller überhaupt und direkte Inspiration für "Last Ferry".
- Knife + Heart (2018) - psychedelischer Giallo-Thriller aus Paris, queere Pornofilmer auf der Spur eines Mörders. Visuell überwältigend.
- Spiral (2019) - US-amerikanischer Thriller über ein schwules Paar, das in eine Vorstadt-Community zieht und dort Paranoia erlebt. Ähnlich unheimlich, ähnlich offen im Ende.

Über weitere Projekte von Jaki Bradley ist seit "Last Ferry" wenig bekannt - der Film war ihr einziger Langfilm bislang. Das macht ihn aber auch zu einem seltenen Stück queeres Indie-Kino, das aus der Perspektive einer lesbischen Filmemacherin entstand und auf vielen LGBTQ-Festivals weltweit lief, darunter BFI Flare London und Frameline San Francisco.
