Christian schwingt sich von Bett zu Bett durch West Hollywood, erzählt am nächsten Morgen genüsslich seinen Kolleg*innen im Restaurant davon - und wird dann plötzlich zur Kasse gebeten: Kann er auch einen der vier jungen Mormonen-Missionare bekehren, die gerade nebenan eingezogen sind? Der Film aus dem Jahr 2003 spielt mit den Klischees - nur um sie dann aufzubrechen.
Christian und Aaron: Wenn Glauben auf Verführung trifft
Latter Days erzählt von der Beziehung zwischen einem Mormonen-Missionar, der im Closet ist, und seinem offen schwulen Nachbarn in Los Angeles. Christian (Wes Ramsey) ist das Klischee eines oberflächlichen schwulen Party-Boys der frühen 2000er: sexy, selbstbewusst, zynisch. Er arbeitet als Kellner bei der schillernden Restaurantbesitzerin Lila (Jacqueline Bisset) und lebt mit seiner Mitbewohnerin Julie zusammen. Als vier Mormonen-Missionare nebenan einziehen, schlägt Julie ihm eine Wette vor: Kann er einen von ihnen verführen?
Christian nimmt die Herausforderung an und setzt alles daran, den schüchternen Aaron (Steve Sandvoss) aus Idaho für sich zu gewinnen. Aaron wirkt zurückhaltend, brav, unsicher - aber Christian spürt schnell, dass mehr hinter der braven Fassade steckt. Während ihrer Begegnungen entwickelt sich zwischen ihnen eine echte Verbindung. Christian merkt, dass er sich verliebt hat. Und Aaron erkennt, dass er nicht länger gegen seine Gefühle ankämpfen kann.
Als die beiden sich küssen, werden sie von den anderen Missionaren erwischt. Aaron wird nach Idaho zurückgeschickt, vor ein kirchliches Gericht gestellt und aus der Kirche exkommuniziert. Regisseur C. Jay Cox wurde selbst als Mormone erzogen und war auf Mission, bevor er sich als schwul outete - der Film erzählt also auch seine eigene Geschichte. Was folgt, ist kein leichtes Coming-of-Age-Märchen: Aaron bricht unter dem Druck zusammen, versucht sich das Leben zu nehmen. Christian macht sich auf den Weg nach Idaho. Der Film zeigt die brutalen Folgen religiöser Ablehnung - aber auch, dass Liebe und Hoffnung stärker sein können.
20 Jahre später: Was Latter Days über Glaube und Liebe noch heute sagt
Latter Days ist heute über 20 Jahre alt, und das merkt man stellenweise: Die Ästhetik ist sehr 2000er, manche Dialoge wirken theatralisch, und Christians anfängliche Oberflächlichkeit ist manchmal schwer zu ertragen. Aber genau darin liegt auch die Stärke des Films. Er zeigt queeres Leben nicht als perfekt oder politisch sauber, sondern mit all seinen Widersprüchen: Christian ist egozentrisch, Aaron naiv. Beide machen Fehler. Und gerade deshalb fühlt sich ihre Verbindung echt an.
Der Film untersucht religiöse Einstellungen zu Homosexualität und das Dilemma religiöser Homosexueller, zerrissen zwischen dem, wer sie sind, und dem, woran sie glauben. Das ist 2026 leider immer noch hochaktuell. Latter Days zeigt ungeschönt, was es bedeutet, in einer religiösen Community schwul zu sein - die Exkommunikation, die Isolation, die Selbstmordgedanken. Der Film nimmt sich Zeit für Aarons Schmerz und Christians Wachstum. Und er traut sich, ein Happy End zu zeigen, ohne die Härte der Realität zu leugnen.
Triggerwarnung: Der Film zeigt einen expliziten Suizidversuch und behandelt religiöse Konversionstherapie-Ansätze sowie emotionale Misshandlung durch Familienangehörige. Falls du gerade selbst in einer ähnlichen Situation steckst, kann der Film hart treffen.
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Nach Latter Days: Religiöses Coming-out im Kino
Wenn dich Latter Days bewegt hat, probier diese Filme:
- Prayers for Bobby (2009) - Ein intensives Drama über einen schwulen Teenager und seine streng religiöse Mutter, basierend auf einer wahren Geschichte. Ebenfalls hart, ebenfalls wichtig.
- Boy Erased (2018) - Joel Edgerton inszeniert Lucas Hedges in einem autobiografischen Film über Konversionstherapie im bibelfesten Süden der USA.
- Brokeback Mountain (2005) - Ang Lees Meisterwerk über zwei Cowboys, die ihre Liebe vor der Welt verbergen müssen. Thematisch verwandt, stilistisch völlig anders.
- Kiss the Bride (2007) - Ein weiterer Film von C. Jay Cox, ebenfalls über queere Liebe und die Schwierigkeit, sich selbst treu zu bleiben - dieses Mal leichter, wärmer, weniger dramatisch.
