M/M - Obsession, Identität und Berliner Nächte

Matthew kommt neu nach Berlin und will alles sein, was Matthias ist. Was als Begehren beginnt, wird zur toxischen Identitätsverschmelzung - ein psychosexueller Thriller, der unter die Haut geht.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

M/M - Obsession, Identität und Berliner Nächte - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

Trailer über YouTube - beim Abspielen werden Daten an Google übertragen.

Du kennst das vielleicht: Du siehst jemanden und denkst, das ist genau der Typ Mensch, der du gerne wärst - selbstbewusst, sexy, von allen begehrt. Aber was passiert, wenn aus diesem Wunsch eine Obsession wird, die alle Grenzen sprengt? Genau darum geht es in M/M, einem queeren Psychothriller aus dem Jahr 2018, der dich verstört zurücklässt.

Matthew trifft Matthias: Berlins einsame Nächte

Matthew ist frisch aus Kanada nach Berlin gezogen, um neu anzufangen. Doch statt Anschluss zu finden, fühlt er sich einsam und verloren in der pulsierenden Großstadt. Alles ändert sich, als er Matthias kennenlernt - einen charismatischen Berliner, der genau das Leben führt, das Matthew sich wünscht. Matthias ist attraktiv, beliebt, unnahbar und bewegt sich mühelos durch die queere Berliner Szene mit ihren Techno-Clubs und Cruising-Spots.

Was als vorsichtige Annäherung beginnt, entwickelt sich schnell zu einer krankhaften Fixierung. Matthew beginnt, sich äußerlich zu verwandeln: Er schneidet sich die Haare wie Matthias, kauft sich die gleichen Klamotten und kopiert seine Manierismen. Die Grenzen zwischen Begehren und Identitätsverlust verschwimmen.

Als Matthias nach einem Motorradunfall im Koma liegt, ergreift Matthew die Chance: Er schlüpft vollständig in die Identität seines Objekts der Begierde. Während Matthias im Krankenhaus liegt und seine Träume, Erinnerungen und sein Wachleben ineinander übergehen, lebt Matthew draußen als Matthias - übernimmt sein Leben, seine Wohnung, seine Kontakte. Zwei Leben, zwei Identitäten verschmelzen auf verstörende Weise, bis die Realität selbst zu bröckeln beginnt.

Stille statt Worte: Ein visueller Obsessions-Film

M/M ist kein klassischer Coming-out-Film und auch keine herzerwärmende Liebesgeschichte. Der Film aus dem Jahr 2018 verzichtet fast vollständig auf Dialoge und erzählt seine Geschichte vor allem über Bilder, Körpersprache und den hypnotischen Soundtrack der Berliner Clubszene. Das macht ihn radikal anders als die meisten queeren Mainstream-Filme - aber auch sperrig.

Was M/M auch 2026 noch relevant macht, ist seine ehrliche, ungeschönte Darstellung von toxischer Obsession und dem Wunsch, jemand anderes zu sein. In Zeiten von Instagram-Identitäten und dem ständigen Vergleich mit anderen trifft der Film einen Nerv: Matthew will nicht MIT Matthias sein, er will Matthias SEIN. Diese radikale Identitätsauslöschung ist verstörend - und gleichzeitig nachvollziehbar für jeden, der sich schon mal selbst verloren hat.

Regisseur Drew Lint zeigt Berlin als queeren Sehnsuchtsort, aber auch als kalte, anonyme Stadt, in der man sich sehr einsam fühlen kann. Die experimentelle Erzählweise - visuell oft wie ein Musikvideo oder eine Videoinstallation - wird nicht jedem gefallen. Manche Kritiker*innen fanden den Film genial und "verstörend schön", andere empfanden ihn als prätentiös und unzugänglich.

Triggerwarnung: Der Film zeigt explizite Sexszenen, behandelt psychische Instabilität und Identitätsverlust sowie einen Unfall mit Krankenhausaufenthalt. Die surrealen, teils dissoziierenden Bilder können belastend sein.

Schwer zu finden: M/M im April 2026

  • Aktuell konnte keine legale Streaming-Verfügbarkeit in DACH für April 2026 ermittelt werden. M/M hatte ursprünglich einen Verleih durch TLA Releasing sowie PRO-FUN MEDIA in Deutschland.
  • Möglicherweise ist der Film auf DVD oder als digitaler Kauf/Leihfilm über spezialisierte Anbieter verfügbar - am besten direkt bei Salzgeber oder Edition Salzgeber nachfragen.
  • Queere Filmfestivals wie das Verzaubert Festival (Berlin), LGBTIQ* Filmfestival Hamburg oder das Identities Queer Film Festival (Wien) zeigen gelegentlich noch Retrospektiven solcher Independent-Filme.

Begegne ähnlichen Kino-Welten danach

Wenn dich M/M fasziniert hat, könnten diese thematisch verwandten Filme etwas für dich sein:

  • Stranger by the Lake (L'Inconnu du lac, 2013) - Französischer Thriller über Begehren, Gefahr und Cruising an einem idyllischen See. Ähnlich atmosphärisch und sexuell explizit.
  • Knife+Heart (Un couteau dans le cœur, 2018) - Ein queerer Noir-Thriller im Paris der 1970er, ebenfalls mit starker visueller Ästhetik und toxischen Beziehungen.
  • The Talented Mr. Ripley (1999) - Der Klassiker über Identitätsdiebstahl und obsessive Bewunderung; nicht explizit queer, aber mit deutlichem Subtext.

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