The Accompanist - Ballett, magischer Realismus und schwule Liebe

Ein Pianist mit übernatürlichen Kräften, ein Tänzer auf der Flucht vor einer toxischen Beziehung und eine Liebesgeschichte vor Ballettstudios in Los Angeles. Warum dieser experimentelle queere Film aus dem Jahr 2019 trotz durchwachsener Kritiken einen Blick wert sein könnte.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

The Accompanist - Ballett, magischer Realismus und schwule Liebe - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Was passiert, wenn ein queerer Indie-Film versucht, Ballett, magischen Realismus und eine Liebesgeschichte zwischen einem 50-jährigen Pianisten und einem 27-jährigen Tänzer zu mischen - und das alles vor kosmischen Weltraumbildern? Der Film aus dem Jahr 2019 polarisiert bis heute, aber wer auf experimentelles queeres Kino steht, findet hier durchaus Interessantes.

Jasons Leben zwischen Tasten und Trümmern

Jason Holden, Anfang 50, arbeitet als Klavierbegleiter in einem Ballettstudio in Los Angeles. Sein Leben ist ein Trümmerhaufen: Nach einem tragischen Autounfall steht seine Ehe vor dem Aus, seine Frau Karen will die Scheidung, und Jason hadert mit seiner Schuld und seiner Identität. In diesem Chaos lernt er Brandon Wykowski kennen, einen 27-jährigen Tänzer, der verzweifelt an seinem Comeback arbeitet und eine Aufnahme in eine New Yorker Ballettkompanie schaffen will.

Die Anziehung zwischen den beiden ist sofort spürbar. Brandon ist fasziniert von Jasons Klavierspiel - das scheinbar eine magische Wirkung auf die Tänzer*innen im Studio hat - und bittet ihn, ihn nachts bei privaten Proben zu begleiten. Doch Brandon steckt selbst in einer toxischen, gewalttätigen Beziehung mit Adam, seinem Freund, der unter Lungenkrebs leidet und zunehmend besitzergreifend und aggressiv wird. Als Adam Brandon eines Abends zusammenschlägt, flüchtet Brandon zu Jason.

Während sich die beiden näherkommen, offenbart Jason eine Fähigkeit: Seine Musik kann Menschen in der Zeit zurückversetzen - an den Punkt, an dem sie geheilt werden müssen. Der Film mischt ab hier Drama, Fantasy-Elemente und eine Art metaphysischen Heilungsprozess, in dem Jason nicht nur Brandon, sondern auch sich selbst konfrontieren muss. Die Geschichte gipfelt in einem Twist, der zeigt, dass nicht alles so ist, wie es scheint - ohne zu viel zu verraten: Jasons Familie und seine Vergangenheit bergen ein düsteres Geheimnis.

Warum The Accompanist trotz aller Mängel zieht

Ehrlich gesagt: The Accompanist ist kein Meisterwerk. Die Kritiken waren gemischt bis vernichtend, viele bemängelten das überladene Drehbuch, die unklare Fantasy-Logik und die holprige Inszenierung. Regisseur Frederick Keeve schrieb, komponierte, produzierte und spielte die Hauptrolle - ein ambitioniertes One-Man-Show-Projekt, das nicht immer aufgeht.

Trotzdem hat der Film etwas, das viele queere Mainstream-Produktionen nicht haben: Er nimmt sich Zeit für die Ballett- und Musikszenen, zeigt toxische schwule Beziehungen ohne zu romantisieren, und wagt sich an magischen Realismus - ein Stilmittel, das in queeren US-Filmen selten ist. Die Darstellung von Brandons gewalttätiger Beziehung mit Adam ist erschreckend real, viele Zuschauer beschrieben diese Szenen als die stärksten des Films.

Wo der Film altert: Die pseudo-esoterischen Weltraumbilder wirken heute noch merkwürdiger als 2019, das Tempo ist langsam, und die Altersunterschied-Dynamik zwischen Jason und Brandon wird nicht kritisch hinterfragt. Auch die Schauspielleistungen sind ungleichmäßig.

Triggerwarnung: Häusliche Gewalt, körperliche Misshandlung in einer Beziehung, Tod und Trauer, Autounfall mit tödlichem Ausgang (angedeutet, Flashbacks).

Streaming-Check: Prime, Apple TV & Co im Überblick

  • Amazon Prime Video (Deutschland, Österreich, Schweiz): Im Abo enthalten oder als kostenpflichtige Leihe/Kauf verfügbar
  • Apple TV (DACH): Digitaler Kauf oder Leihe möglich
  • Plex: Kostenlos mit Werbung (internationale Verfügbarkeit, teilweise auch DACH)
  • Fandango at Home / Vudu (USA): Leihe und Kauf (für User mit VPN)

Der Film ist zudem auf DVD über Amazon und andere Online-Händler bestellbar. Von Frederick Keeve selbst wurden weitere Projekte angekündigt, darunter die Kurzfilme Designated Caretaker Redux und ein mögliches Accompanist-Sequel, aber Stand April 2026 ist nichts davon erschienen.

Tänzer, Musik, Liebe - Diese Filme passen dazu

Wenn du Lust auf ähnliche Themen oder Stile hast, schau dir diese Filme an:

  • The Five Dances (2013, Regie: Alan Brown) - Ein junger Tänzer entdeckt in einer New Yorker Dance Company seine Sexualität; konzentrierter, weniger Fantasy, mehr Tanzchoreografie
  • Mario (2018, Regie: Marcel Gisler) - Schweizer Film über zwei junge Fußballer, die ihre Liebe geheim halten müssen; toxische Abhängigkeit und Coming-out
  • God's Own Country (2017, Regie: Francis Lee) - Schmutziger, ehrlicher Blick auf queere Liebe auf dem Land; weit weg vom magischen Realismus, aber emotional ähnlich intensiv

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (© Salzgeber & Co. Medien / jeweiliger Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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