Mein Bruder, der Held - Liebe, Lotterie und der Preis des Erwachsenwerdens

Ein 11-Jähriger will seinen schwulen Bruder vor der Militärlotterie bewahren - und merkt, wie schnell Loyalität und Armut einen erwachsen machen. Ein ruhiger, schmerzhaft ehrlicher Film aus Thailand.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Mein Bruder, der Held - Liebe, Lotterie und der Preis des Erwachsenwerdens - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Was tust du, wenn die Person, die du am meisten bewunderst, an einem einzigen Tag alles verlieren könnte? Der elfjährige Oat kennt die Antwort: fast alles. In Josh Kims "Mein Bruder, der Held" geht es um eine Lotterie, die keine Gewinner kennt - und um einen Jungen, der zu spät begreift, dass manche Kämpfe nicht zu gewinnen sind.

Oat, Ek und die Nacht in Bangkok

Oat lebt mit seinem großen Bruder Ek und der kleinen Schwester in einem Armenviertel in Bangkok. Seit dem Tod der Eltern ist Ek für die Geschwister da: Er arbeitet nachts in einer Bar, hat ein Motorrad und einen Freund - Jai, der aus besserem Hause kommt und selbstverständlich bei ihnen ein und aus geht. Für Oat ist Ek alles: Beschützer, Vorbild, große Liebe. Um endlich mit in die Bar zu dürfen, trainiert Oat verbissen Dame - Ek hat versprochen, ihn mitzunehmen, wenn er ihn einmal schlägt.

Doch dann erhält Ek die Vorladung zur militärischen Ziehungszeremonie, an der in Thailand alle 21-jährigen Männer teilnehmen müssen. Wer das rote Los zieht, rückt für zwei Jahre ein - und muss alles zurücklassen. Für Ek bedeutet das nicht nur den Verlust seines Jobs, sondern auch eine massive Bedrohung: Das thailändische Militär ist für seine Homophobie bekannt. Oat spürt die Angst seines Bruders - und setzt alles daran, ihn zu retten. Doch die Mittel, die ihm zur Verfügung stehen, verlangen einen Preis, der zu hoch ist.

Der Film aus dem Jahr 2015 basiert auf zwei Kurzgeschichten des amerikanisch-thailändischen Autors Rattawut Lapcharoensap und wurde als thailändischer Beitrag für die Oscars eingereicht. Regisseur Josh Kim, ein koreanisch-amerikanischer Filmemacher, lernte für den Dreh extra Thai - und verbrachte drei Jahre in Thailand, um die Geschichte so authentisch wie möglich zu erzählen.

Stille statt Drama - queere Liebe neu erzählt

In einer Zeit, in der viele queere Coming-of-Age-Filme sich auf die erste Liebe oder das innere Outing konzentrieren, bleibt "Mein Bruder, der Held" auffallend still - und gerade deshalb eindringlich. Die Homosexualität von Ek ist kein Problem, kein Drama, kein Konflikt: Seine Familie akzeptiert ihn, sein Freund Jai ist willkommen, die Trans-Freundin Kitty gehört selbstverständlich dazu. Das ist bemerkenswert, gerade weil der Film eben nicht in einem westlich-liberalen Umfeld spielt, sondern in einem armen Viertel Bangkoks.

Stattdessen dreht sich alles um Klasse und Ohnmacht. Was passiert, wenn queere Menschen arm sind? Wenn sie nicht die Mittel haben, sich zu entziehen, zu kaufen, zu fliehen? Der Film zeigt das thailändische Wehrpflichtsystem als brutales Glücksspiel - und zwingt Oat, mit anzusehen, wie Geld über Schicksale entscheidet. Josh Kim vermeidet dabei konsequent "Armuts-Porn": Er zeigt keine dreckigen Hütten, keine verzweifelten Gesichter für die Kamera. Stattdessen gibt er seinen Figuren Würde, Humor, Zärtlichkeit.

Der Film ist gealtert - in manchen Szenen merkt man die zurückhaltende Kameraarbeit, die sich manchmal zu sehr zurücknimmt. Aber genau das macht ihn auch zeitlos: Er will nicht beeindrucken, sondern erzählen. Und er verlangt, dass du hinhörst. Triggerwarnung: Der Film thematisiert Kinderprostitution und militärische Gewalt, allerdings ohne explizite Darstellung.

Salzgeber, Apple TV, Vimeo - drei Wege

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Filme jenseits des Outings

Wenn du mehr Filme suchst, die queere Identität nicht als Problem, sondern als Ausgangspunkt für größere Fragen erzählen:

  • «Monsoon» (2019, Hong Khaou) - Ein schwuler Vietnamese kehrt nach London zurück und sucht nach Wurzeln, die er nie richtig kannte. Ebenfalls ruhig, poetisch, ohne große Gesten.
  • «Cuatro Lunas» (2014, Sergio Tovar Velarde) - Vier queere Geschichten aus Mexiko, die unterschiedliche Generationen und soziale Schichten verbinden. Zeigt, wie sehr Klassenzugehörigkeit queere Lebensrealitäten prägt.
  • «The Wound / Inxeba» (2017, John Trengove) - Ein südafrikanischer Film über Männlichkeit, Initiation und queere Begehren in einem traditionellen Xhosa-Ritual. Hart, politisch, notwendig.

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