Monster Pies - Coming-of-Age mit Romeo, Julia und Monstern

Ein australischer Indie-Film aus 2013, in dem zwei Außenseiter sich über ein Shakespeare-Schulprojekt näherkommen - unprätentiös, rau, mit einer schweren Wendung.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Monster Pies - Coming-of-Age mit Romeo, Julia und Monstern - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Manche Coming-of-Age-Filme versuchen, sich im perfekten Licht zu präsentieren - poliert, hochglänzend, mit Instagram-Filter. Monster Pies aus dem Jahr 2013 macht das Gegenteil. Der Low-Budget-Film von Regisseur Lee Galea wirkt roh und ungeschliffen, und gerade deshalb fühlt sich die Geschichte um zwei Jungs auf der Highschool, die sich ineinander verlieben, für viele queere Zuschauer so nah an der eigenen Erfahrung an.

Mikes Flucht in Horrorklassiker und Außenseiterdasein

Mike (Tristan Barr) ist der klassische Außenseiter an seiner Highschool in Australien. Er wird als „faggot" beschimpft, hält sich zurück, hat kaum echte Freunde. Sein größter Fluchtort: Monsterfilme und Horrorklassiker. Eines Tages kommt William (Lucas Linehan) als Neuer in die Klasse - still, unnahbar, aber irgendwie faszinierend. Als der Englischlehrer die beiden für ein gemeinsames Schulprojekt zu Romeo und Julia zusammenwürfelt, passiert das, womit Mike insgeheim gehofft, aber nie wirklich gerechnet hat: Zwischen ihm und William entsteht eine Verbindung.

Die beiden entwickeln die Idee, Shakespeares Drama als Monster-Film zu adaptieren - Romeo wird zu Frankensteins Monster, Julia zum Werwolf. Während sie drehen, Kostüme basteln und proben, wird klar: Die beiden haben mehr gemeinsam, als nur eine Liebe für absurden Trash-Horror. Beide kommen aus zerrütteten Familien, beide verstecken sich hinter Masken, beide haben Angst davor, wirklich gesehen zu werden. Was als Schulprojekt beginnt, wird zu einer ersten, zarten, überwältigenden Liebe - die beide nicht wirklich zu greifen wissen.

Monster Pies erzählt nicht die Geschichte eines unkomplizierten Happy Ends. Der Film geht in seiner zweiten Hälfte in deutlich dunklere Gewässer - und behandelt Themen wie Depression, familiären Druck und die Frage, ob man bereit ist, zu sich selbst zu stehen, auch wenn die Welt um einen herum zusammenzubrechen droht.

Warum Raw-Authentizität mehr zählt als Hollywood-Glanz

Monster Pies ist kein technisch perfekter Film. Die Schauspieler sind keine Stars, das Budget war winzig (angeblich 30.000 US-Dollar), die Kamera wackelt manchmal, die Dialoge stolpern. Aber genau das macht ihn auch ehrlich. Während viele moderne Queer-Coming-of-Age-Filme heute auf Streaming-Plattformen mit großen Budgets und perfekter Ästhetik produziert werden, erinnert Monster Pies daran, wie es sich wirklich anfühlt: unfertig, unsicher, überwältigend.

Der Film polarisiert bis heute. Manche Zuschauer finden ihn melodramatisch und überladen, andere sehen in ihm einen der emotionalsten queeren Filme der frühen 2010er. Was fast alle anerkennen: Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern funktioniert. Tristan Barr und Lucas Linehan spielen mit einer Verletzlichkeit, die schwer zu inszenieren ist - gerade weil beide damals noch keine Profischauspieler waren.

Triggerwarnung: Der Film behandelt Suizidalität explizit und zeigt den Tod einer Hauptfigur. Wenn du gerade in einer verletzlichen Phase bist, kann Monster Pies hart sein. Der Film endet nicht hoffnungsvoll im klassischen Sinn - aber er versucht auch nicht, Schmerz zu romantisieren, sondern zeigt die Realität vieler queerer Jugendlicher, die in den frühen 2010ern (und teilweise noch heute) mit massivem Druck von außen zu kämpfen hatten.

Monster Pies gewann 2013 beim Melbourne Queer Film Festival den Publikumspreis - als erster australischer Film überhaupt in dieser Kategorie. Das ist kein Zufall. Der Film trifft einen Nerv, gerade weil er sich traut, ungeschönt zu sein.

Amazon Prime Video, Apple TV - Verfügbarkeit April 2026

  • Amazon Prime Video (Deutschland): Der Film ist als Leih- oder Kaufoption verfügbar (OmU). Stand April 2026 ist er nicht im Standard-Abo enthalten, kann aber für ca. 3-7 EUR geliehen werden.
  • Apple TV & Amazon Video (international): Auch auf diesen Plattformen als Kauf oder Leihe verfügbar.
  • DVD-Import: Über TLA Releasing gibt es eine US-DVD, die auch Deleted Scenes und den Kurzfilm „Karmarama" von Lee Galea enthält. Import über spezialisierte Shops wie Salzgeber möglich, aber nicht immer vorrätig.
  • Kein legales Streaming-Abo (Netflix, Mubi, ARD/ZDF Mediathek) in DACH bekannt (Stand April 2026).

Nach Monster Pies: Beach Rats und verwandte Indie-Stories

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  • Beach Rats (2017) - Ebenfalls eine raue, ungeschönte Erzählung über einen schwulen Teenager in Coney Island, der sich zwischen Begehren und sozialem Druck verliert.
  • Heartstone (2016) - Isländisches Coming-of-Age-Drama über zwei Jungs in einem kleinen Dorf - poetisch, melancholisch, mit ähnlicher emotionaler Wucht.
  • Somersault (2004) - Kein queerer Film, aber ebenfalls ein australisches Indie-Drama über Jugendliche, Einsamkeit und erste Liebe - atmosphärisch sehr ähnlich.
  • Weitere Werke von Lee Galea: Der Regisseur hat seitdem mehrere Filme gedreht, darunter die queere Comedy-Serie Single, Out (2022), die weniger dramatisch, dafür humorvoller ist.

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