More than Friendship - Wenn Liebe zu dritt auf eine letzte Reise geht

Ein deutsches Indie-Drama über drei Menschen in einer Dreierbeziehung, die sich auf einen letzten gemeinsamen Roadtrip begeben. Emotional, ehrlich - und 2026 eine Zeitkapsel queerer Filmkunst aus den frühen 2010ern.

justboys-Redaktion

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More than Friendship - Wenn Liebe zu dritt auf eine letzte Reise geht - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Polyamorie im deutschen Kino? Gab's schon 2013, auch wenn das damals noch längst nicht so präsent war wie heute. "More than Friendship" von Timmy Ehegötz zeigt drei junge Menschen, die sich nicht entscheiden wollen - und auch nicht müssen. Eine Liebesgeschichte zu dritt, die sich nicht hinter Symbolen versteckt, sondern direkt wird. Emotional, roh und mit einem verdammt bitteren Kern.

Mia, Lukas und Jonas - eine Dreierliebe auf Abschiedstour

Mia, Lukas und Jonas sind seit ihrer Kindheit unzertrennlich. Aus Freundschaft ist vor drei Jahren Liebe geworden, die alle Konventionen sprengt. Die drei leben ihre bisexuelle Dreierbeziehung - eine Ménage-à-trois, wie es im Film heißt - offen und selbstbewusst. Doch die Reaktionen ihrer Umwelt sind alles andere als wohlwollend: Selbst die eigenen Eltern verurteilen ihr Liebesglück. Einmal im Jahr flüchten sich die drei auf eine gemeinsame Reise, um wenigstens für ein paar Tage den gesellschaftlichen Druck abzuschütteln und einfach nur sie selbst zu sein.

Bei Jonas wurde vor ein paar Monaten ein Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium diagnostiziert. Diesmal ist ihre Reise im Wohnmobil keine Flucht mehr, sondern ein Abschied. Mia und Lukas wollen ihrem Freund einen letzten schönen Sommer schenken, doch der Versuch, nur die guten Momente zu feiern, scheitert. Sie können ihre Ängste und Trauer nicht mehr verbergen. Die Schmerzen werden für Jonas unerträglich, und das Trio muss sich der Realität stellen: Es ist ihre letzte gemeinsame Zeit.

Der Film aus dem Jahr 2013 ist ein studentisches Independent-Projekt, das mit kleinem Budget, aber viel Herzblut entstanden ist. Die Gesamtspielfilmlänge beträgt 88 Minuten. Regisseur, Drehbuchautor und Cutter Timmy Ehegötz hat mit "More than Friendship" seinen zweiten queeren Film nach "The First Time - Bedingungslose Liebe" (2011) vorgelegt.

Polyamorie im deutschen Kino 2013: Was damals radikal war

Über zehn Jahre später wirkt "More than Friendship" wie eine Zeitkapsel. Die Darstellung von Polyamorie im deutschen Kino war 2013 noch absolute Seltenheit - queere Dreierbeziehungen wurden entweder gar nicht oder nur als skandalöses Randthema behandelt. Dieser Film nimmt das Beziehungsmodell ernst, ohne es zu exotisieren. Das ist sein größter Wert.

Gleichzeitig muss man ehrlich sagen: Die Umsetzung ist handwerklich durchwachsen. Die Dialoge klingen stellenweise hölzern, die schauspielerischen Leistungen schwanken - das merkt man dem Low-Budget-Indie an. Aber genau in den Momenten, in denen es wirklich ans Eingemachte geht, wenn Trauer und Verzweiflung durchbrechen, zeigt der Film seine Stärke. Dann wird er authentisch und berührend.

Triggerwarnungen: Der Film thematisiert Krebs im Endstadium, Sterbehilfe und den Umgang mit dem nahenden Tod. Wer gerade selbst mit schwerer Krankheit oder Verlust zu tun hat, sollte sich das gut überlegen.

Was 2026 auffällt: Die gesellschaftliche Ablehnung, die Mia, Lukas und Jonas erleben, wirkt heute zum Glück weniger allgegenwärtig - zumindest in urbanen, queeren Kontexten. Polyamorie ist sichtbarer geworden, wird offener diskutiert. Trotzdem: Die Einsamkeit, die der Film zeigt, wenn man mit seinem Liebesleben auf Unverständnis stößt, ist leider immer noch Realität für viele.

DVD-Rarität statt Streaming - so findest du den Film

  • Aktuell ist "More than Friendship" in keinem der großen Streaming-Dienste (Netflix, Amazon Prime, Mubi, Disney+, etc.) in DACH verfügbar (Stand April 2026).
  • Die DVD ist über den Verleih Pro-Fun Media erhältlich - etwa bei Amazon oder im Fachhandel. Die DVD enthält ein Making-of, Outtakes und den Soundtrack.
  • Gelegentlich läuft der Film bei queeren Filmfestivals oder im Spätprogramm von 3sat - lohnt sich, die Augen offen zu halten.

Queere Roadmovies in derselben Intensität

Wenn dich "More than Friendship" anspricht, probier diese Filme:

  • Y tu mamá también - Lust for Life (2001, Regie: Alfonso Cuarón) - Mexikanischer Roadtrip zweier Jungs und einer Frau, sexuell aufgeladen, politisch und schmerzhaft ehrlich. Der Film, den "More than Friendship" als Vorbild nennt.
  • Die Träumer (2003, Regie: Bernardo Bertolucci) - Drei junge Menschen in Paris '68, die sich in ihrer WG und ihrer Liebe verlieren. Ästhetisch dichter, aber thematisch verwandt.
  • The First Time - Bedingungslose Liebe (2011, Regie: Timmy Ehegötz) - Der erste Film desselben Regisseurs über einen 17-jährigen schwulen Jungen, der sich das erste Mal verliebt. Ebenfalls Independent, ebenfalls ehrlich.

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