Next, Please! - Als RTL II queeres Dating auf die Karibik schickte

Eine vereinzelte schwule Episode in einer RTL-II-Datingshow von 2014 - historisches Dokument oder peinlicher Ausrutscher? Warum die Show heute mehr über TV-Geschichte als über queeres Leben erzählt.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

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© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

Stell dir vor, es ist 2014, Grindr steckt noch in den Kinderschuhen, und RTL II versucht sich an einer schwulen Dating-Episode. In einer Show, die sonst ausschließlich heterosexuelle Pärchen verkuppelt. Mitten in der Karibik. Mit „pikanten Geheimnissen". Klingt nach einem Albtraum? Willkommen bei „Next, Please!" - einem Reality-TV-Relikt, das heute vor allem zeigt, wie weit wir (hoffentlich) gekommen sind.

Single auf Trauminsel: Das RTL-II-Datingexperiment

„Next, Please!" lief zwischen 2013 und 2015 auf RTL II und war Teil der typischen Nachmittags-Reality-Welle des Senders. Das Konzept: Ein Single trifft auf der Trauminsel (meist Curaçao oder Rhodos) drei potenzielle Partner. Der Haken: Jede:r der drei Bewerber:innen hat ein „pikantes Geheimnis" - von Jungfräulichkeit über krankhafte Eifersucht bis zu Vorstrafen. Der Single kennt die drei Geheimnisse, weiß aber nicht, wer welches hat. Nach ersten Dates fliegt die Person mit dem „schlimmsten" Geheimnis raus, die restlichen zwei dürfen um den Single kämpfen.

Die Show war als Scripted Reality angelegt - also vorproduziert und dramaturgisch aufgehübscht. Authentizität war nicht die Stärke des Formats. In über 135 Folgen dominierten klassische Hetero-Konstellationen, immer wieder unterbrochen von Streit, Tränen und schlecht geschnittenen Strandszenen.

In einer dieser 135 Episoden - vermutlich Staffel 2, 2014 - gab es tatsächlich eine schwule Folge. Ein 20-jähriger Fitnessfreak, der sechs Mal pro Woche ins Gym geht und noch keine Beziehung mit einem Mann hatte, sollte unter drei Bewerbern seinen Match finden. Das Besondere: Für RTL-II-Verhältnisse war das damals fast schon progressiv. Das Traurige: Es blieb eine absolute Ausnahme.

Zeitdokument mit Fremdschäm-Garantie - was bleibt?

Seien wir ehrlich: „Next, Please!" ist heute vor allem ein Zeitdokument. Und zwar kein besonders gutes. Die Show bediente alle Klischees des frühen Reality-TVs - oberflächlich, voyeuristisch, und mit einem Menschenbild, das Beziehungen auf „Geheimnisse" und Ausschlusskriterien reduziert. Die schwule Episode mag damals mutig gewirkt haben, weil queere Sichtbarkeit im deutschen Mainstream-TV 2014 noch Mangelware war. Aber rückblickend ist sie eher peinlich: Ein schwuler Kandidat als Quotenexot, eingebettet in ein Format, das Liebe wie eine Casting-Show inszeniert.

Was bleibt, ist Fremdscham. Die dramaturgische Konstruktion, die gestellten Dialoge, die Fixierung auf Körper und „Geheimnisse" - all das fühlt sich heute noch unangenehmer an als damals. Und die Tatsache, dass es nur eine queere Folge in 135 Episoden gab, sagt alles über die damaligen Prioritäten von RTL II.

Falls du dich aus historischem Interesse oder masochistischer Neugier für die Show interessierst: Trigger-Warnung für internalisierten Homophobie-Vibe, toxische Männlichkeit und das typische Reality-TV-Framing, das Menschen zu Witzfiguren macht.

Streaming-Wüste: Nirgendwo legal zu finden

  • Nirgendwo legal verfügbar: „Next, Please!" ist aktuell auf keiner Streaming-Plattform in DACH zu finden (Stand April 2026). Weder RTL+ noch andere Dienste haben die Show im Programm.
  • RTL-II-Mediathek: Auch in der RTL-II-Mediathek oder über RTL+ (ab 5,99 EUR/Monat) gibt es keine Episoden mehr auf Abruf. Die Show wurde 2015 eingestellt und offenbar nicht archiviert.
  • YouTube: Vereinzelt tauchen Clips oder ganze Folgen auf YouTube auf - Qualität und Legalität sind fraglich, Vollständigkeit nicht garantiert.

Kurz gesagt: Die Show ist praktisch verschwunden. Und das ist vielleicht auch gut so.

Bessere queere Dating-Shows heute

Wenn du wissen willst, wie queeres Dating im TV heute aussehen kann - und zwar ohne Fremdscham - hier ein paar bessere Alternativen:

  • „Prince Charming" (RTL+) - Die erste schwule Dating-Show im deutschen TV, seit 2019. Deutlich respektvoller, emotionaler und echter als „Next, Please!" jemals war.
  • „Princess Charming" (RTL+) - Das lesbische Pendant, ebenso sehenswert und mit echten Geschichten statt Scripted-Drama.
  • „Are You The One?" (Paramount+/MTV) - Internationale Dating-Show mit queeren Staffeln, die tatsächlich alle sexuellen Orientierungen abbildet.
  • „Dating Around" (Netflix, älter) - Kein reines Queer-Format, aber einzelne queere Dates, authentisch und unaufgeregt inszeniert.

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