Online-Dating sicher nutzen - Worauf du wirklich achten solltest

Dating-Apps sind für viele von uns der einfachste Weg, andere schwule Männer zu treffen. Aber es gibt Risiken, über die kaum jemand spricht. Wie du dich beim Online-Dating besser schützt - ohne paranoid zu werden.

justboys-Redaktion

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Du swipst durch Profile, chattest mit jemandem, der interessant wirkt, vielleicht verabredest du dich. Für viele schwule Männer ist genau so ihr Alltag. Dating-Apps haben uns das Leben leichter gemacht - kein Zweifel. Aber sie bringen auch Risiken mit, über die wir ehrlich reden müssen.

Warum wir beim Online-Dating verwundbarer sind

Unser Bauchgefühl funktioniert am besten, wenn wir jemandem direkt in die Augen schauen können. Online fehlt genau das: die unmittelbare körperliche Präsenz, an der wir ablesen, ob uns jemand vertraut vorkommt. Gleichzeitig sind wir als Community oft in einer speziellen Lage: Queere Menschen haben zusätzliche Sicherheitsbedenken beim Online-Dating - sei es die Angst vor Outing, vor Diskriminierung oder vor gezielten Übergriffen.

LGBTQ+ Menschen berichten häufiger von negativen Erfahrungen auf Dating-Apps. Das liegt nicht daran, dass Online-Dating per se unsicher ist, sondern daran, dass manche Menschen diese Plattformen bewusst missbrauchen. Die Kantonspolizei Zug sprach explizit von «einem neuen Phänomen, das insbesondere auf Männer abzielt, die intime Beziehungen mit Männern haben». In der Schweiz und Deutschland gab es in den letzten Jahren mehrere dokumentierte Fälle, bei denen Täter Dating-Apps nutzten, um queere Männer zu überfallen und auszurauben.

Die konkreten Gefahren - ohne Panikmache

Eine große Unsicherheit bei Dating-Apps besteht darin, dass man nie weiß, wer auf der anderen Seite vor dem Bildschirm sitzt. Fake-Profile sind ein Problem, aber nicht das einzige. Romance Scams funktionieren auch auf LGBTQ Dating Seiten: Jemand baut über Wochen eine emotionale Verbindung auf, dann kommt plötzlich eine Notlage und die Bitte um Geld. Eine spezifischere Gefahr: Erpressung. Manche Betrüger sammeln intime Fotos oder Chat-Verläufe und drohen dann, diese zu veröffentlichen - besonders gefährlich für Personen, die nicht geoutet sind.

Auch Datenschutz ist ein Thema: In den Datenschutzerklärungen von Grindr ist ausführlich nachzulesen, dass Standortdaten an Dritte weitergegeben werden. Besonders auffallend: Der HIV-Status, das letzte Testdatum und der Impfstatus (COVID-19) werden mit all jenen Dienstleistern geteilt, die Daten im Namen von Grindr hosten. Das Unternehmen Grindr LLC musste 2021 wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung eine Millionenstrafe zahlen.

Acht Schritte zu mehr Sicherheit beim Daten

Okay, genug der schlechten Nachrichten. Die gute: Bei Dating-Apps handelt es sich nach wie vor um eine überwiegend sichere Möglichkeit, Gleichgesinnte kennen zu lernen. Du musst nur ein paar Dinge beachten.

1. Videocall vor dem ersten Treffen
Vor einem ersten Treffen lohnt sich ein kurzer Videocall. Das klingt vielleicht uncool, aber es ist der schnellste Weg, um zu checken, ob die Person echt ist. Wer sich weigert, per Video zu telefonieren, hat meist einen Grund dafür - und der ist selten gut.

2. Erstes Date nur an öffentlichen Orten
Erste Dates gehören an belebte öffentliche Orte. Nicht in deine Wohnung, nicht in seine, nicht in ein einsames Waldstück. Café, Bar, Park bei Tageslicht - solche Orte. Klingt banal, aber dieser Punkt wird am häufigsten ignoriert.

3. Jemand sollte wissen, wo du bist
Eine Vertrauensperson sollte wissen, wo man ist. Schick einem Freund oder einer Freundin vorher den Namen, ein Foto und den Treffpunkt. Das ist kein Misstrauen gegenüber deinem Date, sondern einfach vernünftig.

4. Vorsicht mit sensiblen Infos und Bildern
Teile sensible Inhalte erst, wenn du der Person wirklich vertraust. Nacktfotos, deine Adresse, deinen Arbeitsplatz, deinen Klarnamen auf Instagram - all das kann gegen dich verwendet werden, wenn du an die falsche Person gerätst.

5. Datenschutz-Einstellungen checken
Sobald Sie sich registriert und Ihr Profil erstellt haben, werfen Sie einen Blick auf die Datenschutzeinstellungen. (Diese befinden sich in den meisten Apps unter „Einstellungen" beziehungsweise „Privatsphäre".) Viele Apps haben Inkognito-Modi oder die Möglichkeit, deinen genauen Standort zu verschleiern.

6. Zu perfekte Profile sind verdächtig
Ein Profil, das zu perfekt wirkt, ist manchmal keins. Wenn jemand aussieht wie ein Model, nur Stock-Fotos verwendet und nach drei Nachrichten schon von Liebe redet - sei skeptisch.

7. Niemals Geld überweisen
Überweise niemals Geld an jemanden, den du nur online kennst - egal wie überzeugend die Geschichte klingt. Kein „mein Handy wurde geklaut", kein „ich stecke im Ausland fest", kein „für die Bahnfahrt zu dir". Niemals.

8. Hör auf dein Bauchgefühl
Selbst, wenn du diese Tipps befolgst und alles im grünen Bereich scheint, kann es immer noch sein, dass dir mulmig ist. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt oder dir bei einem Treffen nicht ganz wohl ist, dann sag das Date ab oder verschiebe es. Am Ende zählt dein Bauchgefühl.

Was tun, wenn doch etwas passiert?

Falls du Opfer von Betrug, Erpressung oder Gewalt wirst: Erstatte Anzeige bei der Polizei. Den Fall direkt über die App melden, damit andere gewarnt werden können. Viele Betroffene erstatten keine Anzeige. Aus Angst vor dem Outing, aus Scham, weil man sich nicht erklären will. Das Dunkelfeld ist gross - aber je mehr Fälle gemeldet werden, desto eher können Apps und Behörden reagieren.

In Österreich kannst du dich an die Polizei-Hotline 133 wenden. In Deutschland gibt es LGBTQ-Ansprechpersonen bei den Landespolizeien. In der Schweiz bietet Pink Cross Beratung und Unterstützung.

Balance zwischen Mut und Vorsicht

Online-Dating hat für viele von uns die Art verändert, wie wir uns kennenlernen. Das ist grundsätzlich gut. Du sollst keine Angst haben, Apps zu nutzen - aber du solltest wissen, worauf du achten musst. Vertrauen ist wichtig, Naivität ist es nicht. Hab Mut zum Kennenlernen, aber werd nicht übermütig. Meistens läuft alles gut. Aber wenn du die paar Grundregeln beachtest, senkst du das Risiko erheblich, dass es eben nicht gut läuft.

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