Es gibt schwule Filme, die dich sanft an die Hand nehmen, und es gibt welche, die dir ohne Vorwarnung die Realität ins Gesicht schlagen. Aleksandr's Price gehört zur zweiten Kategorie. Der Film aus dem Jahr 2013 ist kein Feel-Good-Coming-out-Drama, sondern ein psychologischer Abstieg in die dunkle Seite des schwulen New York - erzählt als Therapiesitzung, in der ein junger Mann versucht zu verstehen, wie er so tief sinken konnte.
Aleksandr zwischen Illegaliät und Überleben
Aleksandr ist ein schüchterner junger Russe, der illegal in New York lebt. Als seine Mutter sich das Leben nimmt, bricht alles zusammen: keine Wohnung, kein Geld, keine Perspektive. Seine einzige Freundin Emma verschafft ihm einen Job als Go-go-Tänzer in einer schwulen Bar. Anfangs geht es nur ums Tanzen - doch schon bald beginnt Aleksandr, sich an wohlhabende ältere Männer zu verkaufen.
Was als Überlebensstrategie beginnt, entwickelt sich zu einer Spirale aus Drogen, Alkohol, entmenschlichendem Sex und psychischer Zerstörung. Der Film erzählt die Geschichte in Rückblenden, während Aleksandr einer Therapeutin gegenübersitzt und versucht, die Scherben seiner Identität zusammenzusetzen. Je tiefer er in die Welt der männlichen Prostitution abrutscht, desto mehr verschwimmt die Grenze zwischen dem, was er tut, um zu überleben, und dem, was ihn innerlich zerbricht.
Regisseur Pau Masó - der auch Drehbuch schrieb, die Hauptrolle spielte und den Schnitt übernahm - inszeniert das Ganze als schonungsloses Porträt: keine romantisierten Escorts, keine Pretty-Woman-Fantasien. Hier sind die Freier kalt, die Körper Ware, und die Einsamkeit schneidet tiefer als jede Szene.
Ein schonungsloser Blick auf Sexarbeit, der noch heute schmerzt
Ehrlich gesagt: Aleksandr's Price ist kein einfacher Film. Er ist düster, hoffnungslos und bietet kaum Momente der Erleichterung. Viele Kritiker werfen ihm vor, die schwule Szene extrem einseitig und fast homophob negativ zu zeichnen - kein einziger der männlichen Charaktere zeigt echte Empathie, fast alle Freier sind ausschließlich an Sex interessiert. Das mag für viele schwule Zuschauer frustrierend sein, die sich eine differenziertere Darstellung wünschen würden.
Gleichzeitig ist der Film gerade deshalb interessant, weil er so kompromisslos ist. Wo viele queere Filme von heute den Fokus auf Empowerment, Community und Selbstfindung legen, zeigt Aleksandr's Price die andere Seite: Was passiert, wenn du keine Community hast? Wenn du als illegaler Immigrant völlig allein bist, ohne soziales Netz, ohne Sprache, ohne Rechte? Der Film ist eine Anklage gegen ein System, das Menschen in solche Situationen bringt - und gegen eine Gesellschaft, die für Geld jede moralische Grenze überschreitet.
Masós Performance ist dabei das Herzstück: Er spielt Aleksandr als fragilen, fast kindlichen jungen Mann, dessen Verzweiflung du in jedem Blick spürst. Das ist kein cooler Callboy, sondern ein Mensch, der Stück für Stück seine Würde verliert.
Triggerwarnung: Der Film behandelt explizit Themen wie Suizid, Drogenkonsum, sexuelle Ausbeutung und psychische Gewalt. Wenn du gerade selbst in einer schwierigen Phase bist, ist das hier definitiv kein Film für nebenbei.
OUTtv, DVD und die regionalen Hürden
- Streaming: Der Film ist bei OUTtv Amazon Channel verfügbar (kostenpflichtiges Abo erforderlich).
- Kauf: DVD über Amazon erhältlich, auch gebraucht über Plattformen wie eBay.
- Hinweis: In Österreich und der Schweiz ist die Streaming-Verfügbarkeit aktuell begrenzt - die DVD-Option bleibt die sicherste Wahl.
Filme über Sexarbeit und ihre psychologischen Folgen
Wenn du den schonungslosen Realismus und die psychologische Tiefe von Aleksandr's Price schätzt, könnten dich auch diese Filme interessieren:
- Hustlers (2019) - ebenfalls über Sexarbeit, allerdings mit weiblichen Protagonistinnen und etwas mehr Empowerment, aber genauso hart im Blick auf die Branche.
- Beach Rats (2017) - ein Coming-of-Age-Film über einen jungen Mann in Brooklyn, der seine Sexualität im Spannungsfeld zwischen Begehren und Scham auslotet. Ebenfalls düster, aber poetischer.
- Mysterious Skin (2004) - ein verstörender, aber bewegender Film über sexuellen Missbrauch, Trauma und zwei sehr unterschiedliche Wege, damit umzugehen. Ebenfalls nichts für schwache Nerven.
