Peyote - Roadtrip in die mexikanische Wüste mit ungewissem Ausgang

Ein schüchterner Teenager, ein selbstsicherer Möchtegern-Macho und eine spontane Reise durchs mexikanische Outback - Omar Flores Sarabias Low-Budget-Juwel aus dem Jahr 2013 erzählt vom Coming-of-Age auf 70 intensiven Minuten.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Peyote - Roadtrip in die mexikanische Wüste mit ungewissem Ausgang - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Es gibt diese Filme, die mit minimalem Budget und einer winzigen Crew gedreht wurden und trotzdem - oder gerade deshalb - eine Intimität entwickeln, die große Produktionen nicht hinbekommen. Peyote ist so ein Film. Der mexikanische Regisseur Omar Flores Sarabia hat 2013 mit nur sechs Crewmitgliedern einen queeren Roadtrip gedreht, der dich 70 Minuten lang in die Wüste San Luis Potosís mitnimmt - und nicht loslässt.

Pablos stille Obsession - Videokamera und Sehnsucht

Pablo ist 17, schüchtern und verbringt seine Tage damit, die Welt durch seine Videokamera zu beobachten. Seit Wochen kehrt er nach der Schule immer wieder an denselben Ort zurück: eine Art öffentlicher Platz, wo er zum ersten Mal Marco gesehen hat. Marco ist etwas älter, selbstsicher bis zur Arroganz und genau das Gegenteil von Pablo - ein kerniger Möchtegern-Macho, der sich durch sein Dorf protzt und dem jeder ansieht, dass er mehr vorgibt zu sein, als er tatsächlich ist.

Pablo beginnt Marco heimlich zu filmen, fasziniert von dessen Präsenz und Coolness. Bis Marco die Beobachtung bemerkt und die Initiative ergreift: Er fordert Pablo auf, mit ihm loszuziehen - ein spontaner Trip in die mexikanische Wüste, angeblich auf der Suche nach Peyote, dem halluzinogenen Kaktus. Pablo, der eigentlich zu ängstlich ist, um Nein zu sagen, lässt sich mitreißen.

Was folgt, ist eine Reise, die beide aus ihren Komfortzonen zerrt. Marco, der große Anführer, entpuppt sich als verletzlich und unsicher. Pablo, der stille Beobachter, findet seine Stimme. Die Spannung zwischen den beiden - sexuell, emotional, sozial - wird greifbarer, je weiter sie sich von der Zivilisation entfernen. Der Peyote selbst ist dabei weniger Droge als Metapher: das unerreichbare Ziel, das weniger zählt als der Weg dorthin.

Rohes Coming-of-Age: Was Peyote heute noch berührt

Über ein Jahrzehnt nach seinem Erscheinen hat Peyote nichts von seiner Wirkung verloren - im Gegenteil. In einer Zeit, in der queere Coming-of-Age-Geschichten oft hochglanzpoliert und narrativ vorhersehbar erzählt werden, sticht dieser Film durch seine raue Ehrlichkeit heraus. Es gibt hier keine Regenbogen-Flaggen, keine große Selbstfindungsrede, keine Auflösung, die dir sagt, was du fühlen sollst.

Stattdessen bekommst du zwei junge Männer, die sich nicht einmal sicher sind, was sie voneinander wollen - geschweige denn, wie sie es benennen sollen. Die Kamera ist dabei oft nah, fast voyeuristisch, und Sarabia nimmt sich die Zeit für lange, stille Einstellungen der Wüstenlandschaft. Das macht den Film manchmal langsam, ja - aber genau diese Langsamkeit ist seine Stärke. Sie lässt Raum für das, was nicht gesagt wird.

Formal ist der Film unverkennbar Low-Budget: Es gibt verwackelte Handheld-Aufnahmen, ungeplante Zooms, Momente, in denen die Schauspieler ihre Rollen suchen. Aber das verleiht Peyote eine Authentizität, die größere Produktionen oft vermissen lassen. Joe Diazzi und Carlos Luque spielen Pablo und Marco mit einer Verletzlichkeit, die sich anfühlt, als würdest du zwei echten Menschen zusehen - nicht zwei Charakteren.

Ein Hinweis: Der Film enthält Drogenkonsum (wenn auch nicht explizit gezeigt) und ein ungleiches Machtverhältnis zwischen den beiden Protagonisten, das stellenweise manipulativ wirkt. Wer auf toxische Dynamiken empfindlich reagiert, sollte das im Hinterkopf behalten.

Verfügbarkeit im Streaming-Limbo - Wo es noch läuft

Die Streaming-Verfügbarkeit von Peyote im deutschsprachigen Raum ist 2026 leider eingeschränkt. Der Film war zeitweise bei einzelnen internationalen Plattformen gelistet, aktuell ist jedoch kein legales Streaming-Angebot in DACH bekannt (Stand April 2026). Die gute Nachricht: Eine DVD-Fassung mit deutschen Untertiteln ist nach wie vor erhältlich, etwa über Amazon oder spezialisierte Versandhändler wie Pro-Fun Media.

Falls du generell Interesse an queeren Low-Budget-Filmen aus Lateinamerika hast, lohnt sich ein Blick auf Plattformen wie Mubi oder den Salzgeber Club - dort tauchen immer wieder ähnliche Perlen auf, auch wenn Peyote selbst dort aktuell nicht verfügbar ist.

Ähnlich ungewöhnlich: Diese Filme pendeln dazwischen

  • Tropical Malady (2004, Apichatpong Weerasethakul) - Ein thailändisches Meisterwerk, das queere Anziehung und Mythos in traumhaften Bildern verbindet. Wie Peyote lässt dieser Film Raum für das Unausgesprochene.
  • Crystal Fairy & the Magical Cactus (2013, Sebastián Silva) - Ebenfalls 2013 erschienen, ebenfalls Roadtrip, ebenfalls Kaktus-Suche - nur heterosexuell. Ein interessanter Vergleich in Sachen Ton und Struktur.
  • Esteros (2016, Papu Curotto) - Argentinisches Coming-of-Age-Drama über zwei Freunde, die sich nach Jahren wiedersehen und mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit konfrontiert werden. Ebenfalls Low-Budget, ebenfalls intensiv.

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