Prayers for Bobby - Wenn religiöser Fundamentalismus tötet

Der Film aus 2009 erzählt die wahre Geschichte von Bobby Griffith, dessen streng christliche Mutter ihn nicht akzeptieren konnte. Ein schmerzhafter, wichtiger Film über die tödlichen Folgen von Intoleranz - und über Wandlung.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Prayers for Bobby - Wenn religiöser Fundamentalismus tötet - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Es gibt Coming-out-Geschichten, die mit einem Happy End enden. Und dann gibt es Geschichten wie die von Bobby Griffith. Der Film aus dem Jahr 2009 erzählt von einem jungen Mann, der zwischen der Liebe zu seiner Familie und der Wahrheit über sich selbst zerrieben wird - bis es für ihn keinen Ausweg mehr gibt. "Prayers for Bobby" ist kein leichter Film. Aber er ist einer, den man gesehen haben sollte.

Bobbys stilles Leiden in den 1980ern

Kalifornien, Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre. Bobby Griffith (Ryan Kelley) ist der Liebling seiner Familie - ein netter, sensibler junger Mann. Doch Bobby hat ein Geheimnis, das ihm zunehmend die Luft zum Atmen nimmt: Er ist schwul. In seiner streng religiösen Familie ist das undenkbar. Seine Mutter Mary (Sigourney Weaver), eine fundamentalistische Christin, ist überzeugt, dass Homosexualität eine Sünde ist - eine Krankheit, die man mit genug Gebeten heilen kann.

Bobby versucht alles, um sich zu ändern. Er geht zur Therapie, betet, kämpft gegen seine Gefühle an. "Ich möchte nicht schwul sein", sagt er zur Psychiaterin. Doch je mehr er sich verbiegt, desto klarer wird ihm: Er kann sich nicht ändern. Er ist, wer er ist. Und genau das kann seine Mutter nicht akzeptieren. Als Bobby schließlich zu seiner Cousine nach Portland zieht, hofft er auf ein neues Leben. Er lernt einen Mann kennen, fühlt sich zum ersten Mal frei. Doch die Ablehnung seiner Familie holt ihn ein - buchstäblich: Zum Geburtstag schickt ihm seine Mutter eine Broschüre mit dem Titel "AIDS - Die Strafe des Herrn".

Der innere Druck, die Einsamkeit, die Gewissheit, von seiner Mutter niemals geliebt zu werden, wie er wirklich ist - es wird zu viel. Bobby stürzt sich von einer Brücke. Er stirbt mit 20 Jahren.

Was folgt, ist die zweite Hälfte des Films - und in gewisser Weise die schmerzhaftere. Mary Griffith sucht verzweifelt nach Antworten. Wird ihr Sohn in den Himmel kommen? Hat sie das Richtige getan? Durch Bobbys Tagebuch und die Begegnung mit einem liberalen Pfarrer beginnt sie zu verstehen, was sie ihrem Sohn angetan hat. Langsam, quälend langsam wandelt sie sich von einer Frau, die sagte "Ich habe keinen schwulen Sohn" zu einer Aktivistin für LGBTQ-Rechte. Die echte Mary Griffith wurde später zu einer Ikone der Schwulenbewegung.

Religiöser Druck 2026 - aktueller denn je

Fast zwei Jahrzehnte nach seiner Entstehung wirkt "Prayers for Bobby" an manchen Stellen erschreckend aktuell. Ja, der Film spielt in den frühen 80ern, und vielleicht denkst du: Das ist doch lange her, das gibt's heute nicht mehr. Aber Konversionstherapien, religiös motivierte Ablehnung, Familien, die ihre queeren Kinder verstoßen - all das existiert noch immer. Auch 2026.

Was den Film besonders macht: Er zeigt beide Seiten, ohne zu verharmlosen. Bobby ist kein Heiliger, Mary keine Cartoon-Bösewichtin. Sie ist eine Mutter, die ihr Kind liebt - aber diese Liebe ist an Bedingungen geknüpft, die Bobby nicht erfüllen kann. Sigourney Weaver spielt diese Zerrissenheit grandios: Du kannst Mary in der ersten Hälfte kaum ertragen, und doch spürst du, dass sie glaubt, das Richtige zu tun. Ihr Wandel nach Bobbys Tod ist einer der ergreifendsten Transformationsbögen, die das queere Kino zu bieten hat.

Ryan Kelley als Bobby liefert eine Performance, die unter die Haut geht. Seine Verzweiflung, sein Kampf gegen sich selbst, seine Hoffnung auf Anerkennung - das alles ist so authentisch gespielt, dass manche Szenen kaum auszuhalten sind. Besonders die Tagebuch-Monologe, die nach Bobbys Tod vorgelesen werden, treffen direkt ins Herz.

Triggerwarnung: Der Film zeigt explizit einen Suizid und thematisiert intensiv internalisierte Homophobie, psychische Gewalt und religiösen Missbrauch. Falls du selbst mit Suizidgedanken kämpfst, such dir bitte Unterstützung - etwa bei der Telefonseelsorge (0800 111 0 111) oder der Trans- und Queer-Beratung deiner Stadt.

Prime Video, DVD, Streaming-Optionen

  • Amazon Prime Video (im Abo enthalten, auch mit Werbung verfügbar)
  • DVD und Blu-ray sind als Leih- oder Kauf-Option bei Videobuster verfügbar
  • DVD-Kauf über Amazon.de möglich, auch gebraucht bei rebuy oder medimops
  • Digitaler Kauf/Leihoptionen über Apple TV (Deutschland)

Der Film ist also im deutschsprachigen Raum relativ gut verfügbar - vor allem über Prime Video, falls du dort eh ein Abo hast.

Nach Bobby - Filme über Konversionstherapie

Wenn dich Bobbys Geschichte berührt hat und du mehr über religiöse Intoleranz und queere Emanzipation sehen willst, schau dir diese Filme an:

  • Boy Erased (2018) - ebenfalls eine wahre Geschichte über Konversionstherapie, diesmal mit Lucas Hedges und Nicole Kidman. Ähnlich schmerzhaft, aber mit einem anderen Ausgang.
  • The Miseducation of Cameron Post (2018) - queere Jugendliche in einem evangelikalen "Umerziehungscamp". Düster, aber mit mehr Widerstand und Solidarität als "Prayers for Bobby".
  • 1985 (2018) - ein schwuler Mann kehrt zu Weihnachten zu seiner konservativen Familie in Texas zurück, im Schatten der AIDS-Krise. Leise, traurig, wunderschön gefilmt in Schwarz-Weiß.

Regisseur Russell Mulcahy, bekannt für "Highlander" und die Serie "Teen Wolf" (2011-2017), führte 2023 auch beim Kinofilm "Teen Wolf: The Movie" Regie - queere Themen behandelt er seitdem aber nicht mehr explizit. "Prayers for Bobby" bleibt sein eindringlichstes Statement.

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