Rift - Psychothriller mit zwei schwulen Ex-Freunden im isländischen Nirgendwo

Ein gruseliger Anruf, eine abgelegene Hütte in Island - und zwei Männer, die ihre alte Beziehung noch nicht verarbeitet haben. Warum dieser queere Horror-Thriller aus dem Jahr 2017 eine erfrischend andere Coming-of-Age-Geschichte erzählt.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Rift - Psychothriller mit zwei schwulen Ex-Freunden im isländischen Nirgendwo - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Horror trifft auf Beziehungsdrama: Rift (im Original Rökkur) gehört zu den wenigen queeren Filmen, die nicht nochmal dieselbe Coming-out-Story erzählen, sondern die Phase danach zeigen - wenn die Liebe schon kaputt ist, aber die Gefühle noch nicht. Der isländische Film aus dem Jahr 2017 bringt zwei Ex-Freunde in eine karge, fast unheimliche Landschaft und lässt sie dort mit ihren Streitereien, Ängsten - und etwas Unerklärlichem - allein.

Gunnar und Einar: Ein Anruf aus der Dunkelheit

Gunnar (Björn Stefánsson) bekommt mitten in der Nacht einen seltsamen Anruf. Am Telefon: sein Ex-Freund Einar (Sigurður Þór Óskarsson), der total verängstigt klingt. Einar hat sich in die Familienhütte seiner Eltern in Rökkur zurückgezogen, eine abgelegene Region im Westen Islands, wo die beiden früher viel Zeit miteinander verbracht haben. Und er hat das Gefühl, dass irgendjemand - oder irgendetwas - bei ihm ist. Gunnar macht sich Sorgen und fährt hin, aus alter Verbundenheit, aber vielleicht auch aus schlechtem Gewissen.

Vor Ort wirkt Einar erst einmal völlig normal, fast so, als ob der Anruf nie stattgefunden hätte. Doch je länger Gunnar bleibt, desto klarer wird: Einar verhält sich merkwürdig, die Atmosphäre ist angespannt, und die Tür der Hütte lässt sich nicht richtig schließen. Nachts klopft jemand an die Tür - doch wenn sie öffnen, ist niemand da. Die beiden Männer fallen schnell in alte Muster zurück: Vorwürfe, Eifersucht, unausgesprochene Verletzungen. Gleichzeitig häufen sich die verstörenden Ereignisse: Schatten huschen vorbei, Stimmen sind zu hören, und die gewaltige isländische Landschaft um sie herum wirkt nicht mehr schön, sondern bedrohlich.

Regisseur Erlingur Thoroddsen nutzt die Weite der isländischen Landschaft - offenes Lavafeld, ein riesiger Gletscher am Horizont, verfallene Häuser - um ein Gefühl von Ausgeliefertsein zu erzeugen. Es gibt keine Bäume, keine Hügel, nirgendwo kann man sich verstecken. Alles liegt auf dem Präsentierteller. Thoroddsen mischt geschickt Beziehungsdrama und Horrorthriller, lässt offen, ob das Übernatürliche real ist oder nur Ausdruck der inneren Zerrissenheit der beiden Männer. Der Film spielt viel mit Andeutungen und bleibt dabei atmosphärisch dicht.

Psychothriller statt Liebesfilm: Rift 2026

Im Jahr 2026 wirkt Rift wie ein erfrischender Gegenentwurf zu vielen queeren Filmen, die entweder Coming-out-Dramen erzählen oder Feel-good-Romanzen sind. Hier geht es um zwei erwachsene schwule Männer, die längst geoutet sind - aber deren Beziehung trotzdem gescheitert ist. Der Film fragt nicht "Wie komme ich aus dem Schrank?", sondern "Wie gehe ich mit Verlust, Schuld und toxischen Beziehungsmustern um?".

Die Mischung aus psychologischem Drama und Horror funktioniert auch deshalb so gut, weil der Film keine leichten Antworten liefert. Manche Spuren laufen ins Leere, nicht alles wird aufgelöst - das kann frustrierend sein, trägt aber auch zur beklemmenden Stimmung bei. Die Kamera arbeitet viel mit langen Einstellungen, die Schauspieler spielen intensiv und zurückhaltend zugleich. Was den Film auch heute noch stark macht: Er verzichtet auf Klischees, es gibt keine "Diva"-Figuren, kein dramatisches Geheul, keine kitschigen Lösungen.

Triggerwarnung: Der Film enthält eine Szene, in der eine der Figuren von einer Vergewaltigung in der Jugend erzählt. Die Szene ist nicht grafisch, aber emotional belastend. Zudem gibt es Darstellungen von Alkoholmissbrauch, psychischer Instabilität und potenziell selbstverletzendem Verhalten.

Schwächen hat der Film trotzdem: Die Balance zwischen Mystery-Elementen und Beziehungsdrama stimmt nicht immer, einige Horror-Klischees (die x-te Verfolgungsjagd, bei der die Person plötzlich verschwindet) werden etwas überstrapaziert. Wer einen klassischen Horrorfilm mit Jump-Scares erwartet, wird enttäuscht sein - Rift ist eher ein langsam brennender Psychothriller mit übernatürlichen Elementen.

Rift streamen: Queer Cinema Channel & Alternativen

Die Streaming-Verfügbarkeit von Rift ist im April 2026 etwas eingeschränkt:

  • Queer Cinema Channel bei Amazon Prime Video: Der Film ist im Abo des Queer Cinema Channels verfügbar (Zusatzkosten zum Prime-Abo).
  • Kostenlos: Laut JustWatch war der Film Anfang 2026 auf den kostenlosen Plattformen AVA VOBB und AVA HBZ verfügbar - ob das noch aktuell ist, müsstest du direkt dort prüfen.
  • DVD/Kauf: Der Film wurde in Deutschland von Salzgeber vertrieben und ist über den Salzgeber Shop als DVD erhältlich.

Aktuell kein reguläres Streaming-Angebot bei Netflix, Mubi, Disney+ oder anderen großen Plattformen in DACH bekannt (Stand April 2026).

Düstere Queerness wie in Rift: Filme danach

Wenn du auf düstere, atmosphärische queere Filme stehst, die Horror und Beziehungsdrama mischen, probier diese:

  • Herzstein (2016): Ein weiterer isländischer queerer Film, der die raue Landschaft Islands nutzt, um eine Coming-of-Age-Geschichte zwischen zwei Jungen zu erzählen - weniger Horror, aber ähnlich intensiv.
  • Stranger by the Lake (2013): Französischer Thriller über Cruising, Begehren und Gefahr an einem abgelegenen See - ebenfalls psychologisch dicht und schwül-beklemmend.
  • His House (2020): Kein queerer Film, aber ebenfalls ein Horrorthriller, der übernatürliche Elemente mit Trauma und Beziehungsdynamiken verwebt - falls du die Genre-Mischung von Rift mochtest.

Rift ist kein perfekter Film, aber ein mutiger, ungewöhnlicher queerer Thriller, der sich traut, düster, mehrdeutig und unbequem zu sein.

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