Romeos - Trans Coming-of-Age mit viel Herz und etwas Macho-Allüre

Ein schwuler Transmann verliebt sich in einen unsicheren Macho - und muss entscheiden, ob er sein Geheimnis preisgibt. Der deutsche Film aus 2011 war damals eine Seltenheit und ist es noch heute.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Romeos - Trans Coming-of-Age mit viel Herz und etwas Macho-Allüre - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Du denkst, du hast schon alle Coming-of-Age-Filme gesehen, in denen sich zwei Typen ineinander verlieben? Romeos könnte dich überraschen. Denn hier geht es nicht nur ums Schwulsein - sondern um die Frage, wer man wirklich ist, wenn der Körper, die Papiere und die Welt um einen herum nicht mitspielen. Ein deutscher Film aus dem Jahr 2011, der bis heute eine Ausnahme ist: schwul und trans, zärtlich und rau zugleich.

Lukas in Köln - Transition statt Provinz

Lukas ist 20, mitten in der Transition von weiblich zu männlich, und zieht für seinen Zivildienst von der Provinz nach Köln. Endlich Großstadt, endlich ein Neuanfang - doch schon bei der Ankunft im Wohnheim landet er als einziger Junge im Schwesterntrakt. Bürokratie schlägt Realität: Auf dem Papier steht noch der Geburtsname Miriam, die geschlechtsangleichende OP liegt elf Wochen in der Zukunft. Immerhin wohnt seine beste Freundin Ine im selben Haus, eine Lesbe mit starken Nerven und gutem Zugang zur queeren Szene Kölns.

Ine schleppt Lukas auf Partys, und da trifft er Fabio: selbstsicher, attraktiv, ein bisschen zu viel Macho-Attitüde - aber genau das, was Lukas gern wäre. Fabio verkörpert eine Männlichkeit, die Lukas noch immer fremd vorkommt, und gleichzeitig entwickelt sich zwischen ihnen eine Anziehung. Fabio merkt, dass Lukas anders ist, aber nicht warum. Lukas hält Abstand, aus Angst, zurückgewiesen zu werden, sobald die Wahrheit rauskommt. Denn Fabio selbst ist alles andere als gefestigt: Er ist im Closet gegenüber seinen konservativen Eltern und hat genug eigene Unsicherheiten, auch wenn er sie hinter Sprüchen und One-Night-Stands versteckt.

Als Fabio schließlich doch hinter Lukas' Geheimnis kommt, eskaliert die Situation - und beide müssen entscheiden, ob sie bereit sind, für ihre Gefühle etwas zu riskieren. Der Film zeigt das alles ohne Kitsch, aber mit viel Wärme: die Testosteron-Spritzen, die Selbstdokumentation per Webcam, die Panik vorm Duschen im Gemeinschaftsbad, die erste queere Community, die einen aufnimmt.

Schwule Transmänner im Kino: endlich eine Hauptrolle

Filme über schwule Transmänner sind immer noch extrem selten. Die meisten Trans-Narrative im Kino drehen sich um Transfrauen, und wenn doch mal ein Transmann vorkommt, ist er oft straight. Romeos zeigt einen schwulen Transmann - und damit eine Realität, die in der queeren Community existiert, im Mainstream-Kino aber praktisch unsichtbar bleibt. Dass der Film schon 2011 entstand, macht ihn umso bemerkenswerter.

Gleichzeitig ist Romeos kein perfekter Film. Die Besetzung von Rick Okon - einem cis Mann - als Lukas war damals umstritten und wäre heute vermutlich noch kontroverser. Okon spielt nuanciert und überzeugend, aber die Debatte, ob Trans-Rollen von Trans-Schauspielern gespielt werden sollten, ist heute deutlich lauter. Auch Fabios Transfeindlichkeit wird zwar thematisiert, aber eher als Hürde auf dem Weg zur großen Liebe inszeniert, nicht als Deal-Breaker. Das kann triggern - gerade wenn du selbst Erfahrungen mit Ablehnung oder Gewalt gemacht hast.

Was bleibt, ist ein Film, der ehrlich zeigt, wie kompliziert Begehren, Selbstbild und Community sein können. Lukas ist kein Held, sondern ein unsicherer Typ Anfang 20, der Fehler macht - und genau das macht ihn real. Die Kölner Szene wirkt lebendig, die Freundschaft zu Ine ist eines der emotionalsten Elemente des Films, und die Darstellung von Transition als Prozess - nicht als vorher/nachher-Makeover - ist wohltuend unaufgeregt.

Kaufen & Leihen: Google Play, Amazon, Apple TV

  • Laut JustWatch Österreich kannst du „Romeos" bei Google Play Movies, Amazon Video, Apple TV und Alleskino online leihen oder als Download kaufen. Für Deutschland liegen uns keine aktuellen Streaming-Flatrate-Angebote vor (Stand April 2026).
  • Auf den großen Plattformen wie Netflix, Mubi, ARD Mediathek, Disney+ oder Prime im Abo ist der Film derzeit nicht verfügbar. Wenn du ihn sehen willst, führt der Weg aktuell wohl über Kauf oder Leihe.
  • Der Film erschien 2012 auch auf DVD - falls du physische Medien bevorzugst, könnte eine Suche im Second-Hand-Bereich oder bei Salzgeber (dem Verleih) lohnen.

Nächster Film: Heartwarming Queerness anders erzählt

Dann schau dir diese Filme an:

  • „Boy Meets Girl" (2014) - US-amerikanische Romcom über eine junge Transfrau, die sich in einen cis Typen verliebt. Leichter im Ton, aber ähnlich herzlich.
  • „Tomboy" (2011) - Französisches Coming-of-Age-Drama über ein trans Kind. Ruhig, intensiv, ebenfalls von Céline Sciamma.
  • „Freier Fall" (2013) - Deutscher Film über einen Polizisten, der sich in seinen Kollegen verliebt. Kein Trans-Thema, aber ähnlich rau und emotional ehrlich.

Regisseurin Sabine Bernardi hat nach „Romeos" vor allem fürs deutsche Fernsehen gearbeitet - etwa an der Serie „Club der roten Bänder", dem „Tatort" oder der Historienserie „Ku'damm 63". Ein weiterer queerer Langspielfilm ist bislang nicht dabei - schade, denn ihr Gespür für Identitätskonflikte und Ensembles ist stark.

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