Story of a Bad Boy - ein queer-chaotisches Coming-out aus den Neunzigern

Ein triebgesteuerter Teenager, eine desaströse Musical-Inszenierung und ein sehr problematischer Student-Teacher-Crush: Tom Donaghys absurde Pubertätskomödie aus dem Jahr 1999 ist alles andere als politisch korrekt - und genau das macht sie 2026 so spannend.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Story of a Bad Boy - ein queer-chaotisches Coming-out aus den Neunzigern - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

Du magst queere Coming-of-Age-Filme, die nicht nach Schema F funktionieren? Dann ist dieser Film aus dem Jahr 1999 vielleicht genau das Richtige für dich. Story of a Bad Boy ist weder ein sauberes Netflix-Drama noch eine Feelgood-Story, sondern eine raue, absurde und manchmal verstörend komische Zeitkapsel aus einer Ära, in der queeres Kino noch nicht auf Mainstream-Glättung getrimmt war.

Paulys wirre Reise in den Achtzigern

Der Film spielt Anfang der 1980er Jahre und erzählt von Pauly, einem 17-jährigen katholischen Jungen, der sexuell völlig durcheinander ist. Pauly ist ein verschlossener Highschool-Schüler, der alles auf einmal will: Sein Vater möchte, dass er ins Leichtathletik-Team kommt, seine Mutter drängt ihn zur Blaskapelle, und Pauly selbst will vor allem eins - näher an den neuen Schauspiellehrer herankommen, der die Schulaufführung leitet.

Pauly ist ein hormondgesteuerter Teenager par excellence, der Entscheidungen auf Basis seiner Libido trifft. Er verliebt sich erst in einen Ministranten in der katholischen Kirche, konvertiert daraufhin zum Katholizismus (was seine griechisch-orthodoxen Eltern völlig verwirrt), und wechselt später sogar die Schule. Dort landet er im Theaterkurs und entwickelt eine obsessive Anziehung zu Noel, dem Student Teacher, der ein absurdes Musical-Remake von Nathaniel Hawthornes „Der scharlachrote Buchstabe" inszeniert. Noel scheint Paulys Interesse zu erwidern.

Was folgt, ist eine Mischung aus grotesker Sexkomödie, Coming-out-Drama und beißender Kritik an toxischen Beziehungen. Der Film beginnt wie eine derbe Farce im Stil von John Waters - mit riesigen Erektionen, chaotischen Masturbationsszenen und sogar einem vierten Wand brechenden Grinsen ins Publikum. Später wird es ruhiger, aber nie harmlos. Pauly trifft auf Noels Ex-Freunde, die ihn in die schwule Szene einführen - mit allem, was dazugehört.

Warum die Chaotik immer noch zieht

Lass uns ehrlich sein: Story of a Bad Boy ist kein guter Film im klassischen Sinne. Die Erzählstruktur ist chaotisch, es fehlen introspektive Momente, und Paulys Handlungen wirken oft zusammenhanglos. Das Ende kommt plötzlich und hat wenig emotionalen Impact. Aber genau diese Rauheit, dieses Unfertige macht den Film interessant.

Er ist ein bizarres Artefakt einer bestimmten Art von Low-Budget-Queer-Humor, die es heute kaum noch gibt. Während heutige queere Teen-Filme oft auf Identitätspolitik und safe spaces setzen, ist Story of a Bad Boy chaotisch, sexuell explizit und moralisch mehrdeutig. Die Highschool-Welt ist bevölkert von neurotischen Künstlern, ängstlichen People-Pleasern und zynischen Philosophen - keine Klischee-Jocks oder Cheerleader.

Triggerwarnung: Der Film romantisiert teilweise eine problematische Beziehung zwischen einem Minderjährigen (17) und einem jungen Erwachsenen (20), die auch noch in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis stehen. Diese Dynamik wird zwar an einigen Stellen thematisiert, aber nicht konsequent kritisiert - gegen Ende wirkt der Film eher wie eine Warnung, doch das wird nicht klar genug herausgearbeitet. Wenn dich das stört (verständlich!), ist der Film nichts für dich.

Ansonsten: Es ist ein schneller Watch und ein interessanter Kontrast zu heutigem queeren Teen-Content. Julie Kavner (ja, die Stimme von Marge Simpson) spielt Paulys Mutter, Stephen Lang seinen Vater. Die Performances sind absichtlich deadpan, fast absurd - das gehört zum Konzept.

Prime Video - mit Verfügbarkeitsvorbehalt

  • Amazon Prime Video hat eine Seite für „Story Of A Bad Boy", allerdings ist unklar, ob der Film im April 2026 noch im Abo verfügbar oder nur als Kauf-Option zu haben ist. Am besten direkt nachschauen.
  • In den USA ist der Film auf Tubi verfügbar, das allerdings in DACH nicht zugänglich ist.
  • DVD/BluRay: Keine aktuellen Verfügbarkeitsinfos für den deutschsprachigen Raum gefunden. Der Film lief 1999 hauptsächlich auf queeren Filmfestivals und hatte keine breite Kino-Auswertung.

Falls du ihn nirgends findest: Das ist typisch für Low-Budget-Queer-Cinema der späten 90er - vieles ist nur sporadisch verfügbar. Es lohnt sich, gelegentlich bei Streaming-Diensten nachzuschauen oder gebraucht nach einer Import-DVD zu suchen.

Andere queer-raunchige Filme zum Weiterschauen

Hier sind ein paar thematisch verwandte Empfehlungen:

  • Another Gay Movie (2006) - „Story of a Bad Boy" wird manchmal als Inspiration für diese raunchy Komödie genannt. Noch expliziter, noch absurder, aber in einem ähnlichen Geist.
  • Mysterious Skin (2004) - Wenn du die dunklere, weniger komödiantische Seite von queeren Teen-Erfahrungen suchst. Gregg Arakis Film ist härter, aber ebenfalls roh und unnachgiebig.
  • Edge of Seventeen (1998) - Ein ehrlicherer, emotionalerer Coming-of-Age-Film aus derselben Ära, der ebenfalls in den 80ern spielt und queere Identität ohne heutige Filter zeigt.

Übrigens: Regisseur Tom Donaghy war ursprünglich ein erfolgreicher Theaterschriftsteller. „Story of a Bad Boy" blieb sein einziger Spielfilm - 2008 wechselte er ins Fernsehen und schuf später Serien wie „The Whole Truth" (ABC) und „Star" (FOX, gemeinsam mit Lee Daniels). Queere Themen spielten in seinen späteren Arbeiten keine zentrale Rolle mehr.

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