This is I (2026) - Wenn ein Pop-Traum stärker ist als Japans Schweigen

Netflix erzählt die wahre Geschichte von Ai Haruna - der trans Entertainerin, die in den 90ern Japans Idol-Welt eroberte. Ehrlich, berührend und mit viel Herz.

justboys-Redaktion

5 Min Lesezeit

This is I (2026) - Wenn ein Pop-Traum stärker ist als Japans Schweigen - Coverbild

Bild © TMDb / Filmverleih

Trailer über YouTube - beim Abspielen werden Daten an Google übertragen.

Der Film basiert auf der wahren Geschichte von Ai Haruna, einer der bekanntesten trans Entertainerinnen Japans - und er tut das mit einer Ehrlichkeit, die im Jahr 2026 dringend nötig ist. 2009 gewann Haruna als erste Japanerin die Miss International Queen, einen internationalen Schönheitswettbewerb für trans Frauen in Thailand. Doch der Weg dorthin begann Jahrzehnte früher, in einer Gesellschaft, die wenig Platz für Menschen wie sie hatte. Regisseur Yusaku Matsumoto zeigt uns diese Reise in 130 emotional dichten Minuten - und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Triggerwarnung: Der Film thematiert explizit Mobbing, Diskriminierung, geschlechtsangleichende Operationen (inkl. medizinischer Details), den Tod einer Patientin während einer OP, Suizid-Gedanken und zeigt Sex-Szenen (keine Frontal-Nacktheit).

Die Geschichte: Von Kenji zu Ai - ein Leben zwischen Traum und Realität

Kenji, der davon träumt, ein Idol zu werden, wächst auf und kämpft mit seinem Selbstbild, versteckt sich vor den verurteilenden Blicken anderer. In der Schule wird er gemobbt, weil er sich als Junge anders verhält, Idol-Songs nachsingt und von Bühne träumt. Gemobbt in der Schule und unfähig, sich seiner Familie zu öffnen, findet er schließlich Akzeptanz unter den schillernden Performern einer Cabaret-Bar, in der er - ohne es seinen Eltern zu sagen - zu arbeiten beginnt. Dort, unter den Drag-Queens und queeren Künstler*innen Osakas, debütiert er auf der Bühne unter einem neuen Namen: Ai.

Kurz darauf hat Ai eine schicksalhafte Begegnung mit einem Arzt namens Koji Wada. Wada, gequält von Schuldgefühlen, weil er frühere Patienten nicht retten konnte, versteht Ais Not und beschließt, sich in die damals tabuisierte Welt der geschlechtsangleichenden Chirurgie zu begeben. Trotz innerer Konflikte und gesellschaftlicher Vorurteile forscht er intensiv und macht Ai zu seiner ersten Patientin, die sich der Prozedur unterzieht. Dr. Wada hält unbeirrt an seinen Überzeugungen fest, trotz Vorurteilen, und fragt sich, was Gesundheitsversorgung wirklich bedeutet. Die beiden bilden eine unzerbrechliche Vertrauensbindung, während sie eine überwältigende Einsamkeit durch gesellschaftlichen Gegenwind und Kritik erleben. Sie unterstützen sich gegenseitig durch diese Isolation und finden einen Weg, das Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben.

Was der Film für queere Zuschauer leistet - und wo er stolpert

„This is I" ist ein intensiver, herzlicher Film, der lange nachhallt. Er nähert sich den verschiedenen Lebensphasen mit einem Gefühl von Wahrheit statt Drama. Das ist eine Stärke: Der Film romantisiert nicht, er zeigt Ais Weg mit all seinen Rückschlägen - Mobbing, Ablehnung in der Unterhaltungsindustrie, komplizierte Liebesbeziehungen, die schmerzhafte OP-Prozedur und die Jahre danach, in denen sie als Barkeeperin in Tokyo arbeitet, während ihr Traum vom Idol-Dasein unerreichbar scheint.

Basierend auf Ai Harunas Autobiografie „Subarashiki, Kono Jinsei" und Dr. Koji Wadas Buch „Penis Cutter", bemüht sich der Film um Authentizität. Der Abspann ehrt den echten Dr. Wada, der sein Leben der Bereitstellung bezahlbarer geschlechtsangleichender Operationen gewidmet hat und über 600 Eingriffe durchgeführt hat. Mitte der 90er Jahre verbot das japanische Gesetz geschlechtsangleichende Operationen - Wadas Arbeit war also nicht nur medizinisch riskant, sondern auch gesellschaftlich geächtet.

Leider ist es schmerzhaft offensichtlich, dass „This is I" in erster Linie als zeitgenössisches soziales Statement konzipiert, geschrieben und ausgeführt wurde. Das ist kein Deal-Breaker, aber es bedeutet: Manche Szenen fühlen sich didaktisch an, manche Dialoge anachronistisch. Ein Aspekt, der den Film von ähnlichen Werken unterscheidet, ist die zart gezeichnete Darstellung der gegenseitig fürsorglichen Arzt-Patienten-Beziehung. Matsumoto und Drehbuchautor Masahiro Yamaura präsentieren Dr. Wada unmissverständlich als die wichtigste Stütze während der Phase, in der Onishi endlich ihre Haruna-Identität annimmt. Dennoch: „This Is I" hat viel Herz, aber braucht wirklich einen strengen Cutter - bei 130 Minuten schleppt sich der mittlere Teil stellenweise.

Die Performances: Haruki Mochizuki brilliert, Takumi Saitoh strahlt Integrität aus

Haruki Mochizukis Performance als Kenji/Ai zeichnet sich durch Subtilität, Intensität und Empathie aus. Sein zurückhaltender Schauspielansatz vermittelt den Eindruck eines Leidens, das von innen kommt, nicht durch eine externe dramatische Situation. Mochizuki trägt den Film - in jeder Phase von Ais Leben, vom gemobbten Teenager bis zur selbstbewussten Performerin, bleibt die Figur glaubwürdig und verletzlich zugleich.

Takumi Saitoh strahlt weltmüde Integrität und akute Sensibilität als Dr. Wada aus, während Akura Takamura charismatisch tough und zärtlich als Aki agiert (die Cabaret-Bar-Betreiberin, die Kenji als erste wirklich akzeptiert). Die Cast ist durchweg stark, auch wenn die Nebenrollen - etwa Ais Eltern - teils zu schematisch bleiben. Ihre Eltern werden nicht als Monster dargestellt, was erfrischend ist. Ihr rauer, frauenverbindender Vater ist einer der ersten (und wenigen) Menschen, die sie als Onishi kannten, die sie als Haruna akzeptieren. Die Beziehung zur Mutter ist komplizierter, aber letztlich erlösend.

Wo du es 2026 sehen kannst

„This is I" läuft seit 10. Februar 2026 weltweit auf Netflix - in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Standard- und Werbe-Abo verfügbar. Perfekt für einen emotionalen Filmabend zu Hause, am besten mit Taschentüchern in Reichweite.

Lohnt sich der Film - oder ist er nur gut gemeint?

„This is I" ist ein wunderschöner, herzlicher und echter Film. Er strahlt queere Freude aus mit all ihren Höhen und Tiefen und endet trotz der Schwierigkeiten des Lebens mit einer positiven Note. Das ist keine Übertreibung: Es war faszinierend, etwas über die Erfahrung der japanischen trans Community in den 80ern und 90ern zu lernen. Ich empfehle diesen Film sehr, aber stellt sicher, dass ihr Taschentücher habt!

Für wen lohnt sich der Film? Wenn du Lust auf ein ehrliches Biopic hast, das nicht nur jubelt, sondern auch die harten Momente zeigt - Mobbing, medizinische Unsicherheit, gesellschaftliche Ausgrenzung -, dann ist „This is I" ein absolutes Must-Watch. Er erforscht den Schmerz, wenn niemand dich kennt oder sieht, den Mut, authentisch zu existieren, und die Kraft, von einem anderen Menschen verstanden zu werden. Obwohl der Film schwieriges Material hat und schwer zu sehen sein kann, versucht er nie, das Publikum zu manipulieren.

Wenn du allerdings knackige Erzählungen bevorzugst und 130 Minuten Melodram zu lang sind, könnte dich der Film in der Mitte verlieren. Die musikalischen Einlagen sind hübsch anzusehen, aber weder die Melodien noch die Texte sind besonders einprägsam. Und ja, der Film ist stellenweise kitschig - aber das ist okay, weil er sich seiner selbst bewusst ist.

Fazit: „This is I" ist kein perfekter Film, aber ein wichtiger. Er gibt einer Ikone der japanischen LGBTQ+-Geschichte eine Stimme, würdigt einen mutigen Arzt und zeigt, dass der Weg zur Selbstakzeptanz nie linear verläuft. Solide gemacht, emotional ehrlich und - bei aller Länge - am Ende doch ein Film, der haften bleibt. Must-Watch für alle, die queere Geschichten aus nicht-westlichen Perspektiven sehen wollen.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (© Salzgeber & Co. Medien / jeweiliger Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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