Uncertain - Kurzfilm über Mobbing, Suizid und die schwierige Frage: Woher weißt du das?

Luis Fernando Midences 11-minütiger Kurzfilm zeigt den Selbstmordversuch eines Elfjährigen, der als „schwul" gemobbt wurde - surreal, unbequem und mit einer Frage, die auch 2026 nicht leichter zu beantworten ist.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Uncertain - Kurzfilm über Mobbing, Suizid und die schwierige Frage: Woher weißt du das? - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

Trailer über YouTube - beim Abspielen werden Daten an Google übertragen.

Ein Elfjähriger, allein in einer traumartigen Landschaft. Fremde, die ihm Fragen stellen. Und langsam wird klar: Er hat eine Überdosis Tabletten genommen. Der Kurzfilm „Uncertain" aus dem Jahr 2009 ist kein leichter Stoff - und er ist gerade deshalb heute noch relevant, weil er mit seiner zentralen Frage nicht ausweicht.

Ansons Traum nach der Überdosis - was bleibt

Der Film zeigt den „drowsy-dream" eines Teenagers, der eine Überdosis Tabletten genommen hat, um sich das Leben zu nehmen. Anson, der elfjährige Protagonist, erwacht langsam in einem Auto auf einer einsamen Landstraße und weiß zunächst nicht, wo er ist oder wohin man ihn bringt. In einer surrealen, fast unwirklichen Prärie trifft er auf Fremde, die mit ihm sprechen - erst allmählich dämmert ihm (und uns), dass er sich in einer Art Zwischenraum befindet.

Er hat die Pillen genommen, um den Schmerz zu beenden: den Schmerz, von anderen Kindern verletzt zu werden, die ihm Namen wie „Schwuchtel" gegeben haben. Der Film lässt offen, ob Anson selbst überhaupt weiß, ob er schwul ist - und genau das ist die bittere, unbequeme Pointe: Wie weißt du mit elf Jahren, ob du schwul bist oder nicht?

Regisseur Luis Fernando Midence hat den Film 2009 produziert, inspiriert von realen Fällen: In den Jahren zuvor hatten sich in den USA mehrere sehr junge Schüler - darunter zwei Elfjährige - nach schwerem Mobbing das Leben genommen, weil Mitschüler sie als „gay" beschimpft hatten. „Uncertain" war Midences Versuch, diese Tragödien in einen künstlerischen Kontext zu setzen - und zugleich eine Warnung, kein Anleitung.

Low-Budget-Authentizität statt Hollywood-Glätte

Die Machart von „Uncertain" ist low-budget, fast amateurhaft - manche Kritiker bemängelten das „campy and embarrassing acting" und die „amateurish visual". Das stimmt. Aber das macht den Film paradoxerweise auch eindringlicher: Er fühlt sich ungeschönt an, roh, nicht nach Hollywood. Das lässt wenig Raum für Verdrängung.

Was „Uncertain" 2026 von vielen neueren Coming-out- oder LGBTQ+-Filmen unterscheidet: Er stellt die Frage nach Identität radikal in den Mittelpunkt, ohne sie zu beantworten. Viele heutige queere Filme für jüngere Zuschauer*innen zeigen selbstbewusste Teenager, die ihre Sexualität schon erkannt haben und sich „nur noch" behaupten müssen. „Uncertain" dagegen zeigt ein Kind, das selbst nicht weiß, wer es ist - aber bereits bestraft wird für das, was andere in ihm sehen. Das ist nach wie vor eine bittere Realität für viele queere Jugendliche, gerade in konservativen oder ländlichen Umfeldern.

Triggerwarnung: Der Film thematisiert explizit Suizid und Mobbing. Wenn du selbst mit suizidalen Gedanken kämpfst oder gerade in einer Krise steckst, kann der Film belastend sein. Hol dir in diesem Fall bitte Unterstützung (z. B. Telefonseelsorge 0800 111 0 111, rund um die Uhr erreichbar).

Festival-Film statt Streaming - wo du ihn findest

Aktuell ist „Uncertain" in keinem der gängigen Streaming-Dienste in DACH (Netflix, Amazon Prime, Mubi, Disney+, ARD/ZDF Mediathek, ORF-On, SRF Play) verfügbar (Stand: April 2026). Der Film wurde auf Festivals gezeigt und war zeitweise auf YouTube und Vimeo zu finden - Midence selbst hat in Interviews erklärt, dass er seine Kurzfilme nach dem Festivalzyklus gern online stellt, damit Leute, die nach solchen Geschichten suchen, sie finden können.

  • Am besten suchst du auf YouTube oder Vimeo direkt nach „Uncertain Luis Fernando Midence" - mit etwas Glück ist der Film dort weiterhin frei verfügbar.
  • Falls du auf queeren Kurzfilm-Festivals oder speziellen Kurzfilm-Plattformen unterwegs bist (z. B. das neue Vilpa Max, das 2026 gestartet ist), könnte der Film dort auftauchen.
  • Eine offizielle DVD- oder BluRay-Veröffentlichung gibt es nicht.

Luis Fernando Midence - sein queeres Kurzfilm-Universum

Luis Fernando Midence hat seitdem mehrere weitere queere Kurzfilme gedreht, die sich lohnen:

  • „One on One" (2010) - Eine romantische Komödie über Alex und Trevor, die ihre Beziehung auf und neben dem Basketballplatz aushandeln. Leichter, spielerischer Ton, aber auch hier geht es um die Frage, wie offen man als schwules Paar in der Öffentlichkeit sein kann.
  • „Encontrando Juntos" (2021) - Erzählt die Liebesgeschichte von Eddie und Byron, die ihre Beziehung vor COVID-19 beginnen und dann durch die Pandemie navigieren müssen. Intim, ehrlich, unprätentiös.
  • „Lo Que No Sanamos" (2022) - Midences jüngeres Werk, ebenfalls ein Kurzfilm, der sich mit unverarbeiteten Traumata beschäftigt.

Wenn du generell an Filmen interessiert bist, die Mobbing, Suizid und queere Jugend thematisch ernst nehmen, schau dir auch „Pariah" (2011, Dee Rees), „Giant Little Ones" (2018, Keith Behrman) oder die Doku-Serie „Pray Away" (2021, Netflix) an.

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