Vielleicht lieber morgen - ein Coming-of-Age-Film, der Mental Health ernst nimmt

Ein schüchterner Außenseiter, ein schwules Stiefgeschwisterpaar und das erste Highschool-Jahr: Warum diese Romanverfilmung von 2012 auch 2026 noch einer der ehrlichsten Coming-of-Age-Filme ist.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

Vielleicht lieber morgen - ein Coming-of-Age-Film, der Mental Health ernst nimmt - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Die meisten Highschool-Filme zeigen dir das erste Jahr als große Party - Freundschaften werden geschlossen, Romanzen entflammen, alle tanzen durchs Leben. Vielleicht lieber morgen zeigt dir die andere Seite: Was ist, wenn du der bist, der am Rand steht? Wenn du mit Depressionen kämpfst, wenn dein bester Freund sich das Leben genommen hat und du nicht weißt, wie du überhaupt durch den Tag kommen sollst? Und dann trotzdem Hoffnung findest, in den ungewöhnlichsten Menschen.

Charlies Weg aus der Einsamkeit

Der Film aus dem Jahr 2012 basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stephen Chbosky, der auch selbst Regie führte und die Hauptrollen mit Logan Lerman, Emma Watson und Ezra Miller besetzte. Charlie ist 15, introvertiert und hat gerade sein erstes Jahr an der Highschool begonnen. Es wird angedeutet, dass er vor nicht allzu langer Zeit einen psychischen Zusammenbruch erlitten hat und Psychopharmaka nimmt. Sein einziger Freund hat Selbstmord begangen, und Charlie tut sich extrem schwer, neue Anschlüsse zu finden. Am ersten Schultag führt er genau ein Gespräch - mit seinem Englischlehrer Mr. Anderson.

Dann trifft er bei einem Footballspiel auf Patrick und dessen Stiefschwester Sam. Patrick ist offen schwul, provokant und charmant, Sam ist warmherzig, hat aber ihre eigenen Narben aus einer traumatischen Kindheit. Die beiden nehmen Charlie in ihre Clique von Außenseitern auf - und plötzlich erlebt Charlie, was es heißt, dazuzugehören. Er verliebt sich in Sam, experimentiert mit Drogen, tanzt zu den Smiths, spielt in der Rocky Horror Picture Show mit. Aber je näher ihm die beiden kommen, desto stärker holt ihn seine verdrängte Vergangenheit ein.

Der Film basiert auf dem Briefroman von Stephen Chbosky, der 1999 von MTV veröffentlicht wurde. Charlie schreibt Briefe an einen unbekannten Adressaten - so bekommst du direkten Zugang zu seinen Gedanken, seiner Verletzlichkeit, seiner Art, die Welt zu beobachten. Das Ende ist intensiv und zeigt, dass hinter Charlies Zurückhaltung mehr steckt als nur Schüchternheit.

Mental Health ernst nehmen - nicht romantisieren

Weil er Mental Health nicht als Randnotiz behandelt, sondern ins Zentrum stellt. Charlie ist kein „süßer schüchterner Nerd", sondern ein Junge, der ernsthaft mit Depressionen und einem Trauma kämpft. Der Film romantisiert das nicht, er zeigt die Brüche, die Panikattacken, die Momente, in denen Charlie sich selbst nicht mehr spürt. Und er zeigt, dass Heilung kein linearer Prozess ist - dass Freundschaft hilft, aber nicht alles löst.

Dann ist da Patrick. Ezra Miller zeigt Patrick als lockeren, ehrlichen Charakter, der grundverschiedene Rollen überzeugend spielen kann. Patrick ist offen schwul, selbstbewusst, provokant - und trotzdem verletzlich, weil er eine heimliche Beziehung mit einem Football-Jock führt, der sich nicht outen will. Der Film gibt Patrick Raum für beide Seiten: die exaltierte Selbstsicherheit und die stille Verletzung, wenn er merkt, dass er für seinen Freund nur ein Geheimnis ist. Das ist 2026 immer noch selten - queere Nebencharaktere, die echte, mehrdimensionale Geschichten bekommen, nicht nur die lustige beste Freundin spielen.

Triggerwarnung: Der Film thematisiert Suizid, sexuellen Missbrauch in der Kindheit, Depressionen und homophobe Gewalt. Das wird nicht explizit gezeigt, aber emotional sehr präsent - wenn du gerade selbst an einem schwierigen Punkt bist, ist das wichtig zu wissen.

Was vielleicht gealtert ist: Die Ästhetik ist sehr „Indie-Film 2012" - viel Smiths, David Bowie, nostalgische Kassetten, bewusst altmodische Klamotten. Manche Szenen wirken etwas kalkuliert süß. Aber genau diese Ästhetik ist auch der Charme: Der Film weiß, dass Teenager oft in Nostalgie schwelgen, auch für Zeiten, die sie nie erlebt haben. Charlie und seine Freunde *wollen* anders sein, sie *inszenieren* sich als Außenseiter - und der Film nimmt das ernst, ohne es lächerlich zu machen.

Streamen, leihen, kaufen - alle Plattformen

  • Bei Cinema of Hearts Amazon Channel kannst du ihn im Abo streamen.
  • Leihen oder kaufen: Amazon Video, Apple TV Store, Sky Store, MagentaTV, Videobuster, Verleihshop.
  • DVD und Blu-ray sind bei Videobuster, Medimops und Amazon erhältlich.
  • Derzeit gibt es keine kostenlosen Streaming-Optionen. (Stand: April 2026)

Nach „Vielleicht lieber morgen" - diese Filme passen

Dann schau dir auch diese Filme an:

  • Call Me by Your Name (2017) - Wenn du die zarte, literarische Erzählweise magst und eine queere Coming-of-Age-Geschichte suchst, die genauso intensiv, aber sonniger ist.
  • Lady Bird (2017) - Für die ehrliche, manchmal schmerzhafte Darstellung des Erwachsenwerdens, ohne falsche Romantik.
  • The Edge of Seventeen (2016) - Noch ein Außenseiter-Highschool-Film, der Mental Health ernst nimmt und sehr gut geschrieben ist.
  • Wunder (2017) - Stephen Chbosky führte danach Regie bei diesem Film mit Julia Roberts und Owen Wilson, der ebenfalls davon handelt, wie Kinder Ausgrenzung überwinden. Weniger düster, aber genauso empathisch.

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