Was bedeutet transgender? Ein ehrlicher Guide für dich

Du hast den Begriff schon oft gehört, aber was steckt wirklich dahinter? Wir erklären dir, was transgender heißt, was es nicht heißt und warum das Thema auch für dich als schwulen Jungen wichtig sein kann.

justboys-Redaktion

7 Min Lesezeit

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Vielleicht kennst du das: Du sitzt mit Freunden zusammen, scrollst durch TikTok oder Insta, und irgendwo fällt das Wort "trans". Manche reden ganz selbstverständlich darüber, andere machen vielleicht dumme Witze, und du selbst bist dir nicht sicher, was du eigentlich genau darüber weißt. Vielleicht hast du auch schon Diskussionen mitbekommen, in denen es richtig hitzig wurde, ohne dass am Ende klar war, worum es eigentlich geht.

Genau deshalb wollen wir uns das heute mal in Ruhe anschauen. Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne kompliziertes Gender-Studies-Vokabular, sondern so, wie man halt mit einem Kumpel darüber reden würde.

Erstmal das Wichtigste: Was heißt transgender überhaupt?

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, schaut der Arzt oder die Hebamme kurz zwischen die Beine und sagt entweder "Junge" oder "Mädchen". Das nennt man das Geschlecht, das einem bei der Geburt zugewiesen wird. Bei den meisten Menschen passt diese Zuweisung später auch zu dem, wie sie sich selbst fühlen. Diese Menschen nennt man cisgender, oder kurz cis.

Bei manchen Menschen passt das aber nicht. Sie spüren tief in sich, dass sie nicht das Geschlecht sind, das ihnen damals zugewiesen wurde. Genau das bedeutet transgender, oder kurz trans. Ein trans Junge ist also jemand, der bei der Geburt als Mädchen eingeordnet wurde, sich aber als Junge fühlt und auch einer ist. Bei einem trans Mädchen ist es umgekehrt.

Wichtig dabei: Es geht nicht darum, dass jemand sich für ein Geschlecht "entscheidet" oder eine Phase durchläuft. Trans Menschen sind das Geschlecht, als das sie sich identifizieren. Punkt. So wie du auch nicht entschieden hast, schwul zu sein, sondern es einfach bist.

Geschlecht und sexuelle Orientierung sind nicht das Gleiche

Das ist ein Punkt, der ständig durcheinander geworfen wird, deshalb hier nochmal in aller Deutlichkeit: Wer du bist und wen du liebst, das sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Deine Geschlechtsidentität beantwortet die Frage: Wer bin ich? Bin ich ein Junge, ein Mädchen, beides, weder noch? Deine sexuelle Orientierung beantwortet die Frage: Wen finde ich attraktiv? Männer, Frauen, beide, niemanden?

Das heißt konkret: Ein trans Junge kann genauso schwul, hetero, bi oder asexuell sein wie ein cis Junge. Trans zu sein hat erstmal nichts damit zu tun, auf wen man steht. Es gibt schwule trans Männer, die in unsere Community gehören wie jeder andere auch. Es gibt hetero trans Männer, die auf Frauen stehen. Und alles dazwischen.

Wie merken trans Menschen, dass sie trans sind?

Das ist von Person zu Person ziemlich unterschiedlich. Manche wissen schon als kleines Kind, dass irgendwas nicht stimmt. Sie sagen mit drei oder vier Jahren immer wieder, dass sie eigentlich ein Junge oder ein Mädchen sind, auch wenn die Eltern und alle anderen ihnen das Gegenteil erzählen. Andere merken es erst in der Pubertät, wenn der Körper sich plötzlich in eine Richtung verändert, die sich völlig falsch anfühlt. Wieder andere kommen erst als Erwachsene drauf, weil ihnen vorher einfach die Worte und das Wissen gefehlt haben, um zu beschreiben, was sie eigentlich fühlen.

Das Gefühl, das viele trans Menschen beschreiben, nennt man Geschlechtsdysphorie. Es ist dieses tiefe Unwohlsein, wenn der eigene Körper und das eigene Innere nicht zusammenpassen. Manche empfinden das beim Blick in den Spiegel, andere wenn jemand sie mit dem falschen Namen oder den falschen Pronomen anspricht, wieder andere bei körperlichen Veränderungen in der Pubertät.

Nicht jede trans Person erlebt diese Dysphorie gleich stark, und es gibt auch trans Menschen, die zwar wissen, dass sie trans sind, aber keinen großen Leidensdruck verspüren. Auch das ist okay.

transmann

Was bedeutet "Transition"?

Wenn eine trans Person Schritte unternimmt, um so zu leben, wie sie wirklich ist, nennt man das Transition. Das läuft bei jedem anders ab, und es gibt nicht den einen richtigen Weg.

Die soziale Transition betrifft das Außen im Alltag. Da geht es darum, einen neuen Namen zu wählen, andere Pronomen zu nutzen (also zum Beispiel "er" statt "sie"), die Kleidung zu wechseln, vielleicht die Haare anders zu schneiden. Coming-out bei Familie, Freunden und in der Schule gehört auch dazu.

Die medizinische Transition ist optional und nicht jede trans Person macht das. Dazu gehören Hormone, die den Körper verändern, und manchmal auch Operationen. Bei jüngeren Jugendlichen können auch sogenannte Pubertätsblocker eingesetzt werden, die die Pubertät erstmal pausieren, damit Zeit zum Nachdenken bleibt.

Die rechtliche Transition bedeutet, dass Vorname und Geschlechtseintrag offiziell geändert werden, also im Pass, im Ausweis, in den Schulzeugnissen.

Wichtig zu wissen: Eine Person ist nicht "mehr trans", weil sie schon Hormone nimmt, und nicht "weniger trans", wenn sie keine OPs hatte. Wer trans ist, bestimmt nicht der Körper, sondern die Person selbst.

Warum ist das auch für unsere Community relevant?

Vielleicht denkst du dir gerade: Okay, spannend, aber was hat das mit mir als schwulem Jungen zu tun? Ziemlich viel sogar.

Erstens, weil trans Männer Teil unserer queeren Community sind und immer waren. Das T in LGBTQ steht genau dafür. Auf jeder Pride, in jeder queeren Bar, in jedem Coming-out-Verein gibt es trans Menschen, und viele davon sind selbst auch schwul. Wenn wir als Community zusammenhalten wollen, dann zusammen, nicht jeder für sich.

Zweitens, weil die Kämpfe oft die gleichen sind. Sowohl wir schwulen Jungs als auch trans Menschen haben mit Vorurteilen, blöden Sprüchen und manchmal auch echtem Hass zu tun. Wer schon mal im Klassenzimmer als "schwul" beleidigt wurde, weiß genau, wie sich das anfühlt. Trans Jugendliche erleben oft sehr ähnliches und manchmal noch heftiger.

Drittens, weil du vielleicht selbst irgendwann jemanden datest, kennenlernst oder zum Freund hast, der trans ist. Und dann ist es einfach gut, wenn du nicht bei null anfängst, sondern verstehst, was Sache ist.

Was du tun kannst, wenn jemand sich dir gegenüber outet

Stell dir vor, ein Kumpel oder jemand, den du gerade kennenlernst, sagt dir, dass er trans ist. Was dann?

Das Wichtigste: Bleib chillig. Reagier so, wie du dir gewünscht hättest, dass jemand auf dein Coming-out reagiert. Bedank dich für das Vertrauen, denn ein Coming-out kostet immer Überwindung. Frag, welcher Name und welche Pronomen verwendet werden sollen, und nutz sie dann auch konsequent.

Was du nicht machen solltest: Frag nicht nach Operationen, Genitalien oder dem alten Namen (das nennt man Deadname und ist für die meisten echt schmerzhaft). Stell dir mal vor, jemand würde dich ständig fragen, wie dein Sexleben im Detail aussieht. Wäre auch eklig, oder? Genauso ist das.

Mach keine Komplimente wie "Aber man sieht dir das gar nicht an". Das ist zwar nett gemeint, kann aber unterschwellig heißen: Eigentlich bist du doch eine Frau oder ein Mann, du tarnst dich nur gut. Sag stattdessen einfach, dass du dich freust, ihn so kennenzulernen, wie er ist.

Es gibt mehr als nur Mann oder Frau

Noch ein letzter Punkt, weil er wichtig ist: Manche Menschen sind weder ganz Mann noch ganz Frau, oder sie wechseln zwischen den Geschlechtern, oder sie haben gar kein Geschlecht. Dafür gibt es Begriffe wie nicht-binär, genderfluid oder agender. Auch das fällt unter den großen Schirm "trans", auch wenn nicht alle nicht-binären Menschen sich selbst als trans bezeichnen.

Du musst dir nicht alle Begriffe merken. Wichtig ist nur die Grundhaltung: Jeder Mensch weiß selbst am besten, wer er ist. Dein Job ist nicht, das zu beurteilen, sondern die Person ernst zu nehmen.

Zum Schluss

Trans zu sein ist keine Mode, kein Trend und keine Spinnerei. Es gibt trans Menschen seit es Menschen gibt, in jeder Kultur, zu jeder Zeit. Was sich geändert hat, ist nur, dass heute mehr darüber gesprochen wird und mehr Leute den Mut haben, offen zu leben.

Wenn du selbst gerade merkst, dass dich diese Themen ganz persönlich angehen, weil du dir bei deiner eigenen Identität nicht sicher bist: Auch das ist völlig okay. Niemand muss mit sechzehn schon alles über sich wissen. Lass dir Zeit, sprich mit Leuten, denen du vertraust, und melde dich gerne bei Beratungsstellen oder direkt bei uns in der Community.

Und falls du einfach nur ein guter Verbündeter sein willst: Das fängt damit an, zuzuhören, dazuzulernen und dumme Sprüche nicht durchgehen zu lassen. Mehr braucht es manchmal gar nicht, um für jemanden den Unterschied zu machen.

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