Wenn du heute Netflix öffnest und queere Charaktere in gefühlt jeder zweiten Serie findest, dann kannst du dir bei „Will & Grace" bedanken. Die NBC-Sitcom war Ende der 90er-Jahre eine der ersten Primetime-Serien mit offen schwulen Hauptfiguren - und sie lief nicht auf irgendeinem Nischensender, sondern zur besten Sendezeit im US-Mainstream. Das war damals revolutionär. Und auch wenn die Serie inzwischen über 25 Jahre alt ist: Sie lohnt sich 2026 immer noch - allerdings mit ein paar Einschränkungen.
Will & Grace: Freundschaft statt Romantik in Manhattan
Will Truman ist ein erfolgreicher schwuler Anwalt in Manhattan. Grace Adler ist eine heterosexuelle Innenarchitektin. Die beiden sind beste Freunde, teilen sich eine Wohnung - und könnten das perfekte Paar sein, wäre da nicht die Kleinigkeit, dass Will eben auf Männer steht. Die ursprüngliche Serie lief von 1998 bis 2006 über acht Staffeln. 2017 gab es dann überraschend ein Revival, das bis 2020 drei weitere Staffeln produzierte.
Das Quartett wird komplettiert durch Jack McFarland, Wills besten Freund - ein extrem femininer, theatralischer Möchtegern-Schauspieler, der seine Homosexualität im Gegensatz zu Will sehr offensiv auslebt. Und dann ist da noch Karen Walker, Graces reiche, pillensüchtige, zynische Assistentin, die eigentlich nie arbeitet, aber trotzdem immer da ist. Die vier navigieren durch Beziehungschaos, Karriereprobleme und den ganz normalen New Yorker Wahnsinn - immer mit messerscharfen Dialogen, Pop-Kultur-Referenzen und einer ordentlichen Portion Alkohol.
Die zentrale Dynamik ist die zwischen Will und Grace: eine Freundschaft, die immer wieder auf die Probe gestellt wird, wenn einer von beiden eine neue Beziehung eingeht. Im Laufe der elf Staffeln gibt es Hochzeiten, Scheidungen, Babywünsche und die große Frage: Kann eine platonische Freundschaft zwischen einem schwulen Mann und einer hetero Frau wirklich funktionieren? Spoiler: Ja, kann sie - aber es ist kompliziert.
Warum eine Sitcom von 1998 das queere TV prägte
„Will & Grace" hat queeres Fernsehen in den Mainstream gebracht. Als die Serie 1998 startete, gab es kaum vergleichbare Formate. Serien wie „Queer as Folk" oder „The L Word" kamen erst Jahre später. „Will & Grace" erreichte Millionen von Zuschauern, die vorher wenig Berührung mit queeren Lebensrealitäten hatten - und das zu einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Ehe in den USA noch undenkbar war. Die Serie hat nachweislich dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen.
Gleichzeitig ist die Serie heute auch ein Zeitdokument - und hier wird es kompliziert. Die Darstellung von Jack als stereotype „Tunte" war schon damals umstritten und wirkt 2026 stellenweise überholt. Auch die Witze über Gewicht, Gender-Rollen und sexuelle Vorlieben würden heute teilweise so nicht mehr geschrieben werden. Die Serie ist ein Produkt ihrer Zeit - und das merkt man.
Trotzdem: Die Chemie zwischen den vier Hauptdarstellern ist grandios. Eric McCormack, Debra Messing, Sean Hayes und Megan Mullally wurden alle für ihre Rollen mit Emmys ausgezeichnet - ein seltener Erfolg für eine Ensemble-Serie. Die Dialoge sitzen, die Timing ist perfekt, und viele Episoden sind auch 2026 noch verdammt lustig. Besonders das Revival (Staffeln 9-11) hat versucht, zeitgemäßer zu werden - mit Grindr-Witzen, Trump-Spitzen und einem offeneren Umgang mit queerer Vielfalt.
Triggerwarnung: Einige Witze der frühen Staffeln bedienen Klischees und können als problematisch empfunden werden. Wer sensibel auf veraltete Darstellungen von Homosexualität reagiert, sollte das im Hinterkopf behalten.
Streaming & Physical: So findest du alle Staffeln
- Amazon Prime Video: Einzelne Staffeln zum Kauf oder Leihen verfügbar (Preise variieren je nach Staffel)
- DVD/BluRay: Die komplette Original-Serie (Staffeln 1-8) sowie die Revival-Box (Staffeln 9-11) sind über den Handel erhältlich (z. B. bei Amazon oder Plaion Pictures)
- Kein Streaming-Abo-Angebot in DACH bekannt (Stand April 2026) - weder bei Netflix, Disney+, Mubi noch anderen Plattformen
Nach Will & Grace: Deine nächste Lieblingsserie
Wenn du „Will & Grace" magst, könnten diese Serien/Filme für dich interessant sein:
- „Queer as Folk" (US/UK): Deutlich expliziter und queerer als „Will & Grace", aber mit ähnlichem Fokus auf Freundschaft und Community.
- „Schitt's Creek": Moderne Comedy mit pansexuellem Hauptcharakter, warmherzig und ohne Klischees - ein würdiger Nachfolger.
- „The Other Two": Bissige Satire über das Entertainment-Business mit einem schwulen Hauptcharakter, der an Jack erinnert, aber weniger stereotyp gezeichnet ist.
- „Modern Family": Ensemble-Sitcom mit schwulem Paar als Hauptfiguren - familienfreundlicher als „Will & Grace", aber ähnlich herzerwärmend.
