XENIA - Queere Odyssee durch ein Griechenland voller Widersprüche

Zwei ungleiche Brüder suchen ihren Vater, einen Platz in der griechischen Gesellschaft - und sich selbst. Panos H. Koutras' farbenfrohes Roadmovie ist Camp, Coming-of-Age und politisches Statement zugleich.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

XENIA - Queere Odyssee durch ein Griechenland voller Widersprüche - Coverbild

© Salzgeber & Co. Medien / Filmverleih — Pressefoto

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Ein schwuler 16-Jähriger mit gebleichtem Haar und einem weißen Kaninchen in der Reisetasche, der sich durch Athen tanzt - und dabei auf eine Gesellschaft trifft, die ihn weder als Albaner noch als queere Person haben will. XENIA ist kein Film, der leise daherkommt. Aber genau diese schrille, ungeschminkte Energie macht ihn zu einem der interessantesten queeren Roadmovies der letzten Jahre.

Danny und Odysseas: Zwei Brüder auf der Flucht

Der Film aus dem Jahr 2014 erzählt von Danny und Odysseas (genannt Ody), zwei Brüdern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Nach dem Tod ihrer albanischen Mutter taucht der 16-jährige Danny bei seinem älteren Bruder in Athen auf. Danny ist impulsiv, träumerisch, offen schwul - und zieht Probleme magisch an. Ody dagegen versucht, in der griechischen Gesellschaft unsichtbar zu bleiben, trotz seiner albanischen Wurzeln, die ihn zur Zielscheibe machen.

Als die beiden nach einem Zwischenfall vor der Polizei fliehen müssen, beschließen sie, ihren verschollenen griechischen Vater zu suchen. Der Plan: Er soll Ody eine Eintrittskarte zur Casting-Show „Greek Superstar" verschaffen, damit dieser endlich seine Gesangskarriere starten kann. Und nebenbei könnte eine offizielle Vaterschaftsanerkennung die drohende Abschiebung verhindern - denn ohne griechische Staatsbürgerschaft droht beiden mit 18 die Deportation.

Was folgt, ist eine wilde Reise quer durch Griechenland: vorbei an verfallenen „Xenia"-Hotels (einst Symbole griechischer Gastfreundschaft, heute Ruinen), durch Nachtclubs und an rechtsextreme Schläger vorbei. Regisseur Panos H. Koutras inszeniert das als buntes, fast märchenhaftes Roadmovie voller Tanzeinlagen zu italienischer Pop-Diva Patty Pravo, surrealer Traumsequenzen und brutaler Realitätsschocks. Die beiden Hauptdarsteller Kostas Nikouli (Danny) und Nikos Gelia (Ody) tragen den Film mit einer Intensität, die zwischen kindlicher Verletzlichkeit und trotziger Selbstbehauptung changiert.

Rauer Realismus statt Feel-Good-Narrativ

XENIA ist im besten Sinne unordentlich - ein Film, der nicht glattgebügelt wurde, um massentauglich zu sein. Wo viele queere Coming-of-Age-Filme heute vor allem Hoffnung und Heilung versprechen, zeigt Koutras auch die Gewalt: Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und die Brutalität einer Gesellschaft in der Krise. Das Griechenland, das hier gezeigt wird, ist das der Eurokrise, der erstarkenden Rechten (der Film spielt bewusst mit der Symbolik der Goldenen Morgenröte), der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit.

Gleichzeitig hat der Film eine queere Leichtigkeit, die ihm heute fast abgeht: Danny ist nicht auf der Suche nach Akzeptanz oder einem großen Selbstfindungs-Moment. Er ist einfach - schwul, chaotisch, manchmal nervig, manchmal großartig. Das wirkt 2026 fast radikal selbstverständlich. Koutras wurde oft als „griechischer Almodóvar" bezeichnet, und tatsächlich teilt XENIA diese Mischung aus Camp, Melodram und politischem Bewusstsein.

Ein Hinweis: Der Film enthält explizite Gewaltszenen (queerfeindliche und rassistische Übergriffe) sowie Darstellungen von Drogenkonsum und sexuellen Situationen. Für Zuschauer, die aktuell mit ähnlichen Diskriminierungserfahrungen kämpfen, kann das triggern.

Prime, Apple TV, Google Play - XENIA findet dich

  • Amazon Prime Video - im Abo verfügbar (Stand April 2026 für Österreich und Deutschland)
  • Apple TV - zum Leihen oder Kaufen
  • Google Play Movies - zum Leihen oder Kaufen
  • DVD - über Pro-Fun Media oder spezialisierte queere Buchhandlungen wie Löwenherz (ca. 15 EUR)

Falls du den Film auf einem queeren Filmfestival sehen willst: XENIA läuft gelegentlich noch bei Retrospektiven oder thematischen Reihen zu griechischem Kino oder New Queer Cinema.

Nach Koutras & Co.: Queere Roadmovies mit Ecken

  • Strella (2009) - Panos H. Koutras' früherer Film über eine Trans-Sexarbeiterin in Athen; noch rauer und direkter als XENIA
  • God's Own Country (2017) - ebenfalls ein queeres Roadmovie (wenn auch im ländlichen England), das Coming-out, Isolation und die Suche nach Zugehörigkeit verbindet
  • Attenberg (2010) - kein explizit queerer Film, aber wie XENIA eine griechische Produktion aus der „Weird Wave"-Zeit, die das Gefühl von Fremdheit im eigenen Land einfängt

Übrigens: Regisseur Panos H. Koutras hat 2022 mit DODO einen neuen Film veröffentlicht - diesmal keine queere Thematik im Zentrum, aber sein visueller Stil und sein Gespür für Außenseiter bleiben unverwechselbar.

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