Ein polyamores Trio, ein Wochenendausflug aufs Land, und plötzlich wird aus dem romantischen Kurztrip eine Zerreißprobe. "Cazadores de unicornios" von Francisco Gomariz verspricht keine leichte Kost, sondern einen ehrlichen Blick auf Beziehungsmodelle jenseits der Monogamie.
Drei Menschen, eine Beziehung, und die Frage: Hält das?
René, Luz und Tao sind jung, verliebt und zu dritt. Die drei leben ihre polyamore Beziehung in der Stadt, wo sich das moderne Leben leichter anfühlt. Doch als sie für ein Wochenende aufs Land fahren, bleibt ihr Auto liegen, und sie sitzen fest. In der ländlichen Isolation bricht auf, was in der urbanen Komfortzone unter der Oberfläche brodelte: Zweifel, Wünsche, unterschiedliche Bedürfnisse. Die Beziehung wird zum Brennglas für Fragen nach Identität, Eifersucht und dem, was man wirklich will.
Poly-Repräsentation: Endlich mal ohne Klischees?
Was "Cazadores de unicornios" spannend macht, ist die Prämisse. Polyamorie im queeren Film wird oft entweder glorifiziert oder zur dramatischen Katastrophe stilisiert. Hier scheint Gomariz einen Mittelweg zu wählen: Keine Utopie, kein moralisches Urteil, sondern eine ehrliche Erkundung. Dass das Drehbuch auch die "Stranded"-Situation nutzt, um Druck aufzubauen, ist clever. Isolation zwingt Figuren zur Auseinandersetzung, und genau das braucht ein Beziehungsdrama.
Regisseur und Drehbuchautor Francisco Gomariz ist bisher kein großer Name im internationalen queeren Kino, aber genau das kann ein Vorteil sein. Ohne das Gewicht großer Produktionsfirmen im Rücken entstehen oft die mutigeren, ungeschliffeneren Geschichten. Ob der Film die Balance zwischen Intimität und Überdramatisierung halten kann, wird sich zeigen.
Cast: Unbekannte Gesichter mit Potenzial
Die drei Hauptrollen werden von Alma Holovatuck, Julián Ponce Campos und Luisina Sclavi gespielt. Alle drei sind keine Mainstream-Namen, was dem Film eine gewisse Authentizität verleihen könnte. Bei Indie-Produktionen steht und fällt alles mit der Chemie zwischen den Darstellenden, besonders bei einem Beziehungsfilm. Wenn die drei es schaffen, die Zwischentöne und Spannungen glaubwürdig zu transportieren, könnte "Cazadores de unicornios" ein kleiner Geheimtipp werden. Wenn nicht, droht die Gefahr, dass das Ganze in langatmige Dialoge und hölzerne Blicke abdriftet.
Claudio Molfino und Oscar Sarco runden die Besetzung ab, vermutlich in Nebenrollen als Dorfbewohner oder Personen, die das Trio auf ihrer unfreiwilligen Landleben-Tour treffen.
Wo du es sehen kannst
Derzeit gibt es keine Infos zu einer regulären Streaming- oder Kino-Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum. Der Film startet weltweit am 5. September 2026, aber ob und wo er in Deutschland, Österreich oder der Schweiz verfügbar sein wird, ist noch unklar. Es ist gut möglich, dass "Cazadores de unicornios" zunächst auf Festivals läuft, bevor er auf Plattformen landet. Halte Ausschau nach Ankündigungen zu queeren Filmfestivals im Herbst 2026, da könnte der Film auftauchen.
Lohnt sich das Warten?
Schwer zu sagen, ohne den Film gesehen zu haben. Die Prämisse ist vielversprechend, weil sie ein Thema aufgreift, das in queeren Communities sehr präsent ist: offene und polyamore Beziehungen. Viele von uns kennen das Gefühl, gegen heteronormative Erwartungen anzukämpfen, und polyamore Beziehungen sind oft noch ein Tabu innerhalb queerer Räume selbst. Ein Film, der das ernst nimmt und nicht zur Pointe macht, wäre längst überfällig.
Andererseits: Indie-Dramas können schnell ins Prätentiöse abdriften. Wenn "Cazadores de unicornios" zu sehr auf langsame Einstellungen, minimalistische Dialoge und kunstvolle Kamerafahrten setzt, ohne echte emotionale Tiefe zu liefern, wird es anstrengend. Die Frage ist also: Traut sich Gomariz, seine Figuren wirklich verletzlich zu zeigen, oder bleibt alles schön auf Distanz? Das wird den Unterschied zwischen "okay" und "sehenswert" ausmachen.
Bis September 2026 bleibt der Film ein Fragezeichen. Wenn du auf unabhängiges queeres Kino stehst und Lust hast, Beziehungsmodelle jenseits der Norm erkundet zu sehen, behalte "Cazadores de unicornios" im Auge. Falls der Film auf einem Festival in deiner Nähe läuft, könnte sich der Besuch lohnen. Bis dahin gilt: abwarten, Trailer checken und hoffen, dass der Film nicht nur schön anzuschauen ist, sondern auch etwas zu sagen hat.




