Filter (2026), Schwul sein ist geklärt, der Rest nicht

Matty ist 16, längst geoutet, und dann verliebt er sich in den Falschen. Die tschechische Miniserie lässt das Coming-out weg und zeigt, was danach schiefläuft.

Redaktion

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1/6 · 25 Min

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Aufnahmeprüfung. Matty hat Angst vor dem Test und will seine Freunde nicht verlieren. An dem Tag lernt er Radek kennen.

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Der Player startet auf der Seite des Tschechischen Fernsehens. Gesprochen wird Tschechisch, deutsche Untertitel gibt es dort nicht. Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz klappt der Start oft nicht.

Matty ist 16, schwul, und in seiner Familie weiß das längst jeder. Die Krise in „Filter“ ist eine andere. Er verliebt sich in den falschen Jungen, und eine App übernimmt den Rest.

Hinweis: In der Serie kommen Dating-Apps vor, sexuelle Situationen, Mobbing und eine sexuell übertragbare Infektion. Nichts davon wird als Lehrstunde verpackt.

Aufnahmeprüfung, und dann der falsche Junge

Matty, mit vollem Namen Matyáš, steht vor der Aufnahmeprüfung einer Kunstschule. In Tschechien ist das der Wechsel nach neun Jahren Grundschule. Er will seine alten Freunde nicht verlieren, und er hat Angst, den Test nicht zu schaffen. An diesem Tag lernt er Radek kennen. Radek ist ungefähr so alt, sympathisch, und er hat eine Freundin.

Damit ist die Richtung klar, noch bevor die Schule überhaupt anfängt. Matty rückt Radek näher, Radek bleibt bei seiner Freundin, und parallel dazu wartet Matty auf das Ergebnis der Prüfung. Sechs Folgen, jede zwischen 22 und 29 Minuten. Das ist ein Abend, keine Staffel, durch die du dich wochenlang hängst.

Regie und Drehbuch liegen bei David Semler. Die Serie lief ab dem 2. September 2026 im tschechischen Fernsehen, vorher war sie in Karlovy Vary zu sehen.

Kein Coming-out, dafür die Zeit danach

Viele Serien über schwule Jungs fangen dort an, wo jemand es endlich sagt. „Filter“ fängt danach an. Matty ist durch. Was ihn umhaut, ist nicht seine Orientierung, sondern der erste große Fehler in der Liebe, und dann der nächste.

Der Titel meint die Dating-App in der Serie. Er meint außerdem das Bild, das du von dir nach außen stellst. Oft zählt, wie du wirkst, mehr als wer du bist. Die Macher haben die Geschichte genau dafür gebaut: Figuren, die im Fernsehen sonst nur dann auftauchen, wenn es ums Coming-out geht. Hier ist das Coming-out vorbei, und das Leben geht trotzdem schief.

Zu Hause ist es laut, aber nicht feindlich. Die Mutter, gespielt von Martha Issová, sortiert gerade ihr eigenes Leben neu, inklusive eines neuen Partners. Die Oma wohnt mit im Haus und mischt sich ein. Matty muss aus diesem Zuhause nicht fliehen. Hilfe bekommt er dort trotzdem nicht immer.

Auf dem Kennenlern-Ausflug der neuen Klasse kommt er zu spät dran. Die anderen kennen sich schon, und die eine Person, die mit ihm redet, ist Alice, die in der Klasse als schräg gilt. Ab da wird aus dem Sommer ein Stapel aus Geheimnissen, Partys und Entscheidungen, die du Matty nicht alle durchgehen lassen willst.

Junge Gesichter, kein Star-Cast

Antonio Šoposki spielt Matty, Adam Buš spielt Radek. Beide sind keine Namen, die du aus anderen Serien schon im Kopf hast, und genau das trägt die Folgen. Šoposki lässt Matty unbeholfen sein, ohne ihn zum Witz zu machen. Issová als Mutter und Simona Peková als Oma sind die bekannten Gesichter dazwischen.

Die Clique aus der Grundschule bleibt dünner. Du verstehst, wen Matty nicht verlieren will. Was diese Freundschaften aushalten, wenn es eng wird, zeigt die Serie kaum. Das Versprechen, für immer zusammenzubleiben, steht im Raum. Eingelöst wird es nicht, und die Serie fragt auch nicht lange nach, warum.

Wo es unbequem wird

Spoiler: Ab hier geht es um das, was Matty später anstellt.

Es geht um Nachrichten und Bilder, die du nicht zurückholen kannst. Es geht um Sex über die App, der sich falsch anfühlt, weil Matty merkt, dass ihn jemand benutzt. Und es geht um eine Infektion, die in der Serie vor allem Scham auslöst. Dass so etwas in einer Serie über einen 16-Jährigen überhaupt vorkommt, ist selten. Dass die Scham größer geschrieben wird als eine klare Ansage, was jetzt zu tun ist, ärgert.

Matty ist in dem Alter verständlich durcheinander. Sechs Folgen reichen, um das zu zeigen. Sie reichen nicht, um die Leute um ihn herum ernst zu nehmen. Wenn jemand eine Grenze überschreitet, schaut „Filter“ lieber auf Mattys Gefühlschaos als auf die Frage, was daran nicht in Ordnung ist.

Wo du es sehen kannst

Die sechs Folgen wählst du in der Karte über dem Text. Gesprochen wird Tschechisch, deutsche Untertitel gibt es dort nicht. Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz startet der Player oft nicht, und in den großen Streaming-Abos liegt die Serie derzeit nicht.

Lohnt sich der Abend?

Ja, wenn du eine kurze Serie willst, in der schwul sein nicht die Pointe ist. Matty darf Fehler machen, ohne dass die Handlung so tut, als wäre seine Orientierung das Problem. Dafür bleibt sie flach, sobald es unbequem wird: bei den Freunden, bei den Grenzen, bei der Frage, was du in so einer Lage eigentlich tun solltest.

Unter drei Stunden, wenn du die Folgen am Stück schaust. Verstehst du Tschechisch, ist das ein Abend. Sonst wartest du besser, bis es eine Fassung mit deutschen Untertiteln gibt. Der Stoff wäre es wert.

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