Tagebuch eines Teenagers (2019), Trauer, Parties und queeres Erwachen in Buenos Aires

Nach dem Suizid seines besten Freundes verarbeitet der 16-jährige Zabo sein Leben in einem Blog. Ein argentinisches Coming-of-Age-Drama, das ehrlich von Einsamkeit, ersten queeren Erfahrungen und Trauer erzählt.

Redaktion

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Tagebuch eines Teenagers (2019), Trauer, Parties und queeres Erwachen in Buenos Aires - Coverbild

Bild © TMDb / Filmverleih

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Ein toter bester Freund, illegale Warehouse-Raves und die ersten queeren Erfahrungen: „Tagebuch eines Teenagers" ist kein Feel-Good-Film, sondern ein rohes, melancholisches Porträt eines Jahres im Leben eines jungen schwulen Teenagers aus Buenos Aires. Regisseur Lucas Santa Ana verfilmt den Roman von Nicolás Zamorano als intimes Tagebuch voller Chaos, Sex und Trauer.

Ein Jahr voller Erinnerungen und Verlust

Der 16-jährige Zabo (Renato Quattordio) schreibt in seinem Blog „Erinnerungen eines Teenagers" alles auf, was er durchlebt. Ausgangspunkt ist der Suizid seines besten Freundes Pol und die Tragödie des Cromañón-Brandes, bei dem während eines Konzerts in Buenos Aires Dutzende junge Menschen starben. Zabo versucht, mit seiner Trauer klarzukommen, während er gleichzeitig den ganz normalen Wahnsinn des Erwachsenwerdens erlebt: Schulstress, illegale Partys in verlassenen Lagerhallen, Strandurlaube mit Freunden und erste sexuelle Erfahrungen mit Mädchen und Jungs. Doch egal, wie viel er erlebt, das Gefühl der Einsamkeit bleibt.

Queere Selbstfindung ohne Kitsch

Was „Tagebuch eines Teenagers" von vielen Coming-of-Age-Filmen unterscheidet, ist die Ehrlichkeit. Zabo ist kein strahlender Held, der sich selbst findet und am Ende glücklich ist. Er ist verloren, melancholisch und experimentiert mit seiner Sexualität, ohne dass der Film das groß inszeniert oder erklärt. Es gibt Szenen mit Mädchen, Szenen mit Jungs, und der Film urteilt nicht darüber. Stattdessen zeigt er, wie Zabo versucht, herauszufinden, wer er ist, während er gleichzeitig mit dem Tod seines Freundes kämpft. Die Darstellung queerer Identität ist unaufgeregt und realistisch: keine große Coming-out-Szene, kein dramatisches Outing, sondern einfach ein Teenager, der lebt und fühlt. Regisseur Lucas Santa Ana, der selbst queer ist, inszeniert das mit viel Empathie und ohne Klischees.

Authentisch, aber nicht immer leicht

Dabei ist der Film nicht perfekt. Die episodische Struktur, die dem Tagebuch-Format folgt, macht den Film manchmal etwas sprunghaft. Manche Szenen wirken wie Momentaufnahmen ohne klaren narrativen Bogen. Das kann frustrierend sein, wenn du einen klassischen Spannungsaufbau erwartest. Aber es passt zur Perspektive eines Teenagers, dessen Leben eben auch chaotisch und ungeordnet ist. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt ein sehr intimes, manchmal schmerzvolles Porträt einer Generation, die mit Verlust und Identität ringt.

Starke Hauptdarstellung von Renato Quattordio

Renato Quattordio trägt den Film als Zabo. Seine Darstellung ist still, introspektiv und verletzlich. Er spielt Zabo nicht als typischen Coming-of-Age-Helden, sondern als jemanden, der innerlich kämpft und das nur selten nach außen zeigt. Thomás Lepera als Tomás und Malena Narvay als Tina spielen wichtige Rollen in Zabos sozialem Umfeld, bleiben aber eher Nebenfiguren. Der Film konzentriert sich fast ausschließlich auf Zabos Perspektive, was funktioniert, aber auch bedeutet, dass andere Charaktere wenig Tiefe bekommen. Das ist gewollt, verstärkt aber das Gefühl der Isolation, das Zabo durchlebt.

Wo du es sehen kannst

In Deutschland läuft „Tagebuch eines Teenagers" im Streaming-Abo über den Queer Cinemab Amazon Channel. Alternativ kannst du ihn bei Apple TV Store, Amazon Video, Google Play Movies und YouTube leihen oder kaufen. In Österreich ist er ebenfalls über Queer Cinemab Amazon Channel verfügbar, außerdem zum Leihen und Kaufen bei Amazon Video, Apple TV Store und Google Play Movies. In der Schweiz streamst du ihn mit Amazon Prime Video.

Für wen lohnt sich der Film?

„Tagebuch eines Teenagers" ist kein leichter Film. Er ist melancholisch, manchmal schwer auszuhalten und erzählt keine Geschichte mit Happy End. Aber genau das macht ihn auch wertvoll. Wenn du nach einem ehrlichen, ungeschönten Blick auf queeres Erwachsenwerden suchst, der nicht in Klischees verfällt und Trauer genauso ernst nimmt wie erste Liebschaften, dann ist das hier dein Film. Er ist rau, authentisch und zeigt, dass Coming-of-Age nicht immer bedeutet, sich selbst zu finden, sondern manchmal einfach nur zu überleben. Wer Filme wie „Sommersturm" oder „Call Me by Your Name" mag, aber etwas weniger romantisch und mehr real haben will, sollte hier reinschauen. Nur: Erwarte keine leichte Unterhaltung.

Bilder zum Film

Pressefotos und Filmstills (Bild © TMDb / Filmverleih). Genutzt im Sinne kritischer Berichterstattung gemäß §51 UrhG.

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