Ein erwachsener Sohn, der seine Mutter nicht loslassen kann. Eine lesbische Frau, die ihre neue Partnerin mit nach Hause bringt. Und ein Bungalow in Spanien, in dem plötzlich drei Menschen aufeinandertreffen, die unterschiedlicher nicht ticken könnten. André Szardenings' Langfilmdebüt Bulldog wirft einen ungeschönten Blick auf toxische Familienbande und die Frage, was passiert, wenn queere Liebe auf erdrückende Mutter-Sohn-Symbiose prallt.
Bruno gegen Hannah: Ein Kampf um Aufmerksamkeit
Bruno (Julius Nitschkoff) lebt mit seiner Mutter Toni (Lana Cooper) in einem gemeinsamen Bungalow in Spanien. Die Beziehung der beiden ist ungesund eng, Bruno ist der Mittelpunkt von Tonis Welt. Doch dann zieht Hannah (Karin Hanczewski), Tonis neue Partnerin, ein. Plötzlich muss Bruno die Aufmerksamkeit seiner Mutter teilen, und das passt ihm überhaupt nicht. Was folgt, ist ein psychologisches Kammerspiel über Eifersucht, Kontrollzwang und die Frage, wie weit ein Mensch gehen würde, um seinen Platz im Leben eines anderen zu verteidigen.
Queere Repräsentation mit Schattenseiten
Der Film zeigt eine lesbische Beziehung, aber nicht als romantisches Ideal, sondern als Beziehung, die von Anfang an unter Druck steht. Hannah ist keine Eindringlichkeit, sie ist Tonis Partnerin und hat jedes Recht, dort zu sein. Doch der Film macht klar, dass toxische Dynamiken sich nicht auflösen, nur weil queere Liebe ins Spiel kommt. Das ist einerseits erfrischend ehrlich, weil es zeigt, dass queere Beziehungen genauso komplex und konfliktbehaftet sein können wie heterosexuelle. Andererseits bleibt die Darstellung eher düster, ohne viel Raum für Hoffnung oder Heilung. Regisseur André Szardenings, der auch das Drehbuch schrieb, konzentriert sich auf die psychologischen Abgründe, weniger auf Lösungen.
Starke Performances in einem intensiven Kammerspiel
Julius Nitschkoff trägt den Film mit einer Performance, die zwischen Verletzlichkeit und unterschwelliger Aggression oszilliert. Bruno ist kein sympathischer Protagonist, aber Nitschkoff schafft es, nachvollziehbar zu machen, warum dieser Charakter so handelt. Lana Cooper gibt Toni genug Ambivalenz, dass man sich fragt, wie viel sie von Brunos Obsession bewusst zulässt oder sogar fördert. Karin Hanczewski spielt Hannah als Frau, die versucht, ihren Platz zu finden, ohne dabei ihre Würde zu verlieren. Das Trio funktioniert, auch wenn das Drehbuch ihnen wenig Luft zum Atmen lässt.
Wo du es sehen kannst
In Deutschland läuft Bulldog im Abo bei Sooner, Sooner Amazon Channel und Queer Cinemab Amazon Channel. Alternativ kannst du ihn bei Apple TV, Amazon Video, Google Play Movies, YouTube, MagentaTV oder Videoload leihen oder kaufen. In Österreich ist der Film ebenfalls bei Sooner Amazon Channel und Queer Cinemab Amazon Channel verfügbar, in der Schweiz bei Apple TV und Amazon Video zum Leihen oder Kaufen.
Ein intensives, aber bedrückendes Drama
Bulldog ist kein Film, den du dir anschaust, um dich gut zu fühlen. Er ist ein psychologisches Kammerspiel, das Unbehagen erzeugt und bewusst keine einfachen Antworten liefert. Die queere Repräsentation ist da, aber sie ist nicht der Kern der Geschichte, sondern der Kontext, in dem toxische Familiendynamiken eskalieren. Das ist mutig, aber auch anstrengend.
Für Zuschauer, die komplexe, düstere Dramas mögen und bereit sind, sich auf unangenehme Charaktere einzulassen, ist Bulldog definitiv sehenswert. Wer allerdings nach positiven queeren Geschichten oder leichter Kost sucht, sollte sich eher nach Alternativen umschauen. Der Film bleibt in Erinnerung, aber nicht unbedingt auf eine Art, die man sich öfter antun möchte.




