Coming-out - Was kommt danach?

Du hast dich geoutet oder denkst darüber nach. Aber was passiert eigentlich danach? Über die Phase zwischen "Ich weiß es" und "Ich lebe es" - und warum du damit nicht allein bist.

justboys-Redaktion

3 Min Lesezeit

Coming-out - Was kommt danach? - Coverbild

© justboys.net

Du weißt, dass du auf Männer stehst. Vielleicht hast du es ein paar Leuten gesagt, vielleicht noch niemandem. Und jetzt? Die meisten Ratgeber enden genau an dieser Stelle - als wäre mit dem Coming-out alles erledigt. Ist es aber nicht. Denn zwischen "Ich habe es mir eingestanden" und "Ich lebe offen damit" liegt oft eine Phase, über die kaum jemand spricht.

Die Zeit dazwischen: normal und anstrengend zugleich

Laut der DJI-Studie "Coming-out - und dann...?!" vergehen zwischen dem inneren Coming-out (du weißt es für dich selbst) und dem äußeren Coming-out (du sagst es anderen) im Durchschnitt etwa drei Jahre. Drei Jahre, in denen du dich fragst: Wem sage ich es? Wann? Wie? Und was, wenn die Reaktion scheiße ist?

Diese Unsicherheit ist kein Zeichen von Schwäche. Viele junge queere Menschen befürchten Schwierigkeiten im Bildungs- oder Arbeitskontext oder verletzende Bemerkungen infolge eines äußeren Coming-outs. Das hat nichts damit zu tun, dass mit dir etwas nicht stimmt - sondern damit, dass wir in einer Welt leben, die Heterosexualität als Standard behandelt. Du musst dich erklären, andere nicht. Das kostet Kraft.

Warum du dich manchmal mies fühlst (und das okay ist)

Die Ö3-Jugendstudie 2024 zeigt: 44 Prozent der queeren Gen Z berichten von schlechter mentaler Gesundheit - deutlich mehr als bei gleichaltrigen Hetero-Jugendlichen. Der Grund dafür ist nicht deine sexuelle Orientierung, sondern der Stress, der damit verbunden sein kann: Verstecken, Abwägen, ständig kalkulieren, wer wissen darf und wer nicht.

Wenn es dir gerade nicht gut geht, ist das keine persönliche Schwäche. Es ist eine nachvollziehbare Reaktion auf eine belastende Situation. Und es bedeutet nicht, dass es immer so bleibt.

Was hilft: Menschen, die verstehen

Der größte Unterschied macht oft, ob du andere kennst, die in einer ähnlichen Situation sind oder waren. Coming-out-Gruppen - also Selbsthilfegruppen, in denen du andere Menschen in der gleichen Lebenssituation kennenlernen kannst - werden von Teilnehmenden als sehr entlastend und hilfreich erlebt.

Falls du noch nicht bereit bist für persönlichen Austausch: Auch YouTube, TikTok oder Reddit können helfen. Viele junge schwule und bisexuelle Menschen informieren sich zum Beispiel in YouTube-Videos darüber, wie sie sich ihrer nicht-heterosexuellen Empfindungen sicher sein können. Es geht nicht darum, eine Checkliste abzuarbeiten - sondern darum zu sehen: Andere haben das durchgemacht. Und es ist gut ausgegangen.

Konkrete Anlaufstellen in Österreich und Deutschland

Wenn du reden möchtest - anonym, vertraulich, ohne Druck - gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • COURAGE Beratungsstellen (Wien, Linz): Kostenlose Beratung zu Coming-out, sexuelle Orientierung, psychotherapeutische Gruppen für junge queere Menschen. Info: 01/585 69 66, courage-beratung.at
  • Männerberatung Wien: LGBTIQ+-Beratung für schwule, bisexuelle und trans* Männer. E-Mail: [email protected], Tel: 01/603 28 28
  • RosaLila PantherInnen (Österreich): Peer-Beratung, Coming-out-Gruppen, psychosoziale Unterstützung. [email protected]
  • Telefonseelsorge (Deutschland/Österreich): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 - rund um die Uhr, anonym, kostenlos
  • Online-Chat der Aids Hilfe Wien: Täglich 17-20 Uhr, anonym, zu allen Fragen rund um queeres Leben

Du musst nicht in einer Krise sein, um diese Angebote zu nutzen. Manchmal reicht es, einfach mal mit jemandem zu sprechen, der versteht, wovon du redest.

Ein letzter Gedanke

Coming-out ist kein Event, sondern ein Prozess. Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, keine perfekte Reihenfolge, kein "zu spät" oder "zu früh". Für das Coming-out ist es nie zu spät. Manche outen sich mit 15, andere mit 35. Manche erzählen es zuerst ihrer besten Freundin, andere dem anonymen Internet. Alles davon ist in Ordnung.

Was nach dem Coming-out kommt? Nicht das perfekte Leben. Aber mit der Zeit: mehr Leichtigkeit. Weniger Verstecken. Die Möglichkeit, dich so zu zeigen, wie du bist. Und Menschen, die dich dafür mögen - nicht trotzdem, sondern einfach so.

War dieser Guide hilfreich?

Log dich ein, um dein Feedback dazulassen - das dauert nur einen Moment.

Einloggen & Feedback geben