Dein erstes Mal mit einem Jungen - Was du wirklich wissen solltest

Vor deinem ersten Mal mit einem anderen Jungen ist es normal, dass du Fragen hast. Wir räumen mit Mythen auf und erklären, worauf es wirklich ankommt - von Safer Sex bis zur Frage, ob Analsex überhaupt dazu gehören muss.

justboys-Redaktion

4 Min Lesezeit

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Vielleicht stehst du kurz davor, zum ersten Mal mit einem Jungen zu schlafen. Oder du fragst dich generell, wie das eigentlich funktioniert und was auf dich zukommt. Die klassischen Fragen kennen wir alle: Wird es wehtun? Wer macht was? Muss ich mich irgendwie vorbereiten? Dieser Ratgeber gibt dir die Antworten, die du brauchst - ehrlich, praktisch und ohne unnötiges Drama.

Analsex ist nicht Pflicht - wirklich nicht

Falls du denkst, dass schwuler Sex automatisch gleich Analsex bedeutet: nein. Dieser Mythos hält sich hartnäckig, aber er stimmt nicht. Tatsächlich gibt es viele schwule und bisexuelle Männer, denen Analsex nicht wichtig ist oder die ihn gar nicht mögen. Sex kann unglaublich viele Formen haben - Oralsex, gegenseitige Masturbation, Körperkontakt, bei dem ihr eure Penisse aneinander reibt, oder auch das Reiben des Penis zwischen den Oberschenkeln des Partners. Alles davon ist Sex. Alles davon kann intensiv und intim sein.

Was du magst, findest du nur durch Ausprobieren heraus - und das darf sich im Laufe deines Lebens auch ändern. Lass dich nicht von Pornos oder irgendwelchen Erwartungen unter Druck setzen. Dein erstes Mal muss nicht nach Drehbuch ablaufen.

Wie dein Körper funktioniert - besonders der Anus

Wenn du dich für Analsex interessierst, ist es hilfreich zu wissen, wie dein Körper funktioniert. Der Anus ist die Öffnung am Ende des Darms, kontrolliert durch den Schließmuskel. Dieser Muskel ist sehr empfindlich und hat viele Nervenenden - deshalb kann Stimulation dort sehr erregend sein, aber bei zu viel Druck oder zu schnellem Vorgehen auch schmerzhaft.

Jeder Körper reagiert unterschiedlich. Manche sind dort sensibler, andere weniger. Am besten lernst du deinen eigenen Körper erstmal allein kennen, bevor du mit jemandem zusammen experimentierst. Nimm dir Zeit, taste dich langsam heran - und benutze dabei unbedingt Gleitmittel. Das ist kein Nice-to-have, sondern absolut notwendig, damit es angenehm bleibt und keine Verletzungen entstehen.

Wenn du weißt, was dir gefällt und wo deine Grenzen liegen, kannst du das deinem Partner auch sagen - vor oder während dem Sex. Kommunikation ist nicht peinlich, sie ist der Schlüssel zu gutem Sex.

Top, Bottom oder einfach flexibel?

Vielleicht fragst du dich, ob du derjenige sein möchtest, der aktiv eindringt, oder lieber passiv empfängst. Diese Frage lässt sich nicht im Voraus beantworten - und das ist völlig okay. Probier beide Rollen aus, wenn du magst, oder bleib bei dem, was sich für dich richtig anfühlt. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Redet vorher miteinander, was ihr beide wollt. Das braucht Mut, klar, aber es lohnt sich. Ihr seid keine Gedankenleser, und Sex funktioniert am besten, wenn beide wissen, woran sie sind.

Safer Sex - schützt dich und andere

Kondome sind beim Anal- und Vaginalsex Pflicht, wenn du dich vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wie HIV, Syphilis, Gonorrhö (Tripper) oder Chlamydien schützen willst. In Europa wurden allein 2022 laut der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC 34 Prozent mehr Syphilis-Fälle gemeldet als 2021, die Zahl der Gonorrhö-Neuinfektionen stieg im selben Zeitraum um 48 Prozent. Der Anstieg ist real, und Aufklärung ist wichtiger denn je.

Kondome schützen nicht nur vor Infektionen, sondern auch vor Hygiene-Sorgen, auf die wir gleich noch eingehen. Benutze zusätzlich ein Gleitmittel auf Wasserbasis - das verhindert, dass das Kondom reißt, und macht alles angenehmer. Laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit sprechen knapp neun von zehn jungen Menschen in Beziehungen selbstverständlich über Verhütung, und 67 Prozent thematisieren auch den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Du bist also nicht allein, wenn du das Thema ansprichst - im Gegenteil.

Hygiene ohne Panik

Viele haben anfangs Sorge wegen der Hygiene bei Analsex. Die gute Nachricht: Normale Körperhygiene - also duschen, den Analbereich mit Wasser und milder Seife waschen - reicht völlig aus. Wenn du ein Kondom benutzt, bleibt außerdem nichts am Penis hängen, selbst wenn mal Spuren von Kot dabei sind. Das Kondom wird danach einfach entsorgt.

Vorsicht bei parfümierten Pflegeprodukten oder Feuchttüchern: Die können die empfindliche Haut von Penis und Anus reizen. Wasser und ein mildes, unparfümiertes Duschgel sind die beste Wahl.

Schmerzen vermeiden - langsam und einfühlsam

Wenn du derjenige bist, der den Penis eingeführt bekommt, kann das bei zu schnellem oder zu festem Vorgehen schmerzhaft werden. Schmerz ist ein Signal deines Körpers, dass etwas nicht stimmt - ignoriere es nicht. Wenn es wehtut, heißt es: Zurückziehen, langsamer machen, mehr Gleitmittel benutzen.

Wer mit Gewalt versucht, den Penis einzuführen, riskiert Risse in der Haut des Anus. Diese heilen schlecht und können richtig unangenehm sein. Guter Sex braucht Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen - von beiden Seiten. Wenn dein Partner das nicht respektiert, ist er nicht der Richtige.

Hilfe und Beratung, wenn du sie brauchst

Falls du unsicher bist, Fragen hast oder einfach mit jemandem reden möchtest, der dich versteht: Es gibt Anlaufstellen, die genau dafür da sind. Die Beratungsstelle In&Out bietet zum Beispiel Beratung per E-Mail, Chat, Telefon oder persönlich für queere Jugendliche und junge Erwachsene. Auch das Jugendnetzwerk Lambda hat Angebote in vielen Regionen Deutschlands und Österreichs.

In der Schweiz gibt es du-bist-du.ch, in Österreich die LGBTIQ-Beratung der Männerberatung Wien ([email protected], Tel. 01 603 28 28). Und für alle Fragen rund um Safer Sex, Verhütung und sexuelle Gesundheit ist die Seite liebesleben.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine verlässliche Quelle.

Dein erstes Mal soll schön sein, nicht stressig. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, hör auf deinen Körper - und trau dich, offen zu reden. Das ist der beste Start.

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