Du kennst das vielleicht: Das Kondom fühlt sich irgendwie unbequem an, schnürt ein oder rutscht beim Sex. Kein Wunder, dass viele Männer Kondome als Stimmungskiller empfinden - dabei liegt's oft einfach an der falschen Größe. Und die hat nicht nur Einfluss auf den Komfort, sondern auch auf die Sicherheit.
Kann ein Kondom überlaufen?
Kurze Antwort: Nein. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern die Breite. Kondome sind so konstruiert, dass sie problemlos die durchschnittliche Ejakulatmenge aufnehmen können - die liegt bei etwa 3 bis 5 Millilitern. Das Reservoir an der Spitze bietet mehr als genug Platz. Wenn du das Kondom richtig anlegst und das Reservoir beim Abrollen zusammendrückst, um Luftblasen zu vermeiden, passiert da nichts.
Viel wichtiger ist, dass das Kondom passt. Denn: Sitzt es zu locker, kann es abrutschen. Ist es zu eng, kann es platzen. Und genau deshalb lohnt sich der kurze Check.
So findest du deine Kondomgröße - in drei Minuten
Um die richtige Größe zu ermitteln, brauchst du nur ein flexibles Maßband oder zur Not einen Faden und ein Lineal. Am einfachsten geht es so: Um den Durchmesser des erigierten Penis zu messen, wird ein Maßband angelegt. Der gemessene Penisumfang bestimmt die Kondomgröße.
Schritt 1: Miss den Umfang deines erigierten Penis an der dicksten Stelle - meist in der Schaftmitte. Maßband eng anlegen, aber nicht einschnüren.
Schritt 2: Falls du nur ein Lineal hast, leg einen Faden um den Penis, markiere die Stelle und miss die Länge des Fadens. Alternativ kannst du auch den Durchmesser messen und mit 3,14 multiplizieren - das ergibt den Umfang.
Schritt 3: Kondome gibt es in den Größen 47 bis 69. Die Zahl auf der Packung entspricht ungefähr der Hälfte deines Penisumfangs in Millimetern. Beispiel: Umfang 12 cm = Kondomgröße 60. Die gängigsten Kondomgrößen in Deutschland sind 52, 54 und Kondomgröße 56.
Viele Hersteller empfehlen, drei „benachbarte" Größen auszuprobieren, um die ideale für sich zu finden. Das Kondom sollte sich leicht abrollen lassen, eng anliegen wie eine zweite Haut, aber nicht einschnüren. Wenn es nach dem Überziehen noch hin- und herrutscht, ist es zu groß.

Worauf du beim Analverkehr achten solltest
Beim Analsex ist die Wahl des richtigen Kondoms besonders wichtig - und Gleitgel Pflicht. Der Anus produziert von sich aus nicht genügend natürliche Gleitmittel. Ein verringertes Gleiten kann dazu führen, dass die Haut reißt und blutet. Gleitmittel können Analsex sicherer machen.
Die Verwendung eines Gleitmittels auf Silikon- oder Wasserbasis verringert das Risiko, dass das Kondom beim Analverkehr reißt, während Gleitmittel auf Ölbasis die Latexbeschichtung schwächen und nicht verwendet werden sollten. Speichel reicht übrigens nicht aus - er trocknet zu schnell.
Grundsätzlich sind alle Kondome für Vaginal- und Analverkehr geeignet, wenn man ausreichend Gleitgel verwendet. Manche Männer schwören beim Analverkehr auf etwas dickere, reißfeste Kondome - die gibt's als „extra strong" oder „extra sicher" im Handel. Von extradünnen Kondomen raten viele beim Analverkehr eher ab.
Wichtig: Die Analschleimhaut ist durchlässiger als die vaginale Schleimhaut, weshalb der Schutz besonders wichtig ist. Ja, das Risiko ist sogar höher als beim vaginalen Sex, da die Analschleimhaut empfindlicher ist. HIV, Hepatitis, Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien können übertragen werden - also immer Kondom verwenden, egal ob du der aktive oder der aufnehmende Part bist.
Was du sonst noch wissen solltest
- Nie zwei Kondome übereinander: Das erhöht die Reibung und lässt beide leichter reißen.
- Ablaufdatum checken: Kondome werden mit der Zeit spröde. Nutze keine abgelaufenen Kondome und achte darauf, dass die Verpackung unbeschädigt ist.
- CE-Kennzeichnung: Markenkondome mit CE-Siegel garantieren geprüfte Qualität.
- Bei Stellungswechsel neues Kondom: Wenn du von Anal- zu Vaginal- oder Oralverkehr wechselst, tausche das Kondom, um keine Bakterien zu übertragen.
- Latex-Allergie? Es gibt latexfreie Kondome aus Polyurethan - die funktionieren genauso gut.
Online-Tools und Probiersets können helfen
Wenn du dir unsicher bist, welche Größe passt: Viele Hersteller bieten mittlerweile Probiersets mit drei bis sieben verschiedenen Größen an. So kannst du in Ruhe testen, was sich am besten anfühlt. Auch Online-Kondomgrößen-Rechner (z. B. auf liebesleben.de oder vinico.com) helfen dir, aus deinem Umfang die passende Größe abzulesen.
Ein gut sitzendes Kondom merkst du kaum - und genau so soll es sein. Es schützt dich und deinen Partner vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen, verhindert ungewollte Schwangerschaften und sollte den Sex nicht einschränken, sondern sicherer machen. Also: Miss nach, probier aus, und hab immer ein paar Kondome in der richtigen Größe griffbereit.
