Du hast ein Nacktfoto von dir auf dem Handy - oder überlegst, eins zu verschicken. Vielleicht als Flirt, vielleicht als Liebesbeweis, vielleicht einfach, weil du dich gut findest. Das ist Teil einer selbstbestimmten Sexualität, und das ist okay. Aber: Smartphones sind nicht automatisch sichere Tresore, und was einmal verschickt ist, kann ein Eigenleben entwickeln, das du nicht mehr kontrollieren kannst.
Sexting ist bei Jugendlichen Alltag geworden
Die Zahlen zeigen: 14 Prozent haben bereits Nacktbilder von sich selbst verschickt, so eine aktuelle österreichische Studie von Saferinternet.at aus dem Jahr 2025. 51 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren kennen jemanden, der oder die schon einmal Nacktaufnahmen von sich selbst an andere geschickt hat. Sexting - also das Verschicken intimer Fotos oder Videos - ist längst keine Seltenheit mehr.
Die Motive sind unterschiedlich: Manche schicken Nacktfotos als Teil des Flirtens, andere als Liebesbeweis in einer Beziehung, wieder andere wollen sich selbst gut darstellen. Das Problem: Auf Nachfrage sind sich viele Betroffene unsicher, ob die Entscheidung tatsächlich freiwillig war. Einige sagen sogar, dass sie die Aufnahmen nicht freiwillig verschickt haben. Druck, Unsicherheit oder das Gefühl, jemandem etwas „schuldig" zu sein, spielen oft eine Rolle.
Was schiefgehen kann - und wie oft es passiert
Sexting geht meistens gut. Aber wenn nicht, wird's schnell richtig unangenehm. Knapp die Hälfte aller Jugendlichen (46 %) kennen jemanden, die oder der schon einmal Probleme mit Sexting hatte. 42 Prozent der Befragten haben in ihrem Umfeld bereits wahrgenommen, dass Nacktfotos ohne Zustimmung weitergeschickt oder veröffentlicht wurden.
Die häufigsten Folgen? Die Aufnahmen wurden im Freundeskreis verbreitet (81 %), die Abgebildeten wurden verspottet (55 %), die Aufnahmen wurden öffentlich gemacht (49 %), die Aufnahmen wurden Eltern oder Lehrenden gezeigt (21 %) sowie Erpressung (14 %). Das ist nicht nur peinlich - es kann psychisch heftig belasten und hat in manchen Fällen auch strafrechtliche Konsequenzen.
Sechs Prozent der Befragten geben an, schon einmal heimlich in einer intimen Situation gefilmt worden zu sein, zum Beispiel beim Sex, auf der Toilette oder beim Umziehen. Das ist nicht nur ein Vertrauensbruch, sondern eine Straftat.
Drei Dinge, die dein Smartphone sicherer machen
Wenn du Nacktfotos von dir - oder von anderen - auf deinem Handy hast, solltest du dein Gerät absichern. Nicht aus Scham, sondern aus Selbstschutz.
- Sperrcode einrichten: Klingt banal, aber viele verzichten darauf. Ein sechsstelliger Code, Fingerabdruck oder Face-ID schützt dein Handy, falls du es verlierst oder jemand „nur mal kurz gucken" will.
- Fotos in geschützten Ordnern speichern: Viele Smartphones bieten „Privatsphäre-Ordner" oder „Sicherer Ordner"-Funktionen, die mit einem separaten Passwort geschützt sind. Nutze sie für intime Aufnahmen, damit sie nicht in der Galerie auftauchen, wenn du jemandem andere Fotos zeigst.
- Cloud-Backup deaktivieren: Google Fotos, iCloud und Co. laden deine Bilder automatisch hoch - auch die intimen. Deaktiviere das Backup für diese Ordner oder lösche solche Fotos regelmäßig, wenn du sie nicht mehr brauchst.
Wann du Nein sagen solltest - und wie
Du musst niemandem ein Nacktfoto schicken. Auch nicht, wenn die Person darauf besteht, wenn ihr „schon so lange zusammen" seid oder wenn „alle das machen". 81 Prozent schätzen die Gefahr negativer Folgen als hoch oder sehr hoch ein. „In der konkreten Situation, wenn man zum Beispiel um ein Nacktfoto gebeten wird, ist es für Jugendliche aber oft schwierig, riskantes Verhalten zu vermeiden", so eine Psychologin von Saferinternet.at.
Ein klares „Nein, möchte ich nicht" reicht. Du musst dich nicht rechtfertigen. Wenn die Person dann sauer wird oder Druck macht, ist das ein rotes Tuch - und ein Grund, die Beziehung zu überdenken.
Falls jemand droht, deine Nacktfotos zu veröffentlichen oder zu verbreiten (Sextortion), hol dir sofort Hilfe: Rat auf Draht (147, kostenlos und anonym) oder Saferinternet.at bieten Beratung. Auch die Polizei kann eingeschaltet werden - das ist keine Bagatelle, sondern eine Straftat.
Safer Sexting gibt es nicht - aber du kannst Risiken senken
„Safer Sexting gibt es nicht. Gleichzeitig ist Sexting Teil einer selbstbestimmten Sexualität geworden", sagt Barbara Buchegger von Saferinternet.at. Das heißt nicht, dass du es lassen musst - aber sei dir der Risiken bewusst.
Ein paar Tipps, wenn du dich dafür entscheidest:
- Kein Gesicht, keine Tattoos, keine erkennbaren Hintergründe: Wenn ein Foto doch mal weitergeschickt wird, sollte niemand darauf erkennen können, dass du es bist.
- Vertraue nur Menschen, die du wirklich kennst: Verschicke nichts an Leute, die du nur online kennst oder die du gerade erst gedatet hast.
- Lösche alte Bilder: Was du nicht mehr brauchst, sollte nicht auf deinem Handy liegen. Auch nicht in der „Kürzlich gelöscht"-Ansicht - lösche sie endgültig.
Sexting kann Teil deines Liebeslebens sein - aber nur, wenn du dich dabei wohl fühlst, wenn du Vertrauen hast und wenn du weißt, wie du dich schützt. Dein Körper, deine Regeln, dein Handy.
